Objektiver Geist - einleitende Paragraphen

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Enz. § 483, 1. Satz

Z1 Der objektive Geist ist die absolute Idee,
Z2    aber nur an sich seiend;
Z3 indem er damit auf dem Boden der Endlichkeit ist,
Z4    behält seine wirkliche Vernünftigkeit die Seite äußerlichen Erscheinens an ihr.

Kai zu 483, Satz 1

Z1:

  • a) Der objektive Geist ist der sich objektivierende, verwirklichende Geist.
  • b) Die Idee muss sich verwirklichen (objektivieren), sonst ist sie nicht Idee
  • c) absolut ist gemeint als unendlich, also nicht-endlich, nicht begrenzt
  • d) in der Realphilosophie, speziell im Geist, ist die absolute Idee der absolute Geist
  • e) zum Verhältnis von subjektiven, objektiven und absoluten Geist:

Z2:

  • a) Der objektive Geist verwirklicht zwar die Maßstäbe des absoluten Geistes, ist insofern also absoluter Geist/Idee
  • b) aber er ist dabei erst auf dem Weg dahin, verwirklicht diese nicht vollständig, ist noch in seine Grenzen gefangen (Darum nur An sich, was eine Entwicklungsfähigkeit, ausdrückt)

Z3:

  • s. Z1-C (nicht), Z1-e2, Z2-b

Z4:

  • a) Der objektive Geist ist die wirkliche (=Prozess der Verwirklichung) ...
  • b) ... Vernünftigkeit (Geist ist an sich und dem Zweck nach vernünftig)
  • c) aber als äußerliche Erscheinung = Z3

Kurzformel könnte sein: Das, was sich da kultureller Hinsicht entwickelt - Kultur hier als Gegenbegriff zu Natur!! - ist selbst von vernünftiger Struktur. erscheint aber noch in "äußerlicher Form" - was näher zu bestimmen wäre.

Enz. § 483, 2. Satz

Der nächste Abschnitt ist im Kern einfacher:

 Z1 Der freie Wille hat unmittelbar zunächst die Unterschiede an ihm,
 Z2 daß die Freiheit seine innere Bestimmung und Zweck ist
 Z3   und sich auf eine äußerliche vorgefundene Objektivität bezieht,
 Z4     welche sich spaltet
 Z5        in das Anthropologische der partikulären Bedürfnisse,
 Z6             in die äußeren Naturdinge, die für das Bewußtsein sind,
 Z7        und in das Verhältnis von einzelnen zu einzelnen Willen,
 Z8             welche ein Selbstbewußtsein ihrer als verschiedener
 Z9               und partikulärer sind;
Z10   diese Seite macht das äußerliche Material für das Dasein des Willens aus.

Kai zu 483, Satz 2

Z1:

  • a) "unmittelbar" - "zunächst": doppelt gemoppelt.
  • b) es geht also zunächst mal um den freien Willen an sich, noch nicht um den Prozess seiner Verwirklichung, sozusagen den Willen bestimmt als "subjektiven Zweck"
  • c) "die Unterschiede an ihm"
    • c1) Unterschiede: es werden jetzt einfach mehrere nähere Aspekte des freien Willens erläutert
    • c2) "an ihm" kommt aus der Daseinslogik. Hier ist es einfach eine Art zu reden, die Unterschiede stellen sich (für uns/in unserer Darstellung) so dar, dass hat keinen tieferen logischen Sinn (immerhin ist hier Hegel in seinen logischen Bildern mit seiner Logik konsistent, während die "normalen" "Satzbilder" wie eben "stellt sich so dar", sich keiner konsitenten Terminologie verdanken).

Z2:

  • das mit der Freiheit hatten wir schon vorher im Kapitel über den praktischen Willen
  • innerer Bestimmung und Zweck: wieder doppelt gemoppelt, innerer Bestimmung ist ein Vorläufer für den subjektiven Zweck, der Zweck kann aber auch weiter (als vollendeter Zweck und Idee) gedacht werden. Hegel meint hier aber wohl den subjektiven Zweck, was er wohl mit der Doppelung ausdrücken will

Z3:

  • ist klar: jeder Zweck (und Wille) bezieht sich auf die (äußere) Welt der Umstände und Mittel

Z4:

  • "welches sich spaltet" = diese gliedern sich wie folgt:

Z5:

  • Der Mensch hat zunächst einmal partikuläre Bedürfnisse (siehe praktischer Wille), diese bestimmen sich aus der Anthropologie (der Mensch als Naturwesen in seinem Körper, dies wichtiger Gegenstand des Kapitels zum Subjektiven Geist)

Z6:

  • Der Mensch bezieht sich in seinem Willen/Zwecksetzung auf äußere Dinge (als Mittel und Bedingungen, siehe 2.Teil der Zweck/mittel Kategorie)

Z7:

  • "Verhältnis von einzelnen zu einzelnen Willen" - Der Mensch bezieht sich in seinem Willen schliesslich auch auf andere Willen (die der Hauptgegenstand der Rechtsphilosophie)

Z8/Z9:

  • etwas unklar. Anspielung auf das im Abschnitt zur Phänomenologie (in der Mitte des Kapitels zum subj. Geist) behandelte?

