Freiheit

Aus Kais Hegelwerkstatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Grundlegung in der Logik

Freiheit ist Selbstbestimmung (und umgekehrt: sich nicht durch anderes zu bestimmen, "im anderen bei sich zu sein"). Als solche taucht sie in der Logik als erstes im subjektiven Begriff auf. Im Sinne von Selbstverwirklichung, tauchte sie in der Logik explizit in der Behandlung der Idee auf.

Exkurs: Freiheit ist NICHT einfach wählen zwischen Alternativen

Während in der obigen Definition die klassische Vorstellung von Freiheit als Abwesenheit von Zwang / äusserlichen Hindernissen vorkommt, so fehlt die auch sehr beliebte Vorstellung, der Wahlfreiheit: Freiheit, als Möglichkeit zwischen Alternativen zu wählen (triviale Beispiele: Supermarkt, Bundestagswahl).

Die eigentliche Frage aber nicht das formelle Wählen zwischen Alternativen (was natürlich auch der Fall ist). Es könnten ja die Alternativen alle schlecht sein oder schon so eingerichtet, dass einem nur eine Wahl bleibt ("Geld her oder Leben").

Es kommt sinnvollerweise auch bei der Wahl schon darauf an, was du willst, was für Ziele du dir setzt und an diesen hast du dann den Masstab, inwiefern du diese verwirklichen willst und wo du dabei auf Probleme, Widerstände stösst (es ist ein Mangel des traditionellen liberalen Freiheitsbegriffes, das er sich darum nicht kümmert).

wie wird die Verwirklichung der menschlichen Freiheit hier verstanden?

Die Verwirklichung der menschliche Freiheit wird hier in einem umfassenden Sinne verstanden:

  • sowohl im populären Sinne einer Nichtbehinderung der eigenen Zwecke durch fremde Zwecke,
  • wie auch im Sinne der Erweiterung des eigenen "Möglichkeitsraumes" durch mehr Mittel (und sich selbst zum Mittel der eigenen Zwecke machen, siehe etwa auch die letzten Abschnitte der hegelschen Anthropologie) - siehe (a),
  • wie auch schließlich eines Bewusstwerdens des Inhaltes der Freiheit, womit sich der Bereich des von Hegel so genannten "Absoluten Geistes" (Kunst, Religion, Philosophie) beschäftigt (siehe (c)).

verschiedene Stufen der Verwirklichung von Freiheit

(a) Erweiterung der Freiheit durch mehr und bessere Mittel

  • (a) Daraus ergibt sich zunächst einmal einen Bezug zu den Mitteln (und, indirekt/vorausgesetzt, den Umständen). Die Entdeckung neuer Prinzipien und die Entwicklung neuer (bzw. Weiterentwicklung bestehender) Mittel (Technik im allgemeinsten Sinne - also incl. Atemtechnik, Schreibtechnik usw), und die Verbesserung meiner Umstände damit, führt zu eienr Erweiterung des "Möglichkeitsraumes" der Menschheit und damit zu einer Erweiterung der menschlichen Freiheit.
Es kann wohl kaum ein Zweifel bestehen, dass die Menschheit auf diesem Gebiet einen Fortschritt gemacht hat, etwa durch Tradierung des jeweils Erreichten und Erweiterung des Wissens, insbesondere nachdem dies selbst zum Bewusstsein gekommen ist und als eigenes Ziel verfolgt wird (etwa seit der Renaissance und verstärkt seit der Aufklärung und dann der wissenschaftlich-technischen Revolution des 19.Jahrhunderts).
Freiheit auf diesem Level entspricht ungefähr dem Konzept der traditionellen marxistischen Kategorie der Produktivkraftentwicklung und der "Handlungsfähigkeit" der "Kritischen Psychologie" (letzreres war mal ein Ansatz für eine marxistische Psychologie, die hier in Deutschland von Holzkamp entwickelt wurde. DKP-nah, aber weder in der DKP noch im realexitierenden Sozialismus je offiziell geworden)

(b1) Erweiterung der Freiheit durch besseres Zweckbewusstsein und bessere Planung

