Literatur zum absoluten Geist

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absoluter Geist

Zu keinem Gebiet haben soviele Hegelianer im 19. Jahrhundert veröffentlicht wie zu diesen 3 Gebieten, so dass es hier noch viel durchzusehen gibt.

Hinweis: für diesen Teil ist aus verschiedenen Gründen aus der marxistischen Tradition kaum etwas übernehmbar, die Bestimmung dieses Gebietes als Ideologie, Ausdruck von Klasseninteressen, Ableitungen aus den ökonomisch-sozialen Verhältnissen usw werden gerade der spezifischen Eigengesetzlichkeit dieses Gebietes absolut nicht gerecht.

Kunst

von Hegel selbst

Die wenigen Sachen, die hierzu von Hegel zu seinen Lebzeiten veröffentlicht sind, sind die Abschnitte zur Kunst in der Phänomenologie und Enzyklopädie, beide betrachten in erster Linie die Kunst der Griechen und unter dem Aspekt der Kunst Religion.

Mittelalterliche (und so indirekt auch romantische) Kunst lernte Hegel erst in Heidelberg schätzen, die Kulturen von Persien, Ägypten und Indien lernte er ebenfalls erst in Heidelberg und dann auch in Berlin näher kennen (Beginn der entsprechenden Orientalistik Studien in Europa), dies gilt analog auch für die Religion (siehe dazu z.B. der nützliche Ausstellungskatalog "Hegel in Berlin. Preußische Kulturpolitik u. idealistische Ästhetik. Zum 150. Todestag d. Philosophen", Ausstellung d. Staatsbibl. Preuß. Kulturbesitz Berlin in Verb. mit d. Hegel-Archiv d. Ruhr-Univ. Bochum u. d. Goethe-Mus. Düsseldorf. Berlin 11.Nov.1981 - 9.Jan.1982 u. Düsseldorf 20.Jan.-7.März 1982).

Die 3 bändigen Vorlesungen zur Ästhetik, die Hotho nach den Berliner Vorlesungen im Rahmen der Werkausgabe herausgegeben hat, wurden von vielen Hegelianern des 19. Jahrhundert sehr gelobt (u.a. von Rosenkranz, Erdmann, Michelet, Engels) sind aber in dieser Form wohl eher eine kongeniale Nachschöpfung Hothos.

In unserer Zeit führt Annemarie Gethmann-Siefert, die weltweit führende Expertin zum Thema hegelsche Kunstphilosophie, einen regelrechten "Kreuzzug" gegen die hothosche Ausgabe. Sie hat dazu (zum Vergleich) eine Reihe von Vorlesungsmitschriften zur Ästhetik von Hegel veröffentlicht, u.a. auch ein günstiges Taschenbuch der Vorlesung von 1825 bei stw (Frankfurt 2005, isbn 3518293222).

Hegelschüler

Von den Hegelianern ist zunächst Hotho selbst zu nennen, der u.a. zu den niederländischen Malern veröffentlicht hat. sein umfassendes, systematisches Gesamtwerk ist wohl die hegelsche Vorlesung zur Ästhetik selbst, unter seinem eigenen Namen hat er kein Gesamtwerk herausgegeben. Allerdings existiert seit kurem ein Nachruck der Mitschrift von Hothos Vorlesung von 1833 durch Hegels jüngsten Sohn Immanuel (der zumindest später in seinem Leben ein Anti-Hegelianer war) unter dem Titel "Vorlesungen über Ästhetik oder Philosophie des Schönen und der Kunst (1833)", Frommann-Holzboog 09/2004, ISBN 3-7728-2211-8 (leider 154 EUR für 316 Seiten).

Rosenkranz hat zu vielen Spezialgebieten der Ästhetik geschrieben, grössere Werke/Gebiete behandelt er in seiner "Geschichte der Deutschen Poesie im Mittelalter", "Die Poesie und ihre Geschichte. Eine Entwicklung der poetischen Ideale der Völker" (Online bei Google Books) und der berühmten "Ästhetik des Hässlichen".

