Logik - Natur - Geist

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zu erkären:

Das System der Wissenschaft gliedert sich bei Hegel so:

Logik - Natur - Geist


Diese Dreigliederung soll den ganzen Umfang der Gliederung umfassen (Damit wäre alles erfasst).

Zu untersuchen wäre also:

  • ist damit tatsächlich inhaltlich alles erfasst?
  • ist die Gliederung in dieser Form sinnvoll (warum wird diese so gegliedert)?
  • ist die Reihenfolge der Gliederung sinnvoll?

zur Gliederung - Inhaltlich

zu Natur und Geist

Man sieht unschwer die beiden großen wissenschaftlichen Bereiche der ...

a) Naturwissenschaften und der

b) Geisteswissenschaften heraus.

Diese Unterscheidung drückt sich so ja im Deutschen auch gut in den beiden grossen Universitätsparten Natur- und Geisteswissenschaften aus (Gesellschaftswissenschaften bzw. Kulturwissenschaften wären dabei in dem hier benutzten Sprachgebrauch Teil der Geisteswissenschaften).

Die Aufteilung ist präzise: insofern der Mensch als Naturwesen (Biologie, Medizin) behandelt wird, fällt er in die Naturwissenschaft, da wo es auf seinen Geist ankommt, in die Geisteswissenschaft. Die englischsprachige Welt nennt die Geisteswissenschaften "Humanities", macht aber genau den gleichen "Schnitt" zwischen Humanbiologie und Medizin einerseits und den eigentlichen Geisteswissenschaften andererseits.

Die Unterscheidung gibt es spätestens seit Descartes strikter Teilung der Welt in eine Innen- und Aussenwelt (insofern die Innenwelt sich dann in der Aussenwelt äussert, diese gestaltet und sich darin auf andere Menschen mit Innenseite bezieht, fällt auch diese in die Geisteswissenschaft). Aber auch schon vorher gab es eine solche Unterscheidung, zumindest die Stoiker und Neo-Platoniker haben ihre Werke klassischerweise in Logik - Natur - Ethik eingeteilt, wobei Ethik eben die umfassende Lehre vom Menschen als geistigem Wesen umfasste.

zur Logik

Abgrenzung der Logik als eigener Bereich heutzutage nicht üblich

Hingegen ist ein eigener Bereich für die Logik in der heutigen Aufteilung der Wissenschaften nicht üblich.

früher schon

In der Antike (und, darauf aufbauend, auch im Mittelalter) hatte man noch die Logik und/oder Metaphysik als einen eigenen Bereich gesehen (sogar als Grundlagenbereich. Dies mag sogar historisch der Grund sein, dass dies heutzutage nicht so gemacht wird, gilt doch eine abgetrennte Metaphysik vielen Empirikern gerade als die Sünde der Scholastik, die mit dem Emprisimus überwunden wurde und erst die heutige Wissenschaft möglich gemacht hat (das wäre also im Folgenden im Hinterkopf zu halten, um dieses Argument mit zu berücksichtigen).

Bedürfnis danach auch heute

Andererseits hatte man in der Antike gute Gründe für diese Aufteilung und dass diese auch heute noch gelten, sieht man an dem Bedürfnis, auch heute noch die Wissenschaften nach ihrer logischen Abfolge zu ordnen (also etwa die klassische Abfolge in den Naturwissenschaften Physik - Chemie - Biologie) und dabei auch Bereiche, die für alle Wissenschaften gelten, diesen voran zu stellen, am unstrittigsten zunächst einmal die Mathematik als Grundlagenwissenschaft insbesondere der Physik, aber auch Wissenschaftstheorie selbst.

Angefangen von einer - meist formal verstandenen - Logik, heute meist als Teil der Matehmatik, bis hin zu Grundfragen der Methodik, des Messens, des Aufbaus von Experimenten usw, entweder aufgebauscht als eigene Wissenschaftslehre, oder, eher, als Zusammenfassung von Erfahrungen und "best practice" Einführungen in das Arbeiten des jeweiligen Faches.

