Literatur zum Objektiven Geist und zur Geschichtsphilosophie

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objektiver Geist

Werke

Hier gibt es neben 2 der 3 JSE zu dem Objektiven Geist noch ein extra Manuskript, das System der Sittlichkeit (leicht zugänglich, als Taschenbuch für ca. 10 EUR).

Zudem gibt es hier viele einzelne Schriften des "alten Politicus" (Hegels Selbstbeschreibung in einem Brief an seine Frau) zu einzelnen Themen, von der Verfassungsschrift über den Naturrechtsaufsatz bis zur "Kritik der englischen Reformbill" (dem letzten zu Hegels Lebzeiten von ihm veröffentlichten Werk).

Als gedruckte systematische Werke gibt es den Abschnitt aus der Enzyklopaedie und die ausgearbeitetere Rechtsphilosophie von 1821.

(ausführlicher im entsprechenden Abschnitt meiner Literaturliste).

Vorlesungen

Von keinem Gebiet sind mehr Vorlesungsnachschriften (im nachhinein, in den letzten 40 Jahren) veröffentlicht worden, als zu diesem. Am umfassendsten ist die Sammlung von Ilting bei fromann-holzboog, am interessantesten sind die beiden Vorlesungen, die günstig bei Suhrkamp erschienen sind, gehalten kurz vor und nach der Veröffentlichung der Rechtsphilosophie.

Hegel Schüler

Von den Schülern sind auf diesem Gebiet besonders Gans (der auch Hegels Rechtshilosophie im Rahmen der Werke herausgab und mit den "Zusätzen" versah) und Michelet (beides gelernte Juristen, wie übrigens auch Hotho und Rosenkranz) zu erwähnen.

Gans Vorlesungen zur Rechtsphilosophie erweitern Hegel vorsichtig. Seine 6bändige Untersuchung zur Geschichte des Erbrechtes ist in vieler Hinsicht ein Meilenstein. Er hat auch noch viele kleinere Aufsätze geschrieben, die auszuwerten wären.

Michelet schrieb noch zu Hegels Zeiten sein System der Moral, eine stark erweiterte Fassung des 2.Teils der Rechtsphilosophie. Das Werk liegt als ebook vor.

Sodann hat er eine 2bändige, 800+ seitige Rechtsphilosophie geschrieben, die eine eigene Besprechung verlangt. In diesem Werk ergänzt er Hegel stark (z.b. eigene Abschnitte zur Geschichte der Rechtsphilosphie und zur Geschichte des rechts am Anfang bzw. Ende des Werkes, zum Verhältnis zwischen den Staaten, zur zukünftigen Entwicklung, zur komunalen Gliederung des Staates usw. Interessant ist sein Ansatz soviel Selbstverwaltung von unten wie möglich einzuarbeiten, wobei ihm das damalige Vereinswesen in Deutschland und die zustände damals in den USA vor Augen liegen (vermittet durch seine Perspektive liesse sich vermutlich prima zu ganz verschiedene moderne Richtungen von Neoliberalismus bis zur linken Opposition nachdenken. Dazu aber bei Bedarf einen extra Artikel). In dem Abschnitt zur Bürgerlichen Gesellschaft bemüht er sich um Berücksichtigung der neueren ökonomischen Literatur, incl. Bastiat, Proudhon, Fourier, St.Simon etc., aber ohne Marx und List. Er bemüht sich generell immer um eine fortschrittliche liberale Interpretation von Hegel mit Anklängen an die Sozialdemokratie (insofern passt er eher in die heutige Bundesrepublik. Er hat auch kein Problem mit einem Präsidenten statt eines Königs).

Von Erdmann gibt es eine Vorlesung zum Staat, die eher konservativ und nüchtern geschrieben ist und so eine gewisse Ergänzung/Gegengewicht zu Michelet bietet (und umgekehrt).

Linke

Von Lasalle gibt es das "System der erworbenen Rechte" o.ä. (das ebenfalls von Michelet mit besprochen und teilweise kritisiert wird). Dieses behandelt in 2 Bänden in erster Linie das römische Recht. Inwiefern er dabei azuf Gans aufbaut und/oder über Gans hinausgeht ist mir noch unklar.

Von Marx ist "das Kapital" (MEW Band 23-25 plus Zusatzbände 26.1-26.3) das wohl hegelianischste Werk, voller Systematik und Gelehrsamkeit. Es passt prinzipiell zum 1.Teil der bürgerlichen Gesellschaft bei Hegel, in dem Hegel (und die anderen Hegelianer) ja auch die Zerrissenheit und innerhalb der reinen Ökonomie unlösbaren Widersprüche audrücklich feststellt und festhält (denoch ist es eine der wichtigen Fragen für den Hegelianismus, wie dieses marxsche Werk hier zu integrieren ist, was ggfs. daran zu ändern wäre, und umgekehrt, was für Konsequenzen eine solche Integration für den Rest des Hegelschen Systems hätte).

weitere Erweiterungen

Beim Staat bzw. der politischen Ökonomie sollten aus dem 19.Jhdrt noch Knapp ("Staatliche Theorie des Geldes") und Friedrich List berücksichtigt werden. Beide sind zumindest hegelkompatibel (Dass Knapp ein Hegelianer gewesen sei, wie Todd behauptet, kann ich aber derzeit noch nicht bestätigen).

Bei der Familie sollte das Werk des französischen Bevölkerungswissenschaftlers und Hegelianers (?) Emanuel Todd berücksichtigt werden.

