St.Simon

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Einfluss der St.Simonisten auf den jungen Marx

We know, for example, that a Saint-Simonian, Ludwig Gall, apparently connected with a liberal circle which included Marx's father and the headmaster of the local school, attracted attention in Trier while Marx was a high-school pupil there; that Marx spoke of his highly revered father-in-law, Ludwig von Westphalen, as a disciple of Saint-Simon; and that Eduard Gans, whose course on jurisprudence at the University of Berlin had a profound influence on Marx, was a convinced Saint-Simonian. Indeed, the evidence is strong that Marx was exposed to Saint-Simonian doctrines, and therefore probably Comtean ideas, before his headlong rush into Hegelian studies.

(The Riddle of History: The Great Speculators from Vico to Freud" by Bruce Mazlish, Harper & Row, New York 1966, concerning the relation of Comte to Marx, Seite 228)

Especially important was the influence of the doctrine upon German socialism. It dates from Lorenz von Stein Der Sozialismus und Communismus des heutigen Frankreichs ( 1842) and Karl Grün Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien ( 1845). Though Marx called the Saint-Simonians 'half prophets and half crooks' he knew their writings more thoroughly than did these writers.

His native town, Trèves [Trier], was a centre for Saint-Simonian propaganda in 1835; and his father belonged to a group which was dissolved by the police on suspicion of engaging in such activities. Later, at the University of Berlin, he studied under Professor Eduard Gans, who interested him both in Hegelian philosophy and in Saint-Simonian literature.

His own thought owes much to Saint-Simonism. 1 The socialization of the means of production; the expropriation of landed property; the abolition of the right of inheritance ('un vestige féodal', says Bazard, 'la propriété par droit de naissance et non par droit de capacité'); 2 the centralization of credit in the hands of the State by the establishment of a State Bank with an exclusive monopoly: these demands were all made by the Saint-Simonians long before they appeared in the Communist Manifesto. By his conception of the class struggle, of the 'exploitation of man by man'; 3 and by his interpretation of the process of emergence of governing classes Marx continually recalls Bazard. Like the Saint-Simonians he looked forward to a future society in which class 'antagonisms' shall have given way to the great principle of 'association'.

("Social Romanticism in France, 1830-1848" by David Owen Evans, Clarendon Press, Oxford, 1951, S.18/19. Siehe Buch zu St.Simon)

Buch zu St. Simon

Der Aschnitt im Buch "Social Romanticism in France, 1830-1848" by David Owen Evans, Clarendon Press, Oxford, 1951 ) ist noch besser als die beiden Lexika-Einträge weiter unten, weil mehr an der Frühgeschichte des Sozialismus interessiert. Aber leider in englisch und nichtgemeinfrei.

Mich interessiert das Thema, weil es hier eine Verbindung zwischen Hegel, Gans und Marx auf der Basis des Frühsozialismus gibt.

Eintrag zu St.Simon aus "Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905)"

Claude Henri, Graf, Schriftsteller und Gründer der ersten sozialistischen Schule, Enkel des vorigen, geb. 17. Okt. 1760 in Paris, gest. 19. Mai 1825, wurde in glänzenden Verhältnissen erzogen, von hervorragenden Lehrern, unter ihnen von d'Alembert, unterrichtet, trat mit 17 Jahren in den militärischen Dienst und ging mit Bouillé nach Amerika, um unter Washington für die Freiheit der Neuen Welt zu kämpfen. Nachdem er hierauf Amerika bereist und unter anderm vergeblich versucht hatte, den Vizekönig von Mexiko für einen großen Kanalbau zur Verbindung der beiden Weltmeere zu interessieren, kehrte er 1783 nach Frankreich zurück, wurde hier Oberst eines Regiments, nahm aber bald seinen Abschied. In den nächsten Jahren beschäftigten ihn die Pläne großartiger Unternehmungen. So versuchte er 1785 in Holland, allerdings vergeblich, eine französisch-holländische Expedition gegen die englischen Kolonien in Indien zustande zu bringen. 1787 ging er nach Spanien, um die Regierung zu dem Bau eines Kanals zwischen Madrid und dem Meere zu veranlassen; aber die Ausführung dieses Projekts wurde durch den Ausbruch der französischen Revolution verhindert.