Aus dieser Perspektive werden dann auch philosophische Fragestellungen im Sinne

  • einer Thematisierung der Grundfragen des Faches. Beispiele:
    • was ist die Essenz des Darwinismus (wenn man diesen anscheind auch in andere Gebiete ausserhalb der Biologie übertragen kann)?
    • Was Kraft?
  • über Reflektionen des Vorgehens. Beispiele:
    • Was machen wir eigentlich bei einem Experiment?
    • Wieso ist die Welt "mathematisch", wieso passen Mathematik und Welt zusamemn?
  • bis hin zu den grundsätzlichen Fragen. Beispiele:
    • wie kommen wir zu einer Erkentnis der Welt, wieso passen unsere Erkenntnis und die Welt zusammen?
    • Was ist Wahrheit?
    • Was tun wir eigentlich, wenn wir Wissenschaft betreiben und wie könnte man das begründen?

interessant. Diese Fragen drängen sich gerade den herausragenden Wissenschaftlern eines jeden Faches auf (die sich dann dazu gedrängt fühlen, ihre Gedanken dazu zu Papier zu bringen, teilweise ohne sich darüber bewusst sind, dass die Philosophie zu dem selben Thema schon seit Jahrtausenden nachgedacht hat) und bringen teilweise auch eigene Disziplinen hervor, von mehr speziellen Einzelfragen etwa des Messens, Experimentierens und der Anwendung der Mathematik, bis hin zur allgemeinen Wissenschaftstheorie.

Gründe für die Grundlagenwissenschaft, Unterschied zur Scholastik

Man kann darin schon sehen, dass diese Fragen nicht von aussen an die Einzelwissenschaften herangetragen werden, sondern in den Wissenschaften selbst sind, es sind ihre Fragen, sie selbst haben diese philosophischen Fragestellungen in sich, die zu klären sind. Diese sind teilweise einzelwissenschaftlich (Klärung von Begriffen eines Bereiches von Wissenschaften), teilweise reflektieren sie das Tun und die Grundlage von grossen Wissenschaftsgebieten (etwa das Messen und Experimentieren), teilweise betreffen sie gar die ganze Grundlage aller Wissenschaften (Logik, Erkenntnistheorie, Wahrheitsbegriff). Es macht daher Sinn, diese als eigene Wissenschaft den anderen Wissenschaften als deren, von diesen selbst implizierte, Grundlage voranzustellen.

In der Scholastik, von der sich die moderne Wissenschaft vor allem abgrenzte, war zumindest ein Teil des Inhalt der vorgelagerten Wissenschaft durch die Bibel und die katholische Kirche bereits vorgegeben (und dort wo sich auf Aristoteles, Platon oder die Neuplatoniker bezogen wurde, da wurden deren Grundlagen ebenfalls an diesem Maßstab gemessen und aus diesem Blickwinkel gelesen).

Die richtige Stellung der Grundlagenwissenschaft (die sie bei den alten Griechen hatte und auch bei Leibniz und Hegel wieder hat) besteht hingegen darin, dass sie eben die wissenschaftliche Behandlung der Grundfragen ist (die sich also nur an der Wahrheit und damit der Objektivität misst):

So wie die normalen Wissenschaften ihren Gegenstand zunächst aus einer vorwissenschaftlichen Praxis, einer bestehenden Vorstellung und einem bestehenden Umgang entnehmen und dann dessen Begriff herausarbeiten und diesen immer weiter entwicklen und vervollkommnen (und dieser sich in der Praxis bewährt und aus dieser Praxis dann auch wieder Anregungen für einr Weiterentwicklung kommen - siehe dazu das Begriffstutorial), so entsteht die Grundlagenwissenschaft aus der Praxis der Einzelwissenschaften und allgemein der des ihnen zugrundeliegenden theoretischen Erfassens der Welt (insbesondere Denken).

Auch hier ist es deswegen kein Wunder, wenn die so daraus hervorgehende Begreifen dieser Praxis dann zu dieser Praxis passt (insofern sich die Erkenntnisse der Grundlagenwissenschaften aus dem menschlichen Denken und der Wissenschaftspraxis erschlossen wurden und diese auf den Begriff bringen, so "regieren" sie diese insofern natürlich auch, sind sie insofern deren Grundlagen. Aber diese Grundlagen sind nicht einfach der Praxis vorgelagert, sondern von den Menschen aus der Praxis erschlossen, der Begriff ist in der Praxis enthalten wird aus ihr abgeleitet) und auch hier besteht kein Problem darin, dass diese sich mit der Zeit weiter entwickelt. (Die Vorbehalte, die einer Grundlagenwissenschaft aufgrund der Erfahrungen mit der Scholastik - oder evtl. auch nur dem Zerrbild der Scholastik aus der Perspektive des Empirismus - gelten also nicht für eine wissenschaftliche Grundlagenwissenschaft)