Michelet und Erdmann haben meines Wissens nichts nennenswertes zur Ästhetik veröffentlicht (den Abschnitt dazu in Michelets System habe ich noch nicht gelesen, ist aber eher kurz).

Sehr viele ansonsten unbekannte "kleinere" Hegelianer haben auf diesem Gebiet gearbeitet und veröffentlicht, sei es ganze Systeme, sei es zu Einzelthemen. Ich habe von allen diesen Werken bisher nur Rosenkranz "Ästhetik des Hässlichen", es gibt hier also noch viele Vorarbeiten zu leisten.

Der bedeutendste Hegelschüler als Kunstprofessor im 19.Jhdrt. war Vischer. Sein grosses systematisches Werk zur Kunst "Ästhetik, oder Wissenschaft des Schönen" (Stuttg. 1847-58, 3 Bde.) wird von Erdmann sehr gelobt. Es hat anscheinend einen anderen Aufbau als Hegels/Hothos, soll aber ähnlich umfangreich, systematisch und detailiert sein, aber mehr neuere Entwicklungen berücksichtigen. Für den Anfang sollten zuerst die Gliederungen miteinander verglichen werden.

offene Fragen/Aufgaben

Unter den Hegel Forschern heutzutage wäre vor allem die bereits erwähnte Annemarie Gethmann-Siefer zu nennen. Sie arbeitet an der Fernuni Hagen, wo es ein regelrechts Institut für Kunstphilosophie des Idealismus gibt und dort werden viele nützliche Bücher und Aufsätze zur hegelschen Kunstphilosophie veröffentlicht. Ihr neustes Buch ist beim UTB Verlag erschienen als "Einführung in Hegels Ästhetik".

Frage wäre sodann, ähnlich wie bei der Naturphilosophie (aber eigentlich bei allen Bereichen), bevor Neueres integriert wird, worum es in diesem Bereich geht, was die Aufgabe der Kunst und Kunstphilosophie ist. Ich habe hier generell eine Reihe von Gedanken zum Verhältnis von Kunst, Religion und Philosophie (z.B. andere Reihenfolge), wie auch generell zum Aufbau des Geistes und den Reilen untereinander, die ich teilweise hier auf hegelwerkstatt.de unter absoluter Geist angedeutet habe. Das wäre mindestens einen weiteren eigenen Artikel wert.

Aufgabe ist dann natürlich die Einbeziehung der neueren Entwicklung, die neuen Kunstrichtungen, Kunstbereiche, bis hin zu neuen Kunstgattungen (Film, Fernsehen, Videokunst, Internet etc), die aber alle im Bereich der "romantischen Künste" verbleiben. Hier wären auch die neueren Kunstphilosophien durchzusehen.

Gombrich hat den Hegelpreis der Stadt Stuttgart bekommen, ist aber bekennender Anti-Hegelianer und taugt für unsere Zwecke erst mal nicht.

