Hegel und die Sklaverei

Aus Kais Hegelwerkstatt
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Sklaverei

Hegel ist, wie bei einem Philosophen der Freiheit ja zu erwarten, natürlich ein entschiedener Gegner der Sklaverei. Entsprechende explizite Zitate findet man en Masse bei Hegel, z.B. in der Philosophie des Rechtes, Paragraph 57:

"Die behauptete Berechtigung der Sklaverei (in allen ihren näheren Begründungen durch die physische Gewalt, Kriegsgefangenschaft, Rettung und Erhaltung des Lebens, Ernährung, Erziehung, Wohltaten, eigene Einwilligung usf.) sowie die Berechtigung einer Herrschaft als bloßer Herrenschaft überhaupt und alle historische Ansicht über das Recht der Sklaverei und der Herrenschaft beruht auf dem Standpunkt, den Menschen als Naturwesen überhaupt nach einer Existenz (wozu auch die Willkür gehört) zu nehmen, die seinem Begriffe nicht angemessen ist. Die Behauptung des absoluten Unrechts der Sklaverei hingegen hält am Begriffe des Menschen als Geistes, als des an sich freien, fest und ist einseitig darin, daß sie den Menschen als von Natur frei oder, was dasselbe ist, den Begriff als solchen in seiner Unmittelbarkeit, nicht die Idee, als das Wahre nimmt"

Man kann der obigen Argumentation schon entnehmen, das dies nicht ein zufälliges Geschmacksurteil ist, das sich etwa dem Zeitgeist verdankt, sondern das es für Hegel zentral ist (nebenbei haben z.B. die St.Louis Hegelians in den USA deshalb auch gegen die Sklaverei gekämpft).

Afrikaner

Hier zur Ergänzung noch eine Bemerkung zum "afrikanischen Menschen". Hegel bezieht sich in seiner Weltgeschichte empirisch auf die Berichte, die er von Afrika aus der Literatur (angefangen von Herodot bis zu den Missionaren seiner Zeit) entnimmt. Hieraus ist aber nicht zu folgern, dass Hegel meint, dass das so richtig wäre oder dass es so bleiben müsste.

Im Gegenteil finden wir, wie a.a.O. gezeigt, bei Hegel die schärfste Verurteilung der Sklaverei (überhaupt findet sich in Hegels Vorlesungen und Schriften so viele Kritik an den bestehenden Zuständen, dass ein Missverständnis über den Satz vom Verhältnis von "Wirklichkeit" und "Vernunft" auch von der Seite her eigentlich garnicht aufkommen kann - zumindest wenn man sich die Mühe macht, Hegel selbst zu lesen).

Und umgekehrt berichtet Hegel in der Einleitung zur Philosophie der Weltgeschichte über Afrikaner, die in den USA auch anspruchsvollen Berufen nachgehen, was ganz zu seinem Konzept passt, dass der Geist (individuel und in der Menschheit) eventuel vorhandene Beschränkungen seiner Natur (und der Natur überhaupt) überwindet und daher natürliche Bestimmungen, als dem Menschen nicht angemessen, mit der Zeit immer weniger wichtig werden.

Überhaupt ist bei Hegel scharf zu unterscheiden zwischen "natürlich" i.S. von "im seinem Begriff angelegt" (in dem Sinne wäre das Denken die Natur des Menschen) und natürlich im Sinne von "durch die Natur bestimmt", nicht durch Argumente vermittelt. Letzteres ist gerade ein Mangel, gilt es zu überwinden. Von daher ist die obige Bemerkung über "natürlich und angemessen" für Hegel völliger Unsinn, das "natürlich" gerade NICHT dem Menschen "angemessen" ist (wie er ja auch in seiner Argumentation gegen die Sklaverei schreibt, s.o.)

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