Letztbegründung

Dies betrifft dann auch die Letzbegründung: während sich die einen freuen, sofern sie letzte, tiefste (i.S. von dass dahinter nicht weiter im endlosen Begründungsregress zurück gegangen weren kann und muss) "Begründung" finden, die sich etwa aus der Gesprächs- oder Denkpraxis ableiten lassen (die sich dann nicht ohne Selbstwiderspruch bestreiten lassen), weil sie darin eine unwiderlegliches Fundament für ihre Inhalte erhoffen, so bestreiten andere gerade aus diesem Grunde die Möglichkeit einer solchen Begründung, weil sie darin dann entweder falsche Inhalte vermuten oder eine Abweisung von Kritikmöglichkeit (letzteres auch generell ein wichtiges Motiv bei Skeptikern, Relativisten und Leugnern einer Wahrheit). Beides wird durch den auch hier bestehenden Prozess der Ableitung der Begriffe aus der Welt und der Ableitung dieser Welt dann aus diesem Begriffen obsolet: sofern die Ableitung stimmt, trägt sie ihre Begründung in sich, andererseits ist sie daran auch zu kritisieren (Siehe Begriffstutorial, Unendlichkeit)

Nebenbei: Warum nicht eine andere Grundlagenwissenschaft?

Es gibt natürlich auch von vielen Fächern den Anspruch her, selbst das Grundlagenfach zu sein: Soziologie, Klturwissenschaft, Psychologie, Kybernetik/Systemtheorie, Biologie (speziell Darwinismus), fallen mir sofort ein, aber das lässt sich fast bei jeder Wissenschaft durchführen.

Frage wäre also, was von der Aufteilung Logik-Natur-Geist bei Hegel zu halten ist: ist die Aufteilung vollständig, oder fehlt da noch etwas? (KF: nein). Wo kämen etwa die folgenden Gegenstände hin: (a) Mathematik, (b) Kybernetik, (c) Systemtheorie, (d) Sprache (Antwort: a,b,c nach Logik. Insofern a) Raum betrifft, etwa Geometrie, evtl. in die Natur. d) kommt in Geist, insofern es universelle logische Teile der Sprache betrifft, diese Teile evtl. in Logik)

Frage wäre auch, warum denn ausgerechnet die Logik ausgezeichnet ist als dritter Bereich neben Natur und Geist: Antwort: weil diese selbstreflexiv ist: insofern alle Bereiche zumindest implizit den Anspruch haben, Wissenschaft zu betreiben, es in der Wissenschaft um die Richtigkeit geht und daher alle Bereiche diesen impliziten Maßstab haben, ist die Lehre von der richtigen Wissenschaft, vom richtigen Denken nichts den anderen Wissenschaften äusseres, sondern betrifft diese wirklich, und lässt sich auf sich selbst auch anwenden: Wissenschaft von der richtigen Wissenschaft, Denken des richtigen Denkens.

Monismus, Dualismus usw

Wenn die Einteilung zumindest soweit geklärt ist, dann wäre die nächste Frage, wie die Teile miteinander zusammen hängen. Der Einfachheit halber konzentrieren wir uns dazu im Folgenden zunächst einmal auf die klassische Frage (zumindest der Moderne) nach dem Verhältnis von Natur und Geist, das Verhältnis zur Logik wird dann im weiteren folgen (und dabei dann auch noch einmal in seiner Notwendigkeit als dritter Bereich klarer werden).

Dualismus

Naheliegend wäre, wenn die Unterteilung zwischen Natur und Geist schon gemacht wird, dass es sich hier dann eben um zwei verschiedene Bereiche handelt, die voneinader getrennt sind und nichts miteinander zu tun haben. Danach gäbe es eben zwei (also Dualismus, von lat. duo = 2) verschiedene Prinzipien(familien), die einen für die Welt der Natur, die andere für die Welt des Geistes.

Problem des Dualismus

Mit der Trennung handelt man sich das Problem ein, wie beide Bereiche zusammen kommen können:

  • wie ensteht Geist aus der Natur?
  • wie wirkt Geist auf die Natur? (wie setzt er seinen Willen also um)
  • wie erkennt der Geist umgekehrt die Natur?