Die maxistische Kunstbehandlung begnügt sich entweder damit

  • die Kunstprodukte auf die Ökonomie/Technik einerseits (Material/Form), auf Klasseninteressen (Inhalt) andererseits zurück zu führen, wobei einerseits eine Themenverfehlung (eher eine Kunstsoziologie) vorliegt und andererseits eine primitive Parteilichkeit (dient die Kunst fortschrittlichen Verhältnissen/Klasseninteressen?), die Kunstbeurteilung wird so auf das Niveau einer Fussballreportage (die Guten gegen die Bösen) herab gebracht (gilt ähnlich auch für die marxistische Philosophiegeschichtsschreibung). In beiden Fällen werden jedenfalls kunstferne Kriterien einführt
  • die realistische (sozialistischer Realismus) Darstellungsweise (Materialismus) zu fordern, anderes wird mit Verständnislosigkeit quittiert (gilt als Ablenkung oder Schlimmeres)
  • entsprechend für die Kunst im Kapitalismus zu fordern, dass Kunst hier nicht versöhnen/beschönigen soll, sondern die Zerrissenheit/Hässlichkeit darstellen soll, um - etwas überspitzt formuliert - aus diesem Unbehagen die Leute zur Revolution zu bringen (so praktisch der ganzer westliche Marxismus nach dem 1.Weltkrieg, insbesondere die Frankfurter Schule, aber auch Lukacs)
  • umgekehrt, wenn die Kunst als Ideologieproduktion unterstellt ist, so wird von einigen Spontis und Vulgärmaterialisten dann demgegenüber eine ideologiefreie reine Unterhaltung gefordert (westlicher Vulgärmarximus, MG/Gegenstandpunkt)

All dies ist in dieser Form alles extern zur Kunst und zur produktiven Weiterentwicklung der hegelianische Kunstphilosophie wenig zu gebrauchen.

Ich habe mir erst einmal den Reader "Klassiker der Kunstphilosophie" von Stefan Majetschak (Hrsg.) in der beckschen Reihe besorgt. Dort werden nach Hegel noch Konrad Fiedler, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Theodor Adorno, Maurice Merleau-Ponty, Arthur C. Danto und Jean-Francois Lyotard besprochen.

Einziger Lichtblick darin ist evt. Arthur C. Danto, es finden sich da Ähnlichkeiten einiger seiner Konzepte zu Hegel (in einer sehr minimalistischen Version), so dass sich hier zumindest Anknüpfungspunkte ergeben könnten.

Dann habe ich noch den dicken (551 S.) Wälzer "Das unsichtbare Meisterwerk - die modernen Mythen der Kunst" von Hans Belting (einem Schüler/Anhänger von Walter Benjamin) bei C.H.Beck. Es könnte (trotzt seiner Hegelkritik) hilfreich sein, denn es interpretiert die moderne Kunst als Erfüllung der romantischen Kunst.

Religion

von Hegel selbst

Dieser Bereich hat Hegel mit am längsten beschäftigt, angefangen von den von Noel 1907 herausgegebenen "Theologischen Jugendschriften", von denen leider fast nichts in die weit verbreiteten Suhrkampausgabe übernommen wurde.

Hegel hat hier seine Ansichten aber besonders stark gewandelt (erst später berückichtigt er die orientalischen Religionen und erst mit der Zeit erkennt er, dass sich das Christentum in seine Philosophie aufheben lässt), so dass die Texte der vor-berliner und besonders vor-heidelberger Zeit zum Thema eher biographisches als systematisches Interesse haben. Vorlesungen zum Thema hat Hegel erst ab Anfang der 1820er Jahre in Berlin gehalten (wohl herausgefordert durch/als Gegengewicht zum in der Religion damals - und auch heute noch- viel einflussreicheren Schleiermacher).

Andererseits ist zum Thema vom vorsichtigen Hegel zu seinen Lebzeiten kaum etwas erschienen, die entsprechenden Abschnitte in der Phänomenologie verdanken sich einer anderen Perspektive und sind eher historisch, der Abschnitt in der Enzyklopädie nur kurz.

Kurz vor seinem Tod wollte Hegel noch die Vorlesung über die "Beweise zum Dasein Gottes" als Buch veröffentlichen, das Manuskript ist auch fast fertig geworden, nur der letzte Teil musste ergänzt werden. Allerdings sagt Hegel selbst, dass die "Beweise" eher zur Logik als zur Theologie gehören.

Die Vorlesungen, die nach Hegels Tod von Marheineke 1832 (und in der 2. stark geänderten Ausgabe von Bruno Bauer mit Einverständnis und unter Aufsicht von Marheineke 1840) im Rahmen der Hegelwerke herausgegeben wurden (heutzutage bei Suhrkamp im Rahmen der TWA Bd. 16/17 auf Basis der 2.Auflage), haben zu starken Angriffen auf die hegelsche Philosophie geführt und die Spaltung der Schule zumindestens nicht verhindert.