  • (b1) es gibt die bekannte Unterscheidung, ob man etwas gegebenes richtig macht oder ob man das Richtige macht. Das verweist darauf, das es nicht nur auf Zielerreichung (Mitteloptimierung usw.) ankommt, sondern noch mehr darauf, die richtigen Zwecke zu verfolgen. Das bedeutet zunächst einmal, die verschiedenen eigenen Zwecke überhaupt in Beziehung zueinander zu setzen (manche Zwecke sind Mittel für andere Zwecke) und sich über die richtige Anwendung der Mittel (was auch eine Kritik und Weiterentwicklung der Mittel einschliesst) Gedanken machen. (Das entspricht der üblichen tägliche Optimierung, Grundstufen des Selbstmanagements usw, der Praxis in Institutionen und Firmen usw.)

(b2) Erweiterung der Freiheit durch Abgleich der Zwecke mit anderen

  • (b2) sodann muss ich meine Zwecke auf die Zwecke anderer beziehen: sei es, das ich andere für meinen Zwecke brauche oder umgekehrt, sei es das man sich bei den Zwecken in die Quere kommt. Dies erfordert sowohl eine Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse, bei denen man sich gegenseitig Mittel ist, wie auch eine Analyse der Vereinbarkeit der jeweiligen Ziele. Erstrebenswert sind dabei Zustände, an denen die Ziele aller möglichst weit vereinbar wären (Freiheit auf einem gemeinsamen gesellschaftlichen Level)

(c) Erweiterung der Freiheit durch Kritik der Zwecke und besseres Begreifen der Zwecke

  • (c) Der vorherige Schritt erfordert auch eine Kritik von bestehenden Zwecken. Sodann kann man die Zwecke auch für sich betrachten und sich klar werden, was er Zweck eigentlich bedeutet, sich seiner mit der Zeit immer klarer werden. Auch dabei werden dann Zwecke kritisiert (Wenn ich mir über sie vollkommen klar geworden bin) und andererseits tauchen in der Fortentwicklung evtl. neue Zwecke auf und das Verständnis, die Bedeutung und daher auch die Konsequenzen aus bestehenden Zwecken ändert sich. Hier gab es unbestreitbar Fortschritte in der Entwicklung von Kunst, Religion und Philosophie.

diese Freiheit ist im menschlichen Handeln immanent

Diese ganzen "Optimierungsleistungen" kann ich unter dem Titel: Erweiterung meiner/unserer Freiheit fassen und als für alle Menschen einzeln und insgesamt für sinnvoll ansehen. Es wird auf allen möglichen Ebenen täglich praktiziert (speziell der letzte Typ (c), insbesondere, wenn es dabei ins Grundsätzliche geht, mehr auf der Ebene des "absoluten Geistes").

Insofern ist dies tatsächlich der menschlichen Praxis immanent und es lässt sich da ein Fortschritt individuel, bei Institutionen und auch weltweit zeigen.

gegenläufige Bewegungen - "lokale Optimierungen"

Aber man kann auch umgekehrt begründen, welche gegenläufigen Bewegungen es dazu gibt (z.B. lokale Optimierung: bei einer Klassenherrschaft hat die herrschende Klasse etwas davon, wenn es ihr besser geht, was zu einem Interessenkonflikt führt - der klassische Marxsche Gedanke. Es ginge darum, auch Marx hier ganz mit aufzuheben - also, wie kann beides zusammen gedacht werden?)

Inhaltliche Bestimmung

Die oben geschilderte Selbstbestimmung ist aber (wie in verschiedenen Mails/Artikeln ausgeführt, muss ich wohl auch hierher kopieren) *inhaltlich* bestimmt.

Von daher verweist sie bei den Menschen auf ihre verschiedenen Zwecke. Dies sind inhaltlich so aufeinander abzustimmen, dass sowohl fuer den einzelnen, wie auch fuer die anderen (die ja auch einzelne sind), die bestmögliche Verwirklichung ihrer Zwecke heraus kommt.

Nur dieses "Metaprinzip" sorgt dafür, dass da