Nachhegelianische Philosophie - eine erste Grobskizze

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Zur Geschichte der nachhegelschen Philosophie

hier eine erste Skizze. ich sehe diese Hauptströmungen:

  • die Strömung, die die Ideen der Auklärung weiter verfolgt, und in der Linkshegelianismus, Materialismus, Positivismus und Marxismus (zu letzterer kann wahrscheinlich das Buch von Christian Henrich "Philosophie nach Marx" Gliederung helfen). Hier passt wahrscheinlich auch die Analytische Philosophie hinein.
  • die Strömung, die von der Romantik ausgehend, vor allem das Irrationale betont. Sie wird geschildert in Lukacs Werk "Der Niedergang der Vernunft" [seit Hegel und gegen Hegel]. Während das Werk selbst durch seinen penetranten dogmatisch orthodox-Marxismus (Ostblock Dogmatismus) fast unlesbar ist (u.a. wird alle diese Lukacs nicht-passende Philosophie als reaktionär, kapitalistisch, bürgerlich usw. bestimmt, während eine inhaltliche Bestimmung sich fast nur darauf beschränkt, dass sie die Leute ablenken soll, den Imperialismus, Kapitalismus, Faschismus fördern und Kommunismus bekämpfen soll, dabei ist die Schilderung der zu bekämpfenden Positionen grob und einseitig), so ist die grobe Linie, wie sie sich durch das Inhaltsverzeichnis zieht, relativ korrekt und erstaunlich nützlich (zudem sind sowohl die soziologisch-historischen Bestimmungen, wie auch die politischen von Lukacs ja - bis auf ihre Undifferenziertheit, Dogmatismus und ihre Unangemessenheit zur Erfassung des philosophischen Gehalts - nicht ganz falsch, sondern treffen ja durchaus wichtiges!), die Anti-hegelianische Philosophie ist zudem gleichzeitig eine fast lückenlose Ideengeschichte des Faschismus (dazu gehören dabei auch die "lebensphilosophisch" orientierten Wiederentdeckungen/Neuinterpretationen Hegels in der 1.Hälfte des 20.Jhdrts). Hier gehören also die Romantik, Schopenhauer/Nietzsche, die Lebensphilosophie, der Faschismus und der Existenzialismus hinein.
  • Als 3.Stellung ließe sich der Postmodernismus mit fast allen heutigen modernen Strömungen festmachen. Wichtiges Bindeglied ist dabei die Frankfurter Schule, die auch den postmodernen Franzosen und Italienern vorausgeht (Material zu dieser Philosophie findet sich u.a. in den Readern zur Philosophie in Frankreich und in Italien im 20.Jahrhundert ("Welten im Kopf", 3bändige Taschenbuchreihe des Rotbuchverlages) und den Readern zur Geschichte der Theologie, Geschichtswissenschaft, Soziologie, speziell der modernen Soziologie und der Kulturwissenschaft ("Klassiker der Theologie", "Klassiker der Geschichtswissenschaft", "Klassiker der Soziologie", "Culture Club", jeweils 2 Taschenbuchbände) - in letzterer auch noch extra Übergänge aus der "Lebensphilosophie" zur Postmoderne). Inhaltlich ist es eher eine Fortführung des Irrationalen, aber im Gewande der Aufklärung (wie übrigens schon die Romantik selbst). Alles Zeichen dafür, dass der Zyklus sich dem Ende nähert.

Was die Grössere Gliederung angeht, so ist die neuzeitliche Philosophie mit Hegel vermutlich erst am Ende des ersten von 3 Dreiecken angelangt, ähnlich wie die antike Philosophie mit Aristoteles erst am Ende des 1.Dreiecks angelangt ist (siehe Poster zur Antiken Philosophie bei Hegel)

Ich würde also mit Hegel die 1.Phase der Philosophie der Neuzeit, die "klassische Neuzeit/Moderne" enden lassen und danach ein neues Unterzeitalter, - dieses "Epoche des Zweifels" (siehe http://hegel-system.de/de/d3333332.htm ) zu nennen, wäre dazu durchaus angemessen - beginnen lassen (aber also kein Unterpunkt zu Hegelianismus wie derzeit auf http://hegel-System.de, siehe dazu etwa http://hegel-system.de/de/d333333.htm ). Dieses könnte mit der Postmoderne abgeschlossen sein. Man müsste hier nach Endpunkten/Wendepunkten suchen, die Annäherung der analytischen Philosophie an Hegel und generell das wachsende Interesse an Hegel könnte so ein Indikator sein. Wie das 3. philosophische Zeitalter der Neuzeit dann aussehen sollte (ich sag mal vorerst inhaltsleer: "Philosophie des 3.Jahrtausends"), weiß ich noch nicht, es müsste aber in der Lage sein, die bisherige Philosophie aufzuheben, was natürlich nur in einem hegelianischen Rahmen passieren kann.