Diese wurde für S. verhängnisvoll; denn er verlor durch sie sein ganzes bedeutendes Vermögen. Um seine Existenz zu sichern, betrieb er in Gemeinschaft mit einem Grafen Redern geschäftsmäßig den Verkauf von Nationalgütern; daneben aber beschäftigte ihn mehr und mehr der Gedanke, etwas Großes für das Wohl der Menschheit zu wirken, die sozialen und moralischen Übelstände im Volksleben zu beseitigen und das allgemeine Völkerglück herzustellen. Schon damals trug er sich mit der Vorstellung, daß man zur Lösung dieser Aufgabe eine neue allgemeine, eine physiko-politische Wissenschaft schaffen müsse. 1797 schied er aus dem Geschäft mit einer Abstandssumme von 144,000 Fr., um sich fortan dieser Aufgabe zu widmen. Er studierte mehrere Jahre an der Universität in Paris Naturwissenschaften und Geschichte und bereiste dann England und Deutschland. Nach Paris zurückgekehrt, verheiratete er sich 1801 mit einem Fräulein von Champgrand und stürzte sich während seiner Ehe in den Strudel des geselligen Verkehrs und der Sinnenlust. Nach einem Jahre, in dem er den Rest seines Vermögens verbraucht hatte, gab er dies Leben auf und trennte sich von seiner Frau.

Er betrachtete jetzt die experimentelle Lehrperiode seines Lebens als abgeschlossen und wollte nun die Ergebnisse seiner Studien und Erfahrungen der Welt verkünden. 1802 erschien seine erste Schrift: »Lettres d'un habitant de Genève à ses contemporains«, in der er versuchte, das Wesen der bürgerlichen Gesellschaft wissenschaftlich zu erfassen und eine Reform derselben sowie eine neue Gesellschaftswissenschaft und Religion zu begründen; aber seine unklaren und phantastischen Ausführungen fanden keine Beachtung. Ebenso erging es seinen folgenden Schriften: »Introduction aux travaux scientifiques du XIX. siècle« (1808, 2 Bde.), »Lettres an bureau des longitudes« (1808), »Nouvelle Encyclopédie« (1810), »Mémoire sur l'Encyclopédie« (1810), »Mémoire sur la science de l'homme« (1811), »Mémoire sur la gravitation« (1811). In die bitterste Not geraten, sah S. sich gezwungen, zur Fristung seiner Existenz eine schlecht bezahlte Kopistenstelle in einem Leihgeschäft (mont de piété) anzunehmen, bis ihn einer seiner frühern Diener, Diard, in sein Haus nahm. Als dieser aber nach zwei Jahren starb, lebte er im Elend von den Unterstützungen seiner Freunde.

1814 erschien eine neue Schrift von ihm: »Réorganisation de la société européenne«. In ihr und zahlreichen andern, die in den nächsten Jahren erschienen, geht S. direkt auf die soziale Frage ein, betont hier den Klassengegensatz von Arbeitgebern und Arbeitern, von Kapital und Arbeit, die ungerechte Verteilung, die falsche Eigentumsordnung, das Recht der arbeitenden Klassen auf eine neue Organisation der Produktion etc. Wegen einer dieser Schriften: »L'organisateur« (1820), in deren erstem Hefte: »Parabole politique«, er die Meinung vertrat, daß der Verlust von 10,000 Arbeitern für Frankreich nachteiliger wäre als der Verlust der königlichen Familie, des ganzen Hofstaates, des höchsten Klerus und der obersten Beamten, wurde er in Anklagezustand versetzt, aber von den Geschwornen freigesprochen. Ein größeres historisches Werk: »Système industriel« (1821–22, 3 Bde.), war der Versuch einer Geschichte der Arbeit.

