Hegels Geschichtsphilosophie im Kontext seines Systems

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Voraussetzungen / Bedingungen

In der Realphilosophie geht Hegels Philosophie des Objektiven Geistes, in der seine Philosophie der Weltgeschichte stattfindet, die Philosophie der Natur und die Philosophie des subjektiven Geistes voraus.

Aus dem Kontext des Staates ist dessen Voraussetzung, Material/Mittel und Bedingung/Schranke sein Land (Natur) und sein Volk (subj.Geist).

Naturphilosophie

Am Anfang der Naturphilosophie wird zunächst abstrakt Raum und Zeit als abstraktes Koordinatensystem der Realphilosophie (und die Bewegung als deren Synthese) vorgestellt und im 1.Teil (Mechanik) dann die abstrakten Bewegungen besprochen, die nur von den abstraktesten Eigenschaften der Dinge (Masse, Dichte, Beschleunigung) abhängen. Das empirische Material, an dem diese sich bewähren, ist die Astronomie. Die klassische Darstellung findet sich in der newtonschen Mechanik, die moderne in der einsteinschen Relativitätstheorie.

Die Physik (im hegelschen Sinne verstanden als die *besondere* Naturwissenschaft) behandelt dann die verschiedenen besonderen Naturgesetze, wobei von diesen mit der Zeit viele entdeckt wurden und der Zusammenhang zwischen diesen nicht jederzeit klar war. Der Zusammenhang dieser Erscheinungen sind mittlerweile in der Quantenphysik und den drei Grundkräften der modernen Physik bestimmt, (der Zusammenhang mit der 4. (bzw., je nach Perspektive, 1.) Kraft aus dem 1.Bereich (Mechanik), der Gravitationskraft, in einer dann universellen Theorie ist derzeit noch offen).

Die Organik ist der Bereich der Naturphilosophie, der ansatzweise der Idee (des Lebens) in der Logik entspricht. Sie hat eigene Maßstäbe, Rückkoppelungen, sich in der Änderung erhaltende Systeme, und damit eine Geschichte der Selbsterhaltung und der nicht zufälligen, gerichteten Veränderung. Dies wäre der Bereich der eigentlichen Geschichte/Entwicklung in der Natur (es ist seltsam, das Hegel auch für diesen Bereich, der doch der Idee entspricht, keine Entwicklung annahm. Dass etwa das Fallgesetz oder die Chemie keine gerichtete Entwicklung derart kennt, dass es früher eine andere Form des Fallgesetzes oder der Atomphysik gegeben hätte, ist hingegen plausibel - bzw. auch da wo man Änderungen da zugestehen mag - etwa andere Gravitationskräfte, andere Atome u.ä. wäre da eine invariante Gemeinsamkeit vorausgesetzt).

[Hier ließen sich jetzt noch spezifische Anmerkungen zur Evolutionstheorie einflechten: wichtig ist hier die große vereinigte Theorie von Mayer (Schreibweise?), der die Erkenntnisse der Genetik und Evolutionstheorie vereinigte. Die Allgemeinheit, Besonderheit und (in Form von individuellen Merkmalen und Mutationen) Einzelheit haben in der DNS ihre materialisierte Idee, die selbst den Körper so formt und erhält. Leider wissen wir aber weder genau, wie die Entwicklung vom Einzeller zum ausgewachsenen Individuum im einzelnen von der DNS gesteuert wird, noch wie die Einzelheiten genau von der DNS abhängen (wir wissen von dem Zusammenhang hauptsächlich, dass die DNS Baupläne für chemische Werkzeuge der Zelle enthält, die Veränderungen und alltägliche Prozesse einleiten und beenden können. Eine Verbindung zu etwa den konkreten Organen kennen wir noch? nicht, nur statistische Zusammenhänge etwa zu Missbildungen/Krankheiten/Variationen. Ebenso können wir die quantitativen Unterschiede zwischen der DNS von verschiedene Lebewesen messen, wissen aber nicht wirklich, ob nicht etwa bestimmte qualitative Unterschiede von geringer Quantität nicht vielleicht viel wichtiger sind als grössere quantitative Änderungen von grösserer Quantität, so dass sich z.B. eine quantitativ höhere Übereinstimmung in der DNS nicht automatisch in einem ähnlicheren Aussehen der Arten niederschlägt, so dass derzeit eine Gliederung nach diesem Aussehen noch - je nach Zweck - ihre eigene Berechtigung hat ].