Paradox bei der Suche nach der Lösung

  • Man könnte sich ja zunächst einfach vorstellen, dass beide Bereiche zunächst einmal getrennt von einander sind, aber auch aufeinander wirken können, sich also gegenseitig beeinflusen können. Dies verschiebt aber nur das Problem, denn es bleibt dann die Frage, wie denn der eine Bereich auf den anderen Bereich wirken kann, da hier ja eine Gemeinsamkeit, eine gemeinsame "Ebene", ein "Berührungspunkt" unterstellt ist. Da ja im Dualismus die ganze Welt disjunktiv (entweder das eine oder das andere, aber nicht beides zugleich und auch kein drittes) gedacht ist, müsste dann dieser gemeinsame "Berührungspunkt" entweder von einer der beiden Arten sein (und es fragt sich dann wieder, wie dieser auf die andere "Substanz" wirken kann usf. ins unendliche - Descartes hat mit seiner Hypothese der Zirbeldrüse als dieses "Berührungspunktes" also nicht gerade einen seiner hellsten Momente gehabt, wie auch ziemlich jeder seiner Kritiker, angefangen bei Spinoza und Leibniz, ihm dann auch vorgehalten haben),
  • oder es müsste doch eine Mischung von beiden Substanzen geben (was gerade im Ausgangspunkt ausgeschlossen war)
  • oder es müsste eine weitere, dritte Substanz geben (das wäre weniger ausgeschlossen, aber hier ist zunächst nicht einsichtig, wie diese das Problem lösen könnte, da dann sich wieder die Frage auftut, wie denn diese 3. Substanz auf die anderen beiden wirken könnte - man hätte damit das Problem verdoppelt statt gelöst).

Monismus

Angesichts dieses Paradoxes war es der nächste Schritt, zu einem Monismus zu kommen, wonach die beiden verschiedenen Substanzen (ich verwende diese Kategorie hier eher allgemein im Sinne von disjunktiven Arten von Grundbausteinen der Welt) Geist und Natur doch nicht so verschieden sind, sondern eine Gemeinsamkeit haben.

Soll der Unterschied im Monismus aber erhalten bleiben (und das ist ja gerade eine der Forderungen, eine Wegleugnung des Unterschiedes wäre sicher nicht die Lösung des Problemes), so muss dieser Unterschied, der Dualismus, dabei in den Monismus hinein verlegt werden.

Eine der beiden Substanzen wird dann als die "Übergreifende" gedacht, und die andere Substanz ist nun ein Unterschied in ihr (was dann allerdings voraussetzt, dass der Unterschied zwischen beiden nun doch nicht so entscheidend mehr ist, anscheinend muss dann schon ein logischer Übergang von einer Form zur andern möglich sein):

  • (a) Materie als Sonderform des Geistes oder
  • (b) umgekehrt, Geist als Sonderform der Materie

(a) wäre offensichtlich das, was der klassische Diamat als "idealistisch" bezeichnet hat, (b) dasjenige, was der DiaMat als "materialistisch" bezeichnet hatte. Den "Kampf" zwischen diesen beiden "unversöhnlichen Weltanschauungen" stilisierte er dabei zur "Grundfrage der Philosophie".

Problem des Monismus

Hat der Dualismus mit dem Problem der Einheit seiner Unterschiede zu kämpfen, so der Monismus umgekehrt mit der Verschiedenheit dessen, was er zur Einheit bringen will. Wie ist aus dem einen Prinzip das andere als sein Sonderfall abzuleiten, wenn doch der Ausgangspunkt gerade war, dass beide so grundverschieden sind?

Einheit von Monismus und Dualismus

Die unter "Monismus" behandelten beiden Lösungen sind zwar aus der Perspektive des Dualismus die offensichtlichsten, aber logisch gesehen nicht die einzigen möglichen Lösungen. Möglich ist, gerade auch in Perspektive des unter Unendlichkeit entwickelten) auch diese Lösungsmöglichkeit:

Es wird eine weitere, dann logisch übergeordnete, monistische Substanz als Übergreifende genommen, von der die beiden Substanzen unterschiedenen in ihr sind.

Diese Konzeption wäre die Einheit von Monismus und Dualismus, weil hierin der Unterschied des Dualismus vollständig aufgehoben ist (während sie im oben dargestellten Monismus nur zugunsten der einen Seite aufgehoben, und insofern gerade nicht erhalten wird) - offensichtlich lässt sich ein Dualismus nur konsequent in dieser Form denken, es wäre also die Wahrheit des Dualismus.

[Nebenbei: Es fällt auf, dass der DiaMat diese Lösung seiner "Grundfrage" garnicht vorgesehen hatte (wie auch nicht den Dualismus, den man wohl immerhin als Anerkennung der Selbständigkeit der Materie, und in sofern auf dem richtigen Weg, einem "Idealismus" vorgezogen hat). Dabei wäre diese Lösung insofern besonders nahe gelegen, weil sie diejenige Hegels ist]

Es entsteht natürlich die Frage, was denn dieses Dritte, höhere Prinzip sein soll. Der DiaMat hat wahrscheinlich diese Lösung auch deshalb nicht berücksichtigt, weil man dort alle übergreifenden Prinzipien entweder dem Geist oder der Natur/der Materie zugeschlagen hat, diese hier geschilderte Lösung also wieder auf den Monismus zurückgeführt hat.