Hier sind Leute wie Geldsetzer, Hartmann, Hansen (mit seiner Hartmann Rezeption), Hösle, usw. mindestens als Steinbruch nützlich.

Noch eine Ergänzung: ich las in den Ferien "Typisch amerikanisch. Wie die Amerikaner wurden, was sie sind." von Hans-Dieter Gelfert. Das Buch hat eine ganze Reihe verblüffender Einsichten parat, ähnlich wie bei der Kirchen/Theologiegeschichte siehst man auch hier verblüfft, wie viel unserer Werte und Kultur sich solchen übersehenen Faktoren verdanken (wobei im Falle der USA sich natürlich viel gerade der amerikanischen Form des Protestantismus - Calvinismus und Freikirchen - verdanken, und eine zusätzliche Kukturgeschichte Englands - es gibt davon 2 vom selben Autor - ebenfalls vertiefend wirken würde). Sollte bei einer Ideengeschichte / Philosophiegeschichte mit berücksichtigt werden.

Nachhegelianische Philosophie - weitere Ideen

Vorläufige Weiterentwicklung meiner Intuition zur Nachhegelianischen Philosophie oben :

Periode 1: "Epoche des Neuaufbruches" (statt "Neuzeit")

schliesst mit Hegel ab! d.h. um Platz zu schaffen, zwei Möglichkeiten:

  • Der Ganze Bereich "Philosophie der Neuzeit" von 33331 bis 33333 (nur bis Hegel selbst!) wird verschoben nach da, wo jetzt 33331 ist, so dass die Plätze 33332 und 33333 frei werden (=Neuaufteilung von http://hegel-system.de/de/d3333.htm ). Oder
  • der Ganze Bereich von 33331 bis 33333 (nur bis Hegel selbst) wird verschoben nach dawo jetzt 333331 ist so dass die Plätze 333332 und 333333 frei werden (=Neuaufteilung von http://hegel-system.de/de/d33333.htm)

Ich tendiere eher zu der ersten Lösung.

Periode2: Epoche des Zweifels

  • 1. Teil: Irrationalismus (gipfelt in Faschismus) - Land Deutschland (Romantik, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Lebensphilosophie etc, Bebilderung bei Lukacs).
  • 2. Teil Neuaufklärung / Scientismus (Materialistische/Naturwissenschaftliche Theorien Theorien, Freud, Marxismus, Frankfurter Schule als Synthese von Freud und Marx und Übergang zu Teil 3, evtl.aber auch an den Anfang von Teil 3 als erste übergreifende Synthese von 1 und 2) - Land Ostblock/UdSSR
  • 3. Postmodernismus (so ziemlich alles ab Ende der 1960er), Vielfalt/Pluralismus, Markt, Pragmatismus statt Wahrheit (der in 1 und 2 je auf ihre Weise wichtig war), Anything goes, in gewisser Weise Synthese von 1 und 2. Land natürlich USA, Schmelztiegel, Globalisierung - Übergang zu Periode 3

Periode 3: Dialog der Kulturen - Weltkultur

Hier spielen jetzt die Kulturen von China, Indien, Islam, Afrika etc. eine zunehmend grössere Rolle (multipolare Welt), alles was bisher nicht aufgehoben wurde, gilt es jetzt zu entdecken, in seinen Eigenheiten zu würdigen und in einer neuen Synthese zusammen zu bringen. Dabei kann am Anfang eine Hegel-Renaissance helfen,das möglicherweise die philosophischen Grundlagen dafür bietet (Hinweis: das sind wir :-)), und das erreichte System am Ende der Periode (das wird wohl noch mindestens hundert, vielleicht auch mehrere Hundert, Jahre dauern) wird natürlich ein erneuertes Hegelsches System sein.

Siehe auch