Literatur zum System und zur Logik

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Vorbemerkungen

Empfohlen wird die Benutzung der zu Hegels Lebzeiten veröffentlichten Hegeltexte (ohne nachträglich in die Werksausgabe eingefügten "Zusätze") sowie (anstelle dieser Zusätze) die philologisch sorgfältig editierten Vorlesungstexte (wie veröffentlicht bei Meiner, Suhrkamp und fromann-holzboog), nicht diejenige der Freundesausgabe/stw.

Zusätzlich die Texte der hegelianischen Professoren, die direkte Schüler von Hegel waren, bis zu ihrem Tode sich als Hegelianer bekannt haben und unter den anderen Hegelianern als Hegelianer anerkannt.

Hier kommen insbesondere die Texte von Johann Eduard Erdmann, Carl Ludwig Michelet und Carl Rosenkranz in Frage, da diese über fast alle Themen publiziert haben und in ihrem langen Leben (bis in die 1870er bei Rosenkranz, bis in die 1890er bei Erdmann und Michelet) viel publiziert haben, alles sehr verständlich geschrieben und bemüht um Weiterentwicklung und Einarbeitung des neuen Materials.

Zum Verhältnis der drei siehe den Artikel: Zum Verhältnis Michelet, Rosenkranz, Erdmann.

Zu einzelnen Themen sind interessant: Gans (obj.Geist, Judentum), Daub, Marheineke und Vatke (Religion und insbes. Christentum) und Hotho und Vischer (Kunst). Die Berichte zur Hegelschule von diesen Autoren berichten von einer Unzahl weiterer kleinerer Autoren. Diese muss ich noch durchgehen, ob sie verfügbar sind und inwiefern sie gut sind und zusätzliches Material bieten.

Soweit verfügbar, versuche ich das Wichtigste davon einzuscannen und online zu stellen, das Allerwichtigste versuche ich auch später übersetzen zu lassen.

Der folgende Text ersetzt auch meine bisherige Literaturliste mit Leseempfehlungen zu Hegel unter Buecher (eingeschränkt sind die dort genannten Bücher auch weiterhin zu empfehlen, sie sind weiterhin immer noch besser als das allermeiste, was es sonst zu dem Thema im 20. und 21.Jahrhundert gibt. Ich empfehle nun aber als erste Quelle der Interpretation nach Hegel selbst die unten genannten Werke der Hegel Schule).

2. Übersicht über das System als Ganze

Ein Studium von Hegels Philosophie ohne Übersicht über das Ganze ist vergeblich, diese wird also zumindest paralel zum sonstigen Studium benötigt.

von Hegel

Vorarbeiten liegen in den hegelschen Jenaer Systementwürfen (JSE) vor (erhältlich als verhältnismässig günstige Studienausgabe im Rahmen von Meiners "Philosophische[n] Bibliothek", leider nicht bei Suhrkamp) und in der nürnberger Enzyklopädie von 1808ff (online und in TWA Bd. 4 bei stw).

Band 15 der Vorlesungen bei Meiner gibt 2 Mitschriften von Hegels Nürnberger Enzyklopaedieunterricht am Gymnasium von 1812/13 wieder (noch nicht klar, ob an der Unibibliothek München verfügbar und noch nicht gelesen).

Die offizielle Kurzdarstellung durch Hegel ist natürlich seine Enzyklopädie, insbesondere die 3. Auflage von 1830, aber ohne die Zusätze (die erst nach Hegels Tod im Rahmen der "Freundesausgabe" von den Herausgebern eingefügt wurden).

Die Logik und der objektive Geist sind in eigenen Werken ausführlicher behandelt, verglichen mit den Vorlesungen sind insbes. die Weltgeschichte und der absolute Geist (Kunst, Religion, Philosophie[geschichte]) in der Enzyklopaedie zu kurz abgehandelt.

Nützlich wären hier als Einstieg die Vorlesungen zur Gesamtenzyklopaedie. Die Mitschriften von den späteren Vorlesungen zur Gesamtenzyklopädie in Heidelberg und Berlin sind aber anscheinend noch nicht verfügbar.