Gesucht wäre also eine Anordnung so, dass ein Grundprinzip, dass nicht mit Natur oder Geist identisch ist, so in Natur und Geist vorkommt, dass dabei zugleich deren Unterschied (sowohl untereinander wie zum Grundprinzip) noch vorkommt, idealerweise so, dass deren Unterschied sogar aus der Beziehung zum Grundprinzip abgeleitet werden kann.

Hegels Lösung

Dieser dritte Bereich, dieses 3. Prinzip ist die Logik.

  • Als Wissenschaft der Wissenschaft liegt sie nicht nur sich selbst zu Grunde, sondern auch jedem der beiden anderen Bereiche: logische Kategorien, vom Sein, über Gründe bis zum Begriff finden sich in allen anderen Bereichen der Wissenschaft, und also auch überall in Natur und Geist.
  • Zudem lassen sich der Unterschied von Natur und Geist wirklich aus ihrem Verhältnis zur Logik ableiten:
    • während die Natur zwar auch die Kategorien wie Sein, Grund usw. beinhaltet, aber diese nicht aktiv als ihr innerstes Prinzip hat, sondern wesentlich einen anderen Inhalt hat,
    • denkt der menschliche Geist wesentlich (sowohl nach seinem Erkennen wie nach seinem Wollen), so dass die Bestimmungen der Logik ihn auch tatsächlich bestimmen (wobei hier nicht allein die formale Logik als Vorstellung dienen darf, sondern Hegels inhaltliche Logik, die gerade die Freiheit ausdrückt).
  • Schliesslich geht es in der Logik um die Wahrheit: der Einheit von Subjekt und Objekt, Begriff und Gegenstand. Insofern drückt die Logik genau den Unterschied in der Identität (bzw. Identität im Unterschied) aus, die gefordert wird
  • Im Erkennen und Wollen nimmt der menschliche Geist diese Identität von Subjekt und Objket auf, und wendet diese auf die Logik selbst, die Natur und sich selbst als Geist an. Darin ist seine Tätigkeit die aktive Aufhebung (was auch einschliesst die Bewahrung) des Unterschiedes zwischen den 3 Bereichen und damit deren höhere Einheit.

Ausblick auf die geplante Weiterführung

Nun wäre näher die Beziehung der drei Bereiche zu untersuchen und dabei auch alternative Entwürfe zu prüfen (das passiert in den Folgesektionen)

Antworten aus verschiedenen Systemperspektiven

In dieser Sektion ist geplant, von anderen Triaden (in erster Linie aus der Logik) Parallelen zur Einteilung des Gesamtsystems zu untersuchen um daran sozusagen "Hegel durch Hegel" zu erläutern. Das passiert recht viel (dann allerdings meistens begrenzt auf nur eine solcher Perspektive) in der Sekundärliteratur und wird auch von Hegel gerne praktiziert.

Bei der Durchführung wäre gleichzteitig zu untersuchen, inwiefern die Teil-Parallele inhaltlich nützlich ist (evtl. nur teilweise, wo und wo nicht und warum?) und inwiefern es sinnvoll ist, hier überhaupt die Parallele zu ziehen (was haben diese verschiedenen Teile der Logik mit der Fragestellung zu tun?). Nicht alle unten genannten Parallelen werden sich als gleich wichtig und ergiebig erweisen.

(Bei einer Schulung nach der einen reinen top-Down-Methode müsste man diesen Teil zurückstellen und nach der Behandlung der unten genannten Triaden jeweils einen Schritt zurück treten und dann von dem neuen Wissen aus ein vertieftes Verständnis der zuvor behandelten Triaden gewinnen. Von daher kann dieser Abschnitt hier auch auf einer extra Seite ausgelagert werden. Wenn man diesen Teil jetzt am Anfang liest - was aber nur bei denjenigen zu empfehlen ist, die zumindest eine Grundübericht über diese Triaden schon aus vorherigem Studium der Primär- und/oder Sekundärliteratur mitbringen-, so ergibt sich aus ihm umgekehrt schon ein Vorgeschmack von den darin zur Parallele herangezogenen Triaden).

[Diesen Teil habe ich nun doch erst einmal zurückgestellt, zumindest auf die Zeit nach der Darstellung der obersten Gliederung der Logik in Sein - Wesen - Begriff]

Sein - Wesen - Begriff

Minimalform:


Sein - Ausgangsbasis. Das, was jeder Wissenschaft - auch jeder alltäglichen Erfahrung - vorausliegt. (Bei Hegel das "Unmittelbare".)