Walter Jaeschke hat eine vorbildliche 3 bändige (für jeden der 3 Teile der Vorlesungen ein Band) vergleichende Edition verschiedener Versionen der hegelschen Vorlesungen zur Religion herausgegeben, die ohne den umfangreichen Anmerkungsteil auch als Taschenbuch in der meinerschen "Philosophischen Bibliothek" erschienen ist. Jaeschkes Ausgabe ist inzwischen sogar ins englische übersetzt worden.

Hegelschüler

Relevant ist vor dem Hintergrund der wenigen von Hegel autorisierten Texte von ihm selbst, dass noch zu seinen Lebzeiten eine vielfältige Literatur der Hegelschule zu dem Thema erschienen ist (zu keinem Thema hat sie meines Wissens zu Hegels Lebzeiten mehr geschrieben), so u.a. von Daub, Hinrichs, Marheineke, Vatke und Rosenkranz (und Göschel).

Die meisten Hegelianer haben dabei nur über das Christentum, als den 3.Teil von Hegels Religionsphilosophie geschrieben (Ausnahme ist hier Rosenkranz, s.u.)

zu den besonderen Religionen

Mir bekannte Ausnahmen sind Rosenkranz "Die Naturreligion: Ein philosophisch-historischer Versuch" von 1831, sowie von Koeppen die seinerzeit vielgelobte "Die Religion des Budsha" von 1857.

Christliche Theologie und Geschichte des Christentums

Göschel wird von den anderen Hegelianern eher gering geschätzt, das Lob von Hegel soll sich mehr der populären Form und der Verteidigung verdanken als der überragenden wissenschaftlichen Leistung (Göschel war kein Theologe sondern preussischer Verwaltungsbeamter), Hinrichs Religionsphilosophie ist angeblich unergiebig (habe selbst weder Hinrichs noch Göschel gelesen. Die hamburger Hegelianer schätzen Göschel, zumindest das von Hegel gelobte Werk, das aber - im Gegensatz zu vielen anderne Werken Göschels- noch nicht bei Google Books digitalisiert vorliegt).

Die wichtigsten theologischen Hegelianer sind Daub, Marheineke und Vatke, diese sollten unbedingt ausgewertet werden.

Rosenkranz hat noch zu Lebzeiten Hegels 1831 eine "Theologische Enzyklopädie" geschrieben (2, unter dem Einfluss von Strauss stark veränderte Auflage 1845), die besonders in ihrem historischen Teil sehr interessant ist.

Eduard Erdmann war gelernter Theologe (der neben Hegel auch bei Marheineke und Daub gehört hat, aber auch, wie Rosenkranz, bei Schleiermacher). Er hat mit seinen "Vorlesungen über Glaube und Wissen" (1837) eine Art "Phänomenologie der Religion" (nur für das moderne Bewusstsein, also ohne den historisierenden Part und ohne die nicht-christlichen Religionen) geschrieben. Das Buch ist bei books.google.com einsehbar, habe es noch nicht gelesen. Ebenso hat er weitere kleinere Schriften zum Thema geschrieben, die ich auch noch nicht gelesen habe.

Michelet hat eine "Theophanie Gottes" geschrieben, die an der münchner Uni-Bibliothek vorliegt. Auch in seinem Spätwerk, seinem 5 bändigen System, bezieht sich Michelet ausdrücklich positiv auf das Werk. Habe die Theophanie noch nicht gelesen.