Nun begannen seine Schriften die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und führten S. auch eine Schar begeisterter und hervorragender Schüler zu, wie Augustin Thierry, Auguste Comte, Saint-Aubin u.a.; indes was S. vor allem erstrebte, die Beachtung und Anerkennung seiner Schriften durch die Männer der Wissenschaft, fand er nicht. Dazu war seine materielle Lage eine außerordentlich kümmerliche. Ihn ergriff die Verzweiflung, und im März 1823 machte er einen Selbstmordversuch, bei dem er ein Auge verlor. S. lebte noch zwei Jahre, vergöttert von seinen Schülern, deren Zahl zunahm, und schrieb außer einem Werk: »Opinions littéraires, philosophiques et industrielles« (1825), die beiden Hauptwerke seines Lebens: »Catéchisme des industriels« (1823) und »Nouveau Christianisme« (1825), in denen er die Ideen entwickelte, die dann nach seinem Tode seine Schüler zu dem sozialistischen System, dem Saint-Simonismus, ausbildeten (s. Sozialismus).

In jenem Werke wird die Arbeiterfrage als das soziale Problem der Gegenwart, ihre Lösung als die eigentliche Aufgabe der Gesellschaft hingestellt und der Weg zu ihrer Lösung nach den sozialistischen Ansichten Saint-Simons gezeigt. Das zweite Werk behandelt die religiöse Reform der Gesellschaft durch ein neues Christentum der werktätigen Bruderliebe.

Nach seinem Tode bildeten seine Schüler, zu denen unter andern auch Péreire, Rodriguez, M. Chevalier, Léon Halévy, J. B. Duvergier, Bailly gehörten, unter der Führung von Bazard (s. d.) und Enfantin (s. d.) als Saint-Simonisten die erste sozialistische Schule, die von 1825–32 die neue sozialistische Lehre in weitern Kreisen mit Erfolg verbreitete.

Saint-Simons Werke wurden zuletzt mit denen Enfantins herausgegeben (Par. 1865–78, 36 Bde.); sein Bildnis s. Tafel »Sozialisten I«. Vgl. L. Reybaud, Etudes sur les reformateurs contemporains (7. Aufl., Par. 1864); L. Stein, Der Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreich (Leipz. 1842) und Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich (das. 1850, 3 Bde.); Hubbard, S., sa vie et ses travaux (Par. 1857); Janet, S. et le Saint-Simonisme (das. 1878); Warschauer, Geschichte des Sozialismus, 1. Abt.: S. und der Saint-Simonismus (Leipz. 1892); G. Weill, S. et son oeuvre (Par. 1894) und L'école Saint-Simonienne (das. 1896); Charléty, Histoire du Saint-Simonisme (das. 1896); Weisengrün, Die sozialwissenschaftlichen Ideen Saint-Simons (Basel 1895); E. de Witt, S. et le système industriel (Par. 1903); Muckle, S. und die ökonomische Geschichtstheorie (Jena 1906).

Das katholisch-konservative "Herdersche Conservationslexikon" 1854-1857 zu St.Simon und St.Simonisten

St. Simon, Claude Heinrich, Graf von, der Urheber des nach ihm benannten socialistischen Systems; geb. 1760, ein Schüler dAlemberts, zeigte sich sein früh erwachter Ehrgeiz schon darin, daß er sich morgens mit den Worten wecken ließ: Herr Graf, stehen Sie auf. Sie haben noch große Dinge zu verrichten! Er focht in Amerika unter Washington, gerieth in engl. Kriegsgefangenschaft, wurde 1789 Oberst. Die beginnende Revolution fand ihn schon zu sehr in seine socialistischen Weltbeglückungsplane vertieft, als daß er sich um ihre Hauptfrage: ob constitutionelle Monarchie ob Republik, groß hätte kümmern sollen, auch war ihm die antireligiöse Tendenz derselben zuwider; er zog insofern Vortheil aus ihr, als er mit den Geldern eines preuß. Grafen von Redern glücklich in Nationalgütern speculirte, vergeudete aber das Erworbene in wenigen Jahren u. gerieth in bittere Dürftigkeit, da seine Schriftstellerei sehr wenig Anklang fand. Nachdem er 1823 einen Selbstmordsversuch gemacht, st. er 1825 voll des Glaubens an die weltgeschichtliche Zukunft seines Systems. Unter seinen vielen Schriften sind die wichtigsten: »Réorganisation de la société européenne« (1814) und »Nouveau christianisme« (1825 l. S. S. und sein System sind der Gegenstand vieler Schriften geworden; von französ. nennen wir die von Michaud und Ozanam, von deutschen die von Schiebler, Carové [Kai: Schüler Hegels! Hegel hatte Caroves Arbeit über St.Simon in seinem Bücherschrank!], Bretschneider, M. Veit. Vergl. Fourier.