Wesen - Grundidee: Das Sein ist nicht die "Wahrheit". Hinter dem "Sein" gibt es eine "zweite" Welt.

Dadurch wird das "Sein" zur "Erscheinung".

Inzwischen durch die Wissenschaften vielfältig "belegt".

("Komische" Frage am Rande: Warum sind eigentlich die Dinge so verfasst, dass sie sich "verstecken"??)

Zwei Gedanken wichtig:

a) Das, was die Gegenstände wirklich sind, sind sie nicht mehr in ihrer "Unmittelbarkeit". Das Denken erfasst sie vielmehr als "Vermittelte".

(Meint u.a.: Man muss auch nachdenken, um diese Stufe des Wissens zu erreichen!!)

b) "Erscheinung" und "Wesen" sind nicht zwei getrennte Welten, denen jeder Bezug fehlt!

Vielmehr gilt: Die "Erscheinung" ist eine solche des Wesens. (Das Wesen muss erscheinen!)

Meint: Es gibt demnach einen Weg von der Erscheinung zum Wesen.

[These: Ausgehend von grundsätzlichen Überlegungen zu Themen wie z.B. Identität und Unterschied - muss ja erfolgen, denn einerseits sind Sein und Wesen ja "identisch", andererseits aber auch "unterschieden" usw.) fasst Hegel in der Wesenslogik (letztlich) "defizitäre" Formen des "Wesens" ins Auge, um an ihnen ...

a) deutlich zu machen, was sie (dennoch) taugen (s. Kategorie des "Grundes"), bzw.

b) zu zeigen, worin sie (noch) einen Mangel enthalten.

Insofern wird sich zeigen, dass erst im "Begriff" jene Stufe erreicht wird, wo das in der Wesenslogik aufgeworfene Problem zureichend gelöst ist.]

Erst in der tatsächlich begriffenen Sache stimmen dann unmittelbarer Gegenstand (Seinslogik) und gedachte Sache überein.


Begriff: Das Denken weiß die Sache in ihren Unterschieden und nach der Seite ihrer Notwendigkeit.


subjektiver Begriff - Objekt - Idee

siehe Begriff

Allgemeinheit - Besonderheit - Einzelheit

Begriff - Urteil - Schluss

Leben - Erkenne/wollen - Absolutes

Subjektiver Geist - objektiver Geist - absoluter Geist

Übergänge (1) - Kreis

In dieser Sektion ist geplant, die Übergänge zwischen den 3 Sektionen zu untersuchen.

Da Hegel betont, das es sich bei den 3 Teilen um Teile eines "in sich selbst schliessenden Kreis"es handelt (siehe Enzyklopädie, Paragraph 15, siehe auch in der grossen Logik das Kapitel über die absolute Methode), gehört auch der Übergang Geist -> Logik dazu.

Logik -> Natur

Die Logik ist die logische Grundlage von Natur (und Geist). Näheres ist ausführlich oben in den Abschnitten über die Notwendigkeit der Logik als Grundlagenwissnschaft und der Logik als 3., übergeordnetem Prinzip am Ende des Abschnittes über Hegels Lösung der Einheit von Monismus und Dualismus geschrieben worden.

Natur -> Geist

Der menschliche Geist hat einen Körper, setzt diesen vorraus - siehe die Anthropologie als Anfang (1. Teil) des Subjektiven Geistes, der wiederum Anfang (1.Teil) des ganzen Geist-Buches ist. Mit diesem Körper hat der Geist Teil an der Natur, gelten für ihn auch die Bestimmungen, die in der Naturphilosophie für den Organismus entwickelt wurden. Die Natur bringt den Geist hervor.

Geist -> Logik

Die Logik ist die Lehre vom Denken, insofern beinhaltet der Geist bereits die Logik. Und der Geist macht sich sein Denken in der Wissenschaft der Logik klar, bringt diese also als Teil seiner Praxis (und in Untersuchung dieser Praxis) hervor. Die Logik steht also nicht im "luftleeren Raum" sondern sie setzt bereits zu erklärende Gegenstände, nicht zuletzt das Denken selbst, bereits voraus.

Andersherum (von der Philosophie her gesehen): die gesammte Enzyklopädie ist Teil der hegelschen Philosophie: die Enzyklopädie handelt dabei auch noch von allen anderen Wissenschaften als der spezifischen Philosophie, aber da sie gerade damit alle diese Themen einschliesst (vgl. dazu auch: Hegels Philosophische Enzyklopädie für die Oberklasse (1808 ff.), Paragraph 1-9.), ist sie insofern ein Unendliches. Die letzte, nicht mehr überbotene, absolute Philosophie ist gerade diejenige, deren Gliederung in der Philosophie kulminiert, insofern beisst sich hier die Katze in den Schwanz und die Darstellung dieser Philosophie würde daher wieder von vorne, bei der Logik anfangen.