Vittorio Hoesles Werk "Moral und Politik" erscheint mir von der Architektur her verfehlt, aber die Kapitel 1 (Geschichte der politischen Philosophie/Ethik/Moral), 4 (in etwa: Subjektiver Geist) und 6 (zu 6.1 Staat und 6.2 Geschichte) sind sehr nützliche, eigne konzentrierte Bücher. Konzentriert ist hier auch so gemeint, dass andere aus diesen Kapiteln eine ganze wissenschaftliche Karriere machen könnten. Hoesle ist an Hegel geschult und bewältigt Unmengen von Quellmaterial in einer systematischen Form, zumindest als Steinbruch sollte es unbedingt mit berücksichtigt werden (Inhaltlicher Mangel ist bei Hösle allerdings u.a. dass er den Marxismus nicht angemessen genug aufhebt. Aber in seiner Systematik, Bemühen um das ganze Material und seiner vernünftigen Argumentation ist er jedenfalls prinzipiel Hegelkompatibel und ein wichtiger Lichtblick in einer postmodernen Dunkelheit).

Sekundärliteratur

Zu keinem Gebiet der hegelschen Philosophie ist in den letzten 50 Jahren soviel Sekundärliteratur erschienen wie zu diesem (auch bedingt durch das Interesse an Hegel vom Marxismus und der Studentenbewegung, bzw. umgekehrt den Bestrebungen, dem etwas entgegenzusetzen). Allerdings wird auch zu kaum einem Punkt mehr Unsinn geschrieben (trifft vor allem für ältere Werke vor ca. 1990 zu). Die Literatur ist hier beinahe unübersehbar (für die Zeit von Hegel bis 1977 gibt Henning Ottmann in "Individuum und Gemeinschaft bei Hegel" eine gute Übersicht, für die marxistische Literatur, insbesondere in der Sowjetunuon und der DDR Paul Gerhard Dietl: "Die Rezeption der Hegelschen 'Rechtsphilosophie' in der Sowjetunion").

Das immer noch beste Buch zum Thema ist Adriaan Theodor Peperzak: "Hegels praktische Philosophie", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991, ISBN 3-7728-1351-8, Leinen, 372 S., leider 159 EUR, welches die 3 Auflagen der Enzyklopädie zum Thema miteinander Satz für Satz vergleicht und erklärt, mit besonderem Blick auf die logische Argumentation und die Gesamtarchitektur.

Zu diesen und weiteren empfehlenswerten Büchern siehe den entsprechenden Abschnitt in meiner Liste zur Sekundärliteratur.

Geschichtsphilosophie

Werke

Hier sind zu Hegels Lebzeiten nur die kurzen Abschnitte dazu in der Enzyklopädie und am Ende der Rechtsphilosophie erschienen, sowie (aus anderer Perspektive) die Ausführungen in der Phänomenologie.

Vorlesungen

Gans (und in der 2.Auflage, Hegels Sohn Karl, Professor für mittelalterliche Geschichte in Erlangen, der "Städtehegel". Seine Autobiographie liegt als PDF vor) gab dann im Rahmen der Hegelwerke die "Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte" heraus. Zumindest die Einleitung ist dabei aus einem ausgearbeiteten Manuscript von Hegel selbst.

Mindestens eine philologisch ausgearbeitete Vorlesung gibt es zum Thema beim Meiner Verlag, ich habe sie noch nicht eingesehen.

Schüler

Von den Schülern hat Bruno Bauer eine Kulturgeschichte der Zeit von 1750-1815 geschrieben, Gans (und ähnlich auch sein Freund Michelet) eine "Geschichte der letzten 50 jahre". Bruno Bauer hat auch ausführlich zur farnzösischen Revolution und zur deutschen Revolution von 1848 (samt sämtlicher "Parteienkämpfe" im Vorfeld) geschrieben. (Die hier erwähnten Werke von Brunoi Bauer und Michelet liegen inzwischen bei Google Books vor).

Michelet hat zudem im Rahmen seines 5 bändigen Systems die letzten 2 Bände der Geschichtsphilosophie gewidmet. Er ist daher dort ausführlicher als Hegel, fängt auch schon bei den Steinzeitmenschen an, und behandelt auch das 19.Jahrhundert bis hinauf zu zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung ausführlich (beide Bände erschienen Anfang der 1880er). Wie bei Michelet üblich, kann er es sich nicht verkneifen, auch über die zukünftige Entwicklung zu spekulieren, und vermutet hier, dass die Geschichte über die USA dann in umgekehrter Richtung in der Südhalkugel zurückgehen würde: Südamerika, Südafrika, Australien).

Leo hat sehr viele und ausführliche Werke zur Gechichte geschrieben, die meistend davon allerdings nach seinem Abrücken (mit der Schrift "Die Hegelinge" von Ende der 1830er) vom Hegelianismus .

Rosenkranz schreibt in seiner "Theologischen Enzyklopädie" ausführlich und gut zur Geschichte der Kirche und Dogmen, die ja beide auch in einer Univeralgeschichte wichtig sind. Marheineke schrieb eine mehrbändige Geschichte der Reformation.

Hegels Quellen

Als wichtige Quelle für Hegels Geschichtsphilosophie ist Carl Ritter (Kollege von Hegel in Berlin und erster Professor für Geografie weltweit, mit Alexander von Humboldt einer der beiden Gründer des Faches), dessen 2bändige Geographie von Anfang der 1820er Hegel in seiner Bibliothek hatte. Ich versuche das Werk zu bekommen (Michelet scheint Ritter nicht zu kennen?). Davor sind wichtig Herders Geschichtswerk, das von der Entstehung des Sonnensystems bis zum Mittelalter reicht (Ritter war auch Herder Schüler), Schiller, Kant, Voltaire, Montesquieu und evtl. Leibniz

siehe auch