Hegel gliedert diesen Bereich, den wir also als potentiell und real sich zeitlich entwickelnd betrachten, in die Erdprozesse, pflanzlichen Prozesse und tierische (einschl. biologischen Menschen) Prozesse. Wir müssten heutzutage auch die Astronomie/das Universum selbst hierzu rechnen, denn auch dieses hat eine Geschichte.

Die Gliederung wäre also etwa:

  • (a) Universum
  • (b) Sonnen-/Planetensystem
  • (c) Erde (mit ihren Erdprozessen (Gesteinskreislauf, Plattentektonik), Wasserprozessen (Wasserkreislauf, Meeresströmungen) und Luftprozessen (z.B. Winde) sowie Feuerprozessen (Innere Hitze der Erde bis hin zum Vulkanismus), Sonneneinstrahlung, Erwärmung und Abkühlung) - die Rationalität der 4-Elemente-lehre in Bezug auf die Erdprozesse / das Wetter/Klima.

und die Gliederung des (d) eigentlichen Lebens. Unter Berücksichtigung der neueren Forschung wäre hier die Gliederung wohl:

  • Einzeller
  • (mehrzellige) Pflanzen und Pilze
  • (mehrzellige) Tiere

(wobei b+c wahrscheinlich zusammen zu fassen sind und c dann einen eigenen 3.Punkt ausmachen).

Für die Erd-/Menschheitsgeschichte ist hier relevant, dass die Erde von den Lebenwesen verändert wird, welche wiederum beide vom Menschen ("Geist") verändert werden.

Aus der Perspektive des weltgeschichtlichen Staates hat dieser sein geographisches Territorium auf der Erde (mit entsprechenden Mineralien in der Erde, bestimmten Klima, Flüssen, Nähe zum Meer, Gebirgen usw) und darin bestimmte Flora und Fauna als Ausgangspunkt, die er ggfs. mit der Zeit ändert.

subjektiver Geist

Staatsvolk

Sodann hat der Staat ein Staatsvolk. Bevölkerungswissenschaftlich stellt sich dies dar als gegliedert in Männer und Frauen, einer bestimmten Altersstruktur, bestimmten Rassen und Völkern (im Falle von Vielvölkerstaaten wie auch bei Staaten mit Migranten usw). Interessanterweise werden diese Voraussetzungen in Hegels Anthropologie besprochen (was etwa erklärt, warum dort Völker mit aufgeführt sind), wobei allerdings nicht alle in der anthropologie besprochenen Kategorien bevölkerungswissenschaftlich relevant sind (beispiel schlafen/wachen), wie auch umgekehrt vermutlich nicht alle bevölkerungswissenschaftlichen Kategorien da abgehandelt sind. interessant sind z.B. die Gegebenheiten, die sich ändern lassen, wie etwa die Berufsstruktur und der Bildungsgrad, die religiösen Grundüberzeugungen u.ä. (durch mehr oder weniger grobe Maßnahmen wie Vertreibungen, Familienpolitik u.ä. werden und wurden in der Vergangenheit von staaten auch schon die härteren Voraussetzungen wie Völker/Rassenanteile, Altersdurchschnitt u.ä. geändert).

eigentlicher subjektiver Geist

Eben habe ich die beiden Voraussetzungen / Material des Staates betrachtet und dazu die beiden vorangehenden Abschnitte der Enzyklopädie unter dem Gesichtspunkt behandelt. Speziell beim subjektiven Geist ist das aber gar nicht Hegels Gesichtspunkt, sondern er behandelt darin zunächst etwas anderes (den Menschen als Menschen in seiner Einheit von Körper und Geist, im Gegensatz zum menschen als biologischen wesen - wie er auch noch in weiten teilen der Medizin behandelt wird -, der als solcher bereits am Ende der Naturphilosophie bei den Bestimmungen des Tiers mit behandelt wurde). Dies soll hier als Exkurs auch kurz für sich dargestellt werden, auch wenn dies im Nachfolgenden keine direkte Rolle spielt, so kann es gut sein, das im nachfolgenden hier noch einiges zu ergänzen ist.

Anthropologie

Hier geht es zunächst einmal um die Einheit des Geistes mit seinem Körper: im 1.Abschnitt wird zunächst einmal bestimmt, was es als Ausgangspunkt für den Geist bedeutet, dass er Geist eines biologischen Körpers ist (so tritt er z.B. als Mann oder Frau auf, durchlebt einen Alterungsprozess, ist von Wetterschwankungen usw. beeinflusst usw).