Übergänge (2) - Alternativen?

In dieser Sektion ist geplant, zu testen, ob (und ggfs wie) Alternativ auch andere Übergänge Sinn machen oder nicht.

Natur -> Logik ?

Die Logik wird, wie oben unter der Einführung der Logik als Grundlagenwissenschaften dargestellt, aus den Wissenschaften von Natur und Geist abgeleitet.

Geist -> Natur?

Der Geist bezieht sich aktiv auf die Natur: er erkennt die Natur und er gestaltet die Natur aktiv nach seinem Willen um.

Logik -> Geist ?

Der Geist wird von der Logik (wie auch, insbesondere am Anfang der Anthropologie, von der Natur) bestimmt.

kleine Kreise

Insofern sich herausstellt, dass alle Beziehunegn auch rückwärts gelesen sinn machen, ergibt sich die Möglichkeit, Hegels Kreis von Kreisen auch auf solche Wechselwirkungskreise zu erweitern:

Logik <-> Natur

Die Logik ist die logische Grundlage der Welt, diese logische Grundlage wird aus der Welt abgeleitet (s.o.)

Natur <-> Geist

Die Natur ist die Grundlage, Vorraussetzung des Geistes und bringt diesen hervor. Der Geist erkennt die Natur und gestaltet diese um.

Geist <-> Logik

Der Geist erkennt in seinem Denken die Gesetze der Logik und wird in seinem Denken von diesen bestimmt.

Übergänge (3) - Anfänge?

Bei einem Kreis kann der Anfang ja auch an einer anderen Stelle passieren. Hier soll zum Schluss untersucht werden, was es für die Interpretation jeweils bedeuten, bei dem Kreis an einer anderen Stelle anzufangen (und der Kreis so im Fortgang eine andere "Mitte " hat und ein anderes Ende). Es ergeben sich daraus 3 verschiedene Sichtweisen auf das ganze System, die sich gegenseitig ergänzen. Wichtig wäre mir, dass Hegels Konzept in meiner Lesart eine Integration dieser 3 Sichtweisen bietet.

Logik - Natur - Geist

Das ist die klassische Sequenz der Enzyklopädie. Die systematische Sichtweise. Sie wurde oben bereits ausführlich dargestellt (insbesondere in den beiden Abschnitten zur Notwendigkeit der Logik als Grundlagenwissenschaften und zu Hegels Lösung der Einheit von Monismus und Dualismus).

Aus der Behandlung der beiden anderen Alternativen wäre zu zeigen, inwiefern diese beiden anderen Darstellungen hierin aufgehoben sind.

Natur - Geist - Logik

Was bedeuetet es, wenn wir so anfangen und fortfahren?

Das ist die Sichtweise etwa der Naturwissenschaften und der meisten "materialistischen" Konzepte, auch des DiaMats. Da die Naturphilosophie mit Raum und Zeit anfängt, ist es die Sichtweise der äusseren Geschichte: die Natur bringt den Geist hervor, dieser bringt die Logik hervor. (Es ist wichtig zu bemerken, dass Hegels Sichtweise also die "materialistische" Sichtweise nicht ausschliesst, wie oft behauptet oder doch vermutet wird, sondern enthält).

Geist - Logik - Natur

Als Ausgangspunkt ist hier nicht in erster linie an einen Spiritismus o.ä. gedacht, sondern vor allem, ganz phänomenologisch, an das das ganz normale Bewusstseins (Ich), an dessen Perspektive: Ausgang vom Ich, von mir (Descartes z.B).

Dies ist der Weg der PdG (Phänomenologie des Geistes). Weil wir hier nicht Natur am Anfang voraussetzen, sondern nur das Bewusstsein, startet die PdG erst nach der Anthropologie, im 2.Teil des Subjektiven Geistes, der deswegen auch Phänomenologie heisst (und in der PDG geht es dann weiter bis zum Ende der Geistphilosophie der Enzyklopaedie und aus dieser Stellung der menschlichen Erfahrung (was ja Theorie und Praxis einschliesst) heraus kommt sie zu Natur und Logik (die aber beide nicht explizit für sich in der PdG zum Thema gemacht werden, es ist ja nicht die Enzyklopädie, sondern die Phänomenologie des Geistes)

(Interpretationen die also nur oder doch zumindest hauptsächlich von der Phänomenologie ausgehen, wie der junge Marx (die Phänomenologie als "Geheimnis der hegelschen Philosophie" usw) und der DiaMat in seinem Gefolge, verkürzen Hegel, verpassen wesentliches seines Konzeptes. Dies hat auch Sahra Wagenknecht in ihrem Buch "Vom Kopf auf die Füsse?" für die Hegelkritik des jungen Marx herausgearbeitet).

zur Reihenfolge der 3 Abfolgen

In der heutigen Zeit würden die meisten Menschen (zumindest hier in Deutschland), wenn sie gefragt würden, die Sequenz nennen, die mit Natur startet. Dies entspricht der überragenden Bedeutung der Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaften für unser Leben und unsere Erklärung der Welt.