Hegelschüler

Rosenkranz und Michelet haben eigene ausführliche weiterentwickelte Systeme veröffentlicht. Ich habe das 5bändige Werk von Michelet (der zudem auch sonst zu fast jedem Aspekt des Systems noch weitere Einzelwerke veröffentlicht hat) und auch das einbändige System (1850, ca. 640 Seiten) von Rosenkranz mit der Darstellung seines Systems. Auf Rosenkranz Werk baut Noack 1854 auf (der allerdings am meisten vom Hegelschn Orginal abweicht, so dass man noch Parallelen zu Rosenkranz findet, aber kaum noch zu Hegel). Erdmann hat zur Enzyklopädie Vorlesungen gehalten die im Manuskript in den USA vorliegen, aber noch nicht veröffentlicht sind. In Erdmanns "Vorlesungen über das akademische Leben und Studium" (1858) finden sich am Ende 3 Kapitel, die eine Art Kurzeinführung in das Gesamtsystem aus Erdmann Sicht geben und sehr interessant zu lesen sind.

Kurzübersichten

Alle bisher genannten Werke sind als Kurzübersicht zu lang (mit Ausnahme der Nürnberger Enzyklopädie, die aber zu sehr vom späteren System abweicht, und Erdmanns 3 Kapitel, die aber zu kurz sind).

Als beste Kurzübersicht zu Hegels System erscheint mir derzeit der ca. 50 seitige Artikel von Erdmann zu Hegel (am Ende seiner 7bändigen Geschichte der Philosophie der Neuzeit von Descartes bis ins 19. Jhdrt). Online bei Google Books unter http://books.google.com/books?id=w8YFAAAAQAAJ&pg=PA1&hl=de#PPA709,M1

Die Systemdarstellung in den Hegelpostern und auf http://hegel-system.de sind ebenfalls nützlich, allerdings fehlt hier (in der grafischen Darstellung) jede Argumentation, was die Darstellung eher dogmatisch macht, auf der anderen Seite das "selber denken" anregt.

Hilfsmittel

Als Hilfsmittel des Studiums sind zudem noch nützlich:

  • das "Hegelhandbuch" von Walter Jaeschke, die beste Übersicht zu allen philologischen Hegelfragen
  • "Hegels System" von Vittorio Hösle, das zu allen Systemteilen interessante Fragen und Beurteilungen aufwirft, gerade in Hinblick auf die Relevanz heutzutage, mit Hinweisen auf die Hegeliteratur des 19.jhdrts (die er aber anscheinend teilweise nur von Hörensagen kennt) und der Zeit von ca 1965-1985.
  • Die Hegel CD-ROMs des Hegel Instituts, die den gesamten Text der 20bändigen Suhrkampausgabe in elektronischer Form (durchsuchbar, kopierbar für Zitate) enthält bzw. die "XXL Version" von Carsten Worms Infoware Verlag, Berlin "Hegel im Kontext"

3. zur Logik

Die Logik ist DER hegelsche Grundtext, alles andere baut darauf auf. Ohne Kenntnis der Logik und des Gesamtzusammenhanges (der sich teilweise ebenfalls aus der Logik ergibt) ist der Rest des hegelschen Systems nicht angemessen zu verstehen.

von Hegel selbst

Vorarbeiten sind hier wieder die "Jenaer Systementwürfe" (JSE, nur der zweite enthält dabei eine erste Logik, leider nicht in stw enthaten) und die Nürnberger Propaedeutiken (stw4). Speziel die Nürnberger Texte sind in ihrer Kürze, Einfachheit und auch in ihren unterschiedlichen Versionen hilfreich für erste Orientierungen.

Die Wissenschaft der Logik (WdL) ist der definitve Text, aber teilweise langatmig (Quantität) und auch selbst erklärungsbedürftig. Zudem liegt der 1. Teil (Qualität) in zwei unterschiedlichen Auflagen (1812 und 1832) vor, die teilweise stärker voneinander abweichen (Beispiel Daseinskapitel). Umgekehrt könnte man sagen, dass der 2. (Wesenslogik) und 2.Teil (Begriffslogik) nur in eienr vergleichsweise veralteten Fassung vorliegen, was besonders die Wesenslogik betrifft.