(Insgesamt bevorzuge ich aus Effizienzgründen zunächst einmal die grossen systematischen Werke der Hegelianer lese, sowie dann die grossen systematschen Werke zu den einzelne Bereiche wie Kunst, Religion u.ä als Ganzes, bevor ich mich der Literatur zu Spezialthemen zuwende)

Baur, Strauss und Bruno Bauer haben auf dem Gebiet der Bibelkritik gearbeitet (eine Übersicht dazu für den Bereich der 4 Evangelien gibt Albert Schweizer in den Kapiteln dazu in seiner klassischen "Geschichte der Leben Jesu Forschung"). In seinem sehr umstrittenen, nie von der offiziellen Forschung anerkannten Spätwerk "Christus und die Cäsaren" beschreibt Bruno Bauer die Herausbildung der Evangelien vor dem Hintergrund des Stoizimus und römischen Cäsarenkultus (in modernen Zeiten hat Carotta das Thema in "Divius Julius" so weitergeführt, dass das neue Testament aus dem Julius Cesar Kult entwicklet wurde. Das Buch ist aber natürlich ebenfalls nicht anerkannt).

Neben den Hegelschülern sollten auch die Werke von Schleiermacher verglichen werden. Hegel bezieht sich ja öfters auf Schleiermacher und es gibt teilweise mehr Parallelen als die bekannte Kritik an Schleiermacher in der Vorrede von Hinrichs Religionsphilosophie vermuten lassen (so hatte Hegel die 1.Auflage des entsprechenden Werkes von Schleiermacher durchaus begrüsst und 1831 sollen sich Hegel und Schleiermacher noch wieder versöhnt haben. Beide standen auf im Erbe von Kant einerseits, der antiken Philosophie - Schleiermacher hat Platon ins deutsche übersetzt- andererseits), viele bekannten Hegelianer (z.B. Erdmann, Rosenkranz, Strauss) haben auch bei Schleiermacher gehört und diesen auch später noch (bei aller Kritik) geschätzt. Rosenkranz hat auch eine Kritik von Schleiermacher geschrieben ("Kritik der Schleiermacherschen Glaubenslehre", August Wilhelm Unzer, Königsberg 1836).

Relevanz, Ausblick, Aufgaben

Die hegelsche Schule zur christlichen Religion ist sehr wichtig, um zu einer rationellen, vernünftigen Auffassung des Christentums zu kommen, in der dieses nicht einfach wie im Marxismus und sonstigem Atheismus abstrakt negiert wird, sondern mitsamt der ganzen darauf basierenden europäischen Kultur vollauf befriedigend aufgehoben / auf den Begriff gebracht wird ("Flucht [vor der Aufklärung] in den Begriff" hat es Jaeschke formuliert).

Siehe dazu auch die Beiträge dazu hier unter Religion

Über die weitere Entwicklung der (evangelischen, deutschen) Theologie, die es dann aufzuheben gälte, informieren z.B. Barth in seiner klassischen "Theologie des 19. Jahrhunderts" (mit bemerkenswet positiver Behandlung Hegels, speziel für einen solchen theoretischen Antipoden) und Zarndt "Die Sache mit Gott" (eher populäre Darstellung der deutschen Theologie des 20. Jahrhunderts, u.a. zu Barth, Bultmann, Tillich und Thielecke). Auch hier ist eher ein Verfall zu erkennen, dass man sich in Angesicht der hegelschen Alternative gerade für das Gegenteil entschieden hat (überspitzt formuliert interessiert sich Barth gerade für das Unvernünftige = nicht-menschliches = Göttliches in seiner Bibelexegese), hier gilt es einen mächtigen irrationalen Trend umzukehren (der bis zu den Fundamentalchristen in den USA geht)

Probematisiert wurde im 19. Jahrhundert meines Wissens immer nur der 3. Teil der Religionsphilosophie, der die christliche Religion behandelt, in unserer heutigen globalisierten multikulturellen Welt wird auch die unangemessene Behandlung der anderen (besonderen) Religionen gerügt.