Unmittelbar ist diese Reihenfolge aber nicht, man muss sie erst lernen, sowohl individuel, wie auch in der Menschheitsgeschichte. Unmittelbarer, ursprünglicher (bezogen auf das eigene Erleben, die eigene Erfahrung) ist die Abfolge, die mit dem Geist beginnt: naturgemäss erlebt sich der Geist zunächst einmal selbst (wenn auch möglicherweise so selbstverständlich, dass er sich zunächst garnicht von einer Aussenwelt unterscheidet, sondern auch diese Unterscheidung vermittels der Aussenwelt erfährt).

Die Perspektive, bei der die Natur zuerst kommt, lässt sich unschwer als der Monismus der Natur, Materialismus, entschlüsseln, diejenige, bei der der Geist zuerst kommt, als der umgekehrte Monismus des Geistes.

Die Aufhebung dieser beiden Auffassungen in der Gliederung, bei der die Logik an erster Stelle kommt, wurde bereits oben (insbesonder im Abschnitt zu Hegels Lösung der Einheit des Monismus und Dualismus) dargestellt.


Anhang: Bedeutung der Dreiteilung für das Problem des Anfangs der Logik

Weil Hegel mit der Logik, und innnerhalb der Logik mit dem Sein anfängt, denken viele, dass letzlich seine ganze Philosophie, wie aus dem Zauberhut, aus dem "reinen Sein" (das zudem, wie Hegel selbst zugibt, unnunterscheidbar vom "reinen Nichts" ist) abgeleitet sei, und das kommt ihnen mit recht komisch vor. Dieses Missverständnis hat die ganze Hegelrezeption (zumindest seiner Logik) des ganzen 19.Jahrhunderts bestimmt (dieser so verstandene Strohmann wurde einflussreich und vernichtend vor allem von Trendlenburg kritisiert und diese Deutung dann in der Folge von seinen Kollegen und Nachfolgern übernommen. Zur "Geschichte der Logik des 19.Jahrhunderts", auch als Geschichte dieses Missvertsändnisses, siehe das gleichnamige Taschenbuch von Frank-Peter Hansen, K&N, Würzburg 2000). Selbst heute noch ist sie in der Hegel Literatur zum Anfang der Logik meistens, zumindest im Hintergrund, vorhanden.

Wenn man sich hingegen klar macht, dass Hegels Logik bereits die Welt voraussetzt, und deren bereits vorhandenen, impliziten Kategorien nur logisch anordnet, indem er diejenigen, die auf anderne Kategorien aufbauen, in der Entwicklung weiter hinten, diejenigen, auf denen augfgebaut wird, die also selbst von weniger abhängen, weiter nach vorne stellt, so ist doch klar, dass am Anfang diejenige Kategorie stehen muss, die selbst nichts weiter voraussetzt als eben den logischen Gedanken selbst.

Dabei findet sozusagen der umgekehrte Gedanke statt, der bei der Behandlung des Objektes besprochen wurde: war dort die Differenz das Thema, so ist hier die Einheit das Thema. Ausgangspunkt ist also die unbegrenzte Einheit, die insofern bereits eine erste From der Darstellung der Unendlichkeit ist, der aber die innere (Gliederung) oder äussere Grenze fehlt.

So wird es später zum bestimmten, begrenzten Sein, dem Dasein, kommen (wenn man für die ganze Sphäre des Seins ein erläuterndes Thema angeben sollte, so könnte man es die Lehre von den Grenzen nennen) und aus dieser Perspektive wird sich zeigen, dass auch das reine Sein insofern eine Grenze hat (auf der Meta-Ebene sozusagen), als es ja selbst gerade dadurch, das es keine Grenze hat, dadurch von den anderne, Katgeorien, die eine solche Grenez haben, abgegrenzt ist. Aber da die Grenze die Einheit bereits voraussetzt, ist der Gedanke der Einheit, der im reinen Sein ausgedrückt ist, sogar noch grundlegender als der Gedanke der Grenze.

siehe auch