Die enzyklopaedische Logik ist neuer und übersichtlicher, aber an vielen Stellen (Dasein, Masz) so kurz, das man sie ohne Hilfen kaum versteht. Die Zusätze zur Logik sind vergleichsweise hilfreich, teilweise aber auch ablenkend.

Besser sind die beiden bei Meiner veröffentlichten Vorlesungen zur Logik, eine von 1817 und eine (von Hegels Sohn Karl mitgeschrieben) von 1831. Letztere ist besonders relevant für den 2. und 3. Teil der Logik, den Hegel ja nicht mehr umarbeiten konnte. Beide Logikvorlesungen hielt Hegel übrigens anhand der "kleinen Logik" im 1.Band der Enzyklopädie.

Die Vorlesungen zum "Beweise des Daseins Gottes" gehören mehr zur Logik als zur Theologie. Sowohl Erdmann wie auch Rosenkranz weisen darauf hin, dass diese zu unrecht von den meisten Studenten der hegelschen Logik uebersehen werden.

Die oben dargestellten Gesamtübersichten helfen bei der Grobarchitektonik, aber nicht im Detail.

Hegelschüler

Erdmann, Rosenkranz und Michelet haben eigene Logiken geschrieben, die vergleichsweise klarer/leichter verständlich sind.

Erdmanns "Logik und Metaphysik" erschien zu seinen Lebzeiten in 5 Auflagen, 1841 und 1843, 1848, 1864 und 1874 (davon mindestens die ersten 4 Auflagen mit jeweils Überarbeitungen und Ergänzungen). Ich habe die 2.Auflage, die im Haupttext anscheinend unverändert ist, aber um viele Anmerkungen (in Form von Fussnoten am Ende jeden Paragraphens) erweitert wurde (Alle 4 Auflagen habe ich Online gestellt unter http://hegel.net/erdmann/ ). Dieser Text erschien von allen hier erwähnten Logiken der bekannten Hegel-Schüler als erstes. Die Behandlung der hegelschen Logik in seinem 7 bändigen Werk zur Philosophie der Neuzeit erschien 1851, Rosenkranz "Wissenschaft der logischen Idee" erschien 1858/59, der 1.Band (zur Logik) von Michelets System erst 1876. Von daher bauen die anderen Texte teilweise hierauf auf (interessanter Weise ohne die Klarheit und die Einsichten dieses ersten Textes komplett zu reproduzieren oder gar aufzuheben).

Nach Erdmanns Biograf Glockner soll Erdmanns Logik das Klarste sein, was die Hegelschule zur Logik hervorgebracht hat. Wie Rosenkranz in seiner "Wissenschaft der logischen Idee" ganz richtig sagt, zeichnet sich die Erdmannsche Logik vor allem durch eine grosse Klarheit der Wortverwendungen aus. Jedes Fachwort, das eingeführt wird, wird erklärt (auch warum gerade dieses als Bezeichnung gewählt wurde), insbesondere in den zahlreichen Fussnoten, und dann konsistent verwendet.

Die einzelnen Abschnitte werden bei Erdmann nicht nach der 1. oder nach der letzten Kategorie benannt, sondern er versucht, in seiner Benennung den Gesamtcharachter eines Abschnittes zu treffen und so eine zusätzliche Interpretationshilfe zu geben. Die Übersichten über die einzelnen Abschnitte kommen bei Erdmann interessanterweise nicht wie sonst am Anfang, sondern immer am Ende eines jeweiligen Teilabschnittes, diese sind teilweise sehr nützlich.

Siehe auch Erdmanns Logik in der 1. Auflage von 1841 und der 4.Auflage von 1848 als PDFs (inzwischen evtl. Offline?)