Z10:

  • Zusammenfassung: die vorgenannten Aspekte machen die "äusserlichen Seiten" aus
  • versucht man komplementär, dann die hier nicht expliziten "inneren Seiten" des freien Willens anzugeben, wäre das dann wohl die Logik des Zweckes, die Freiheit als Inhalt und dann der vernünftige Inhalt.

Enz. § 484

Z1: Die Zwecktätigkeit aber dieses Willens ist, seinen Begriff, die Freiheit,
Z2: in der äußerlich objektiven Seite zu realisieren,
Z3: daß sie als eine durch jenen bestimmte Welt sei,
Z4: so daß er in ihr bei sich selbst, mit sich selbst zusammengeschlossen,
Z5: der Begriff hiermit zur Idee vollendet sei.

Kai zu 484, 1.Satz

Z1/Z2:

  • das der (freie) Wille die Freiheit will, dazu bereits vorher im praktsichen Geist (in der Vorlesung schriebt Hegel dazu, dass genauso, wie man fragen könne, ob der Wille frei ist, könne man fragen "ist das Wasser nass"?)
  • dass der Wille sich realisieren will, hatten wir da ebenfalsl besprochen.
  • dieses Realisieren passiert natürlich in der "äusserlich objektiven" welt
  • insofenr diese dem sunjektivben Willen/Zeeck gegenübersteht, ist das die "äußerlich objektiven Seite", inder sich der Wille realisiert
  • insofern der Wille hier also Geist mit Zweck ist, so ist die verwirklichung des Willens "ZWecktätigkeit"

Z3:

  • Wenn der Wille sich in der Welt verwirklciht, so bestimmt er damit diese Welt

Z4:

  • Durch diese Verwirklichung in der Welt kommen subjektiver Zweck/Wille und verwirklichter Zweck/Wille zur Deckung, der klassische Zweck-Prozess

Z5:

  • Da die Idee der sich im Objekt selbst verwirklichende Begriff ist, ist der Wille so Idee.
    • Im Gegensatz zum Zweck als Ende des Objektabschnittes in der Logik ist der Wille nicht einfach externer Zweck (das ist er aus der Perspektive des Mittels/Objektes), sondern im Willen wird die PErspektive des freien Zwecksetzenden eingenommen, insofern selbstbestimmter Zweck, und insofern Idee
  • Da der Wille hiermit an sein Ziel gekomen ist, hat er sich hiermit vollendet
  • In der Logik vollendet sich die Begriffslogik in der Idee, diese ist analog Zweck der (Begriffs)logik

Enz. § 484, 2.Satz

Z1: Die Freiheit, zur Wirklichkeit einer Welt gestaltet,
Z2: erhält die Form von Notwendigkeit,
Z3: deren substantieller Zusammenhang das System der Freiheitsbestimmungen
Z4: und der erscheinende Zusammenhang als die Macht,
Z5: das Anerkanntsein, d. i. ihr Gelten im Bewußtsein ist.

Kai zu 484, 2.Satz

Z1

  • jetzt wird die Perspektive des sich verwirklichenden Willens eingenommen:
  • der freie Wille und sein Inhalt, die Freiheit, verwirklichten sich in der Welt

Z2:

  • insofern es sich um einen vernünftigen Willen handelt, hat er auch an sich Aspekte, die notwendig sind (diese werden in der Rechtsphilosophie dann im Folgenden abgeleitet)

Z3

  • das System der Freiheitsbestimungen ist Gegenstand der Rechtsphilosophie, wird im folgenden dargestellt
  • wieso "substantieller Zusammenhang"? Müsste jetzt deshalb "Zusammenhang" der unterschiedlichen, hier im weiteren abgeleiteten Bestimmungen sein - diese stehen also - das Vorankündigung - in einem Zusammenhang, der natürlich einer der Sache selbst sein muss/müsste.

Z4:

  • Unterschied zu Z3: hier jetzt nicht der "substantielle" (wie in Z3) sondern der "erscheinende Zusammenhang"
  • "die Macht" unklar. Ist diese Macht das Gelten (bewirken des Gelten?) in Z5? "Macht" hat hier das, was "gilt" - das wäre jetzt die "Geltung". Aber der notwendige Zusammenhang der Freiheitsbetimmungen ist mir "inhaltlich" noch unklar.

Z5:

  • Annerkannt sein: Verweis einerseits auf die Phänomenologie, andererseits auf das abstrakte Recht, speziell Person und Eigentum
  • über die Anerkennung sind die Freiheitsbestimmungen (anderen gegenüber?) im Bewusstsein (ist das so richtig verstanden?)