Hier könnten die Bücher von Hans Küng helfen, der für sein Projekt Weltethos die verschiedenen Religionen (bis hin zu den Religionskritikern) ausführlich wissenschaftlich behandelt. Diese müssten natürlich mit den Konzepten der hegelschen Schule abgeglichen und dann eingearbeitet werden.

Hegel ist hier ebenfalls sehr wichtig, weil er mit seiner Religionsphilosophie Grundlagen zu einem vernünftigen Dialog der Religionen und damit der Kulturen liefert (siehe dazu die Andeutungen in den Artikeln zur Religion)

Speziel bei der Behandlung des objektiven Geistes und der Religion muss besondere Sorgfalt walten, da diese Themen so weitreichende praktische Folgen haben.

Philosophiegeschichte

von Hegel selbst

Von Hegel gibt es hier vereinzelte Artikel zu einzelnen Philosophen/Werken seiner Zeit (seine Zeitschriftenartikel in Jena, Heidelberg und Berlin).

In der Phänomenologie wird auch hierzu einiges gestreift (etwa zur Aufklärung, Kant, Schiller), in der Enzyklopädie schreibt er zwar allgemein etwas zur Philosophie, aber (verglichen mit den Vorlesungen) wieder nur sehr kurz.

Die 3 bändigen Vorlesungen wurden im Rahmen der Werksausgabe von Michelet herausgegeben. Erdmann schreibt dazu, dass das besonders schwierig war, da Hegel für die Vorlesungen das Manuskript der 1.Vorlesung zugrunde legte, aber zu vielen Punkten später abweichende Ausarbeitungen machte, so dass es voller Abänderungen war (zwischen den Zeilen lese ich den Vorwurf, dass Michelet viele dieser Positionsänderungen nicht mit bekommen habe).

Hier wären die Nachschriften der letzten Vorlesungen interessant. Bei Meiner ist zumindest eine solche Nachschrift veröffentlicht (Reihe Vorlesungen Band 6-9), habe diese aber noch nicht verglichen.

Problematisch ist auch, dass die Zeit zwischen dem Neoplatonismus und Bacon/Descartes (des Mittelalters und der Renaissance) von Hegel kaum behandelt werden, Cusanus z.B. wird von ihm nirgends erwähnt (die Erforschung/Wiederentdeckung des Mittelalters fing erst zu/nach Hegels Zeit an, u.a. auch durch Hegels Schüler Erdmann) und dass generel der Zeitraum nach dem Hellenismus, auch die Zeit ab Descartes vergleichsweise wenig behandelt werden (da Hegel in seinen Vorlesungen immer die meiste Zeit auf die alten Griechen verwandte, so dass für den Rest dann zuwenig Zeit blieb).

Hegelschüler

Dies wollten die Hegelianer ausgleichen.

Michelet schrieb schon bald (Ende der 1830e) eine 2 bändige Philosophiegeschichte der Zeit von Kant bis zur Hegelschule (dieses Werk habe ich bisher nur bezüglich der Hegelschule ausgewertet, da ist er eine wertvolle Quelle), die damals unter Hegelianern viel gelesen wurde. Zudem schrieb er 2 Arbeiten zu Aristoteles, von der die eine einen Preis von der Pariser Akademie bekam.

Rosenkranz hat keine Philosophiegeschichte geschrieben, aber die Werke Kants herausgegeben (er sass ja in Königsberg an der Quelle), und Biographien von Kant, Hegel, Goethe und Diderot (auf letztere war er besonders stolz, Rosenkranz mochte Diderot, fühlte sich geistesverwandt) geschrieben (ich kenne bisher nur seine Hegelbiographie), sowie je eine Kritik von Schelling und Schleiermacher. Möglicherweise hat Rosenkranz auch noch zur Philosophigeschichte mehr geschrieben, da er sehr viel geschrieben hat und eine vollständige Bibliographie seiner Werke anscheinend nicht vorliegt)

Feuerbach hat auch eine Philosophiegeschichte angefangen, er hat aber nur den Teil von Verula und Bacon bis Leibniz abgeschlossen.