Rosenkranz eigene Logik ("Die Wissenschaft der logischen Idee") (Online bei Google Books) ist besonders zur Sein- und Wesenslogik voller Beispielen und guter Gedanken und Anwendungen, auch sehr kurzweilig zu lesen. Seine Darstellung macht die besprochenen Kategorien sehr klar, die orginal Hegeltexte sind anschliessend viel leichter zu lesen. Kehrseite davon ist das Zurücktreten der Architektonik und der Strenge der Argumentation. Man muss also von Rosenkranz das Material holen und die Architektur daraus selbst ableiten (bzw. mit den anderen Autoren vergleichen). Hierzu gehört auch, dass Rosenkranz sich eher an der Gliederung der Logik der Nürnberger Enzyklopädie hält und im 3.Teil der Logik (Begriffslogik bei Hegel) nur noch den subjektiven Begriff, Zweck (als Vermittlung zwischen Wesen und Begriff) und die absolute Idee behandelt. Kann man verstehen, ist aber denoch verfehlt (der Lektüre der einzelnen Teile seiner Darstellung tut das aber keinen Abbruch). Argumente gegen Rosenkranz Kürzungen ergeben sich insbesondere auch aus meinen Argumenten zur Objektivität/Objekt innerhalb der Logik (hier in der Hegelwerkstatt unter Begriff und Objekt).

Die "kleine" Logik in Rosenkranz' System von 1850 ist eine Kurzversion (ca. 150 Seiten) seiner späteren "Wissenschaft der logischen Idee". Die Architektur ist die selbe (also mit dem selben Aufbau, den selben Kürzungen), leider fehlen die vielen schönen Beispiele, dafür ist die Gliederung besser ersichtlich.

Michelet (der die Logik im 1.Band seines fünfbändigen Systems behandelt) hat durchgehend eine verständliche Gliederung. Gegenüber Hegel (von dem er in seiner Logik vergleichsweise wenig abweicht) fällt generell in Michelets System auf, dass er sich bemüht Doppeltes zu streichen, 2er Gliederungen in 3er Gliederungen umzwandeln und dass er Teile weiter ausführt (und generel immer bemüht ist, fortschrittliche, nicht-mystizistische, klar nachvollziehbare Interpretatiohen zu geben). In Michelets Logik gibt es wenig Abweichungen von Hegel, er ordnet mit bedenkenswerten Gründen Quantität und Masz als Punkte unter das Fürsichsein ein und der Idee des Wahren und Guten gesellt er die Idee des Schönen hinzu (was dann aber als 3.Punkt in Hinblick auf die Realphilosophie problematisch ist). Michelet kritisiert in seiner Darstellung öfters Rosenkranz und Erdmann, die er beide im Verdacht hat, theologische Vorstellungsinhalte durch die Hintertür wieder in die Logik hineinzuschmugeln (wie ich meine zu Unrecht, insbesondere gegenüber Erdmann).

Das erste 1/9 der Logik (bis einschl. Fürsichein) hat seinerzeit auch der Hegelianer Karl Werder kommentiert, dieser Text wurde seinerzeit von den anderen Hegelianern gelobt. Mir liegt der Text vor, habe ihn aber noch nicht gelesen. Die Hamburger Hegelianer Lutz Hansen und Martin Grimsmann loben den Text sehr und haben auch einen Ausschnitt Online gestellt (Das buch ist inzwischen auch bei Google Books verfügbar: Werders Logik bei Google Books).

Insgesamt ergänzen sich die 3 Interpretationen und erlauben einen durchgehenden Kommentar, der einen guten Gesamtüberlick bietet. Die Texte orientieren sich dabei eher an Hegels Enzyklopädie und an Hegels Vorlesungen, in Rosenkranz Fall auch an den Nürnberger Entwürfen. Die Wissenschaft der Logik wird dabei ebenfalls behandelt, allerdings erreicht keiner der Kommentatoren ganz die Dichte des Hegelschen Orginals in 1. oder 2.Auflage, hier gibt es Fortschritte in den letzten Jahren.

Erst in den letzten 20-30 Jahren gibt es wieder Kommentare zu Hegels Logik, die teilweise über diese alten Texte hinaus gehen, allerdings werden darin nur Teilgebiete behandeln und die alten Texte in der Regel nicht mit berücksichtigt, oft nicht einmal in der Bibliographie genannt.

Siehe auch: Zum Verhältnis Michelet, Rosenkranz, Erdmann#in Bezug auf die Logik

siehe auch