Sodann wird die Einheit betont, die der mensch gegenüber den äußerlichen Veränderungen in seinem geist darstellt: er nimmt wahr, empfindet usw. gegen die äußeren Zufälligkeiten kann er sich in der Wiederholung gewöhnen (abhärten z.B.), ebenso kann er sich so komplexere Fertigkeiten aneignen, die ihm zur 2. Natur werden (der 2.Teil der Anthropologie schließt daher mit der Gewohnheit).

Im 3.Teil wird dann der Körper als Ausdruck des Geistes behandelt: wenn der Geist sich durch die Gewohnheit den Körper zum Ausdruck seines Geistes gemacht hat, so entsprechen sich Inneres und Äußeres und die Äußerung in Geste und Stimme sind der ausdruck des Geistes.

Phänomenologie

Beschäftigt sich der 1.Teil, die Anthropologie, mit dem geist und seinem Körper, so beschäftigt sich der 2.Teil mit der Selbstreflektion des Geistes, seinem (selbst)bewusstsein. dies erreicht er in der Reflektion in anderes: der Natur und vor allem dem anderen Geist (also anderen Menschen).

Insofern hier bereits von anderen Geistern/Menschen gesprochen wird, ist hier auch schon ein Vorgriff auf den objektiven Geist, der ebenso im 2.Teil der Philosophie des Geistes steht wie die (enz.) Phänomenologie im 2.Teil des subjektiven Geistes steht.

Die drei hier betrachteten Bewusstseinsstufen entsprechen im wesentlichen den 3 ersten Kapiteln der "Phänomenologie des Geistes" (die weiteren Kapitel der "Phänomenologie des Geistes" entsprechen Bewusstseinstufen zu bestimmten historischen Zeiten und von bestimmten Stufen des Systems wie Familie, Staat, Religion und Philosophie, so dass diese mit Recht in der Phänomenologie erst später vorkommen, wenn diese auch in der PdG unter dem besonderen Gesichtspunktes des Bewusstseins behandelt werden. Dafür ist also auch im späteren System ein Ort zu suchen. Ich komme darauf noch zurück).

Interessant ist auch, dass Hegel der 1. Stufe hier den Verstand zuweist und der 3.und letzten Stufe der enz. Phänomenologie die Vernunft. Danach würden die drei Stufen also den 3 Momenten jeden Logischen entsprechen und damit den Anfang (Herausbildung) dieser Momente im Denken/Bewusstsein entsprechen (noch ein Grund, warum man sich überlegen sollte, ob und ggfs. wo Bewusstsein und Selbstbewusstsein ihre Orte/Entsprechungen in der Logik haben könnten.)

Psychologie

ist vielleicht am besten bekannt, durch die Schriften von Güssbacher zum theoretischen Geist und durch die von Peperzaak (und nebenbei den Anfang der Rechtsphilosophie) zum praktischen Geist. Der freie Geist kommt von Hegel erst in der 3.Auflage (oder war es in der 2.Auflage von 1827?) hinzu, als Vereinigung von theoretischem und praktischen Geist und Ausgangspunkt zum Übergang zum objektiven Geist.

Für den objektiven Geist ist der praktische Geist relevanter (die Bestimmungen des abstrakten Willens bilden die Grundlagen des abstrakten Rechts als 1.Teils der Rechtsphilosophie/obj. Geist), für den abs. Geist der theoretische Geist. Für das 1.Drittel des Abschnitts zur bürgerlichen Gesellschaft, das "System der praktischen Bedürfnisse" sind speziell das praktische Gefühl (wie auch schon deren Vorgriffe in der Anthropologie) relevant.

objektiver Geist

Der objektive Geist als sich objektivierender praktische Geist teilt sich zunächst in das abstrakte Recht als den abstrakten äußeren Wille, und die Moralität als abstrakter innerer Wille, sowie in deren wahrheit, die Einheit von äußerem und inneren Willen in der praktizierten gesellschaftlichen Objektivität (Sittlichkeit) [d.h. wahrscheinlich auch, das die drei Sphären der Sittlichkeit jeweils ihre eigenes Recht und Moralität haben, die Hegel allerdings nicht explizit darstellt].

[hier, wo es spannend wird, bricht das Manuskript erst einmal ab. to be continued]

Siehe auch