Lassalle hat ein damals viel gelobtes Buch über "Heraklit den Dunklen" geschrieben, sein philosophisches Hauptwerk.

Marx hat seine Dissertation zu den römischen Philosophieschulen der Stoiker und Epikurer geschrieben und später eine Kritik Hegels und Polemiken gegen die Junghegelianer, zumindest die letztgenannten Werke sind natürlich problematisch (von Sahra Wagenknecht gibt es eine gute Gegenkritik der marxschen Hegelkritik). Von Engels gibt es aus seiner hegelschen Phase 2 lustig zu lesende Polemiken gegen Schelling (beide im MEW Ergänzungsband 2 und im unten genannten Reader) und natürlich seinen Anti-Dühring, beides eher (berechtigte) Polemiken denn wissenschaftliche Werke. Übrigens gab es im DDR Reclam Verlag einen Reader "Marx Engels über Geschichte und Philosophie", indem aus den ganzen MEWs incl. Briefen alle (?) Stellen zu anderen Philosophen herausgeklaubt und nach Philosophiezeitaltern und Philosophen geordnet dargestellt sind. Das ergibt natürlich keine Philosophiegeschichte oder sonst ein systematisches Werk, aber einige nette kleine Bemerkungen.

Generell sind Feuerbach und der junge Marx keine echten Hegelianer (in dem hier vertretenen Sinne) und daher sind ihre Beiträge hier nur mit besonderem Vorbehalt zu lesen.

Erdmann schrieb über 20 Jahre einen augezeichneten, wahrscheinlich bis heute unübertroffenen 7bändigen "Versuch" - nach intensiver Durchsicht durch die gesamte Primärliteratur !- über die Philosophiegeschichte der Neuzeit, von Descartes bis Mitte des 19.jahrhunderts (zu dem er im 7.Band von den mit- und nach-hegelschen Philosophen u.a. Krause, Herbarth, Schopenhauer, den alten Schelling, Onken, Steffens und Baader, sowie die Hegelschule behandelt. Marx und Nietzsche behandelt er leider nicht). Es gibt davon einen Repritn bei fromann-holzboog und das Werk liegt inzwischen auch vollständig eingescannt bei Google Books (und bei http://hegel.net/erdmann ) vor.

Erdman war keine 2.Auflage vergönnt, er hat aber später eine 2bändige Philosophiegeschichte zur ganzen Geschichte in mehreren verbesserten und erweiterten Auflagen veröffentlicht, in denen er umfangreiche Forschungen zur Philosophie des mittelalters und verbesserungen zu seinem 7bändigen werk einarbeitete. Die Darstellung der Hegelschule darin ist auch als eigenes Werk erschienen, das mir vorliegt. Das 2 bändige Werk liegt mir noch nicht vor. (2 Warnungen dazu: 1. die Auflagen aus dem 20. Jahrhundert, von 1930, sind von anderen Herausgebern stark umgearbeitet und "wissenschaftlich wertlos". 2. bei rororo sind in einer mehrbändigen Philosophiegeschiche "von Vorländer und Erdmann" die letzten 2 Bände, zum Deutschen Idealismus von Kant bis Hegel, angeblich von Erdmann. Da sie fast nur aus Quellen bestehen, bleiben für den Erdman Text nur wenige Seiten. Der Herausgeber erwähnt zudem stolz, man habe alle hegelianischen Bemerkungen und Hinweise zu Bezügen zur hegelschen Philosophie aus dem Text getilgt, was die rororo Ausgabe für unsere Zwecke vollends wertlos macht.)

Die letzten fast 300 Seiten des 2.Bandes behandelt "Die deutsche Philosophie seit Hegels Tod" (einschliesslich der Hegelschule) und ist unter diesem Titel auch als eigener Band heraus gekommen. Ein Reprint aus dem Jahre 1964 bei fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt ist bei http://zvab.com einfach und vgl. günstig erhältlich. Erdmann hat über diesen Teil geurteilt, dass er ihm mehr Arbeit gemach habe, als der Rest des 2bändigen Werkes, und angesischts der Fülle an (belegten) Details kann man das gut nachvollziehen. Für jeden an der Geschichte der Hegelschule und ihrer Rezeption Interessierten ist zumindest dieser Teilband ein muss.

Der Erdman Schüler Kuno Fischer schrieb eine 10bändige Philosophiegeschichte, bestehend aus 1-2bändigen Darstellungen zu Descartes, Spinoza, Leibniz, Kant, Fichte, Schelling, Hegel und Schopenhauer (liegt mir fast vollständig digitalisiert vor). Fischer war zum Zeitpunkt der Abfassung aber schon kein Hegelianer mehr, so dass seine Ausführungen mit Vorsicht gelesen werden müssen. Zumindest hat er sich bei den ersten Bänden, zu Lebzeiten Erdmanns mit diesem über viele Jahre zu Sachfragen im Zusammenhang mit dem Werk korrespondiert, wobei diese in einigen Schlüsselfragen in der Beurteilung der Philosophie etwa Spinozas oder Leibniz durchaus unterschiedliche Positionen hatten (zu dem Zeitpunkt, als Fischer aber die Bände über Hegel und Fichte anfing, war Erdmann schon tot).

Auch von den anderen grossen Philosophiegeschichtsschreibern des 19.Jahrhunderts sind viele (z.B. Zeller) von Hegel mehr oder weniger stark beeinflusst, man müsste das an ihren Werken und Biografien prüfen.

Aufgaben

Von Vittorio Hösle gibt es mit "Wahrheit und Geschichte" einen Versuch, die hegelsche Philosophiegeschichte von Parmenides bis Aristoteles auf den neusten philologischen Stand zu bringen. Das Buch enthält zudem in dem 1. theoretischen Teil (nur diesen habe ich ganz gelesen) eine gute Kritik der gängigen modernen relativistischen Konzeptionen von Philosopphiegeschichte.

Bei der Aufgabe, die Philosophiegeschichte aufbauend auf die erwähnten Werke -vor allem Erdman ist hier nützlich- fortzuschreiben, stellen sich für das 19.Jhdrt noch vor allem die Verarbeitung von Darwin, Marx, Nietzsche und Freud, die alle 4 von Erdman (und meines Wissens erst recht nicht von den anderen Hegelianern) nicht behandelt werden und die Grundlage für die weiteren Philosophien des 20.Jahrhunderts bilden.

Für die marxistischen Darstellungen zur Philosophiegeschichte gelten sinngemäss die selben Mängel wie zur #Kunst ausgeführt. Die Einordnung der Philosophien in materialistische und idealistische ist zudem irreführend/abwegig und geht an der hegelschen Bestimmung von Idealismus vorbei.

Das 3bändige Opus Magnum "Einheit und Widerspruch - Problemgeschichte der Dialektik der Neuzeit" von Hans Heinz Holz (beim J.B.Metzler verlag) teilt die üblichen Probleme der orthodoxen marxistischen Philosophiegeschichtsschreibung (nicht zuletzt kulminiert sie natürlich über Hegel und den Linkshegelianismus in Marx und Lenin, die -wie üblich bei Marxisten- selbstverständlich als Hegel überlegener Maßstab genommen werden), aber enthält von ihrem Thema her interessante Beobachtungen, auch in Hinblick auf die Logik und Hegels System (und auf Überlegungen, wie er wohl mit Leibniz -Holz ist der derzeit vielleicht wichtigste deutsche Leibniz Experte- einerseits dem Marxismus andererseits zu verheiraten wäre).

siehe auch