St. Simonismus, das auf Grundlage der Träumereien des Grafen Saint-Simon weitergebildete socialistische System, das seit 1830 durch Zeitungen u. Vorlesungen in Paris sowie durch Proselytenmacherei in Belgien und anderorts Lärm machte. Dasselbe läuft auf eine Verzerrung der christlichen Idee vom Reiche Gottes auf Erden zu einem pantheistischen Fabrikstaat hinaus u. ist nach Art solcher Systeme in seinen Verneinungen keineswegs uninteressant, in seinem positiven Theil aber vorherrschend lächerlich. Das Verdienst an die Stelle der Geburt zu setzen, Brüderschaft aller Völker durch gegenseitigen Vortheil zu begründen, die Massenarmuth u. Concurrenz im Gebiete der Industrie unmöglich zu machen – hieß das anlockende Ziel, welches die Saint-Simonisten erreichen wollten, weil die katholische Kirche diese ihre Hauptaufgabe niemals begriffen habe. Um das 5. Weltalter, das der unendlichen Vollkommenheit zu begründen, erschien von Gott gesandt Graf Saint-Simon, der als erstes Weltgesetz proclamirte: allen ohne Ausnahme Erziehung, Beschäftigung u. Lohn, aber jedem nur nach seiner Fähigkeit u. seinen Leistungen! Der Erdball soll dereinst nur noch von Priestern mit einem »obersten Vater« an der Spitze, von Künstlern u. Industriellen bevölkert sein, die Priester sollen aus den Fähigsten u. Würdigsten erwählt und ihnen die Leitung des Ganzen sowie die unendliche Vervollkommnung des Einzelnen übertragen werden; der Einzelne aber wird sein Leben lang erzogen und beaufsichtiget; den Männern sind die Weiber rechtlich vollkommen gleichgestellt, niemand jedoch besitzt rechtlich den dauernden Genuß einer Sache, geschweige Privateigenthum oder Erbrecht. Die Predigt der saint-simonistischen Religion besteht vor allem im Unterricht im S. S., die Beichte in der Belehrung und Ermahnung des Einzelnen, die Communion in der Gemeinsamkeit des durch Musik u. andere Künste verherrlichten Gottesdienstes.

Der S. S. gedieh 1830 zu einer Gesellschaft, deren hervorragendste Mitglieder Bazard, Enfantin, Lechevalier, Duveprier, Rodriguez u. Barrault waren. Die erhitzte Einbildungskraft mehr als eines derselben sah mit der Vervollkommnung des Menschengeschlechtes den Erdball selber zum Paradiese werden. Allein schon im Spätherbst 1831 kam Zwietracht u. Trennung unter die Saint-Simonisten, indem Enfantin der Emancipation des Fleisches stark das Wort redete und seine Herrschsucht viele gegen ihn aufbrachte. Weil die Saint-Simonisten zudem unter den »ouvriers« bedenklichen Anhang fanden, wurde der Partei des Enfantin der Proceß gemacht und in Folge davon im Sommer 1832 die Gesellschaft aufgelöst, was die Partei Bazards vorher freiwillig gethan hatte. Die Häupter des S. S. zogen in alle Welt, namentlich nach Aegypten und verschollen; ihr Anhang verschwand unter den übrigen Socialisten.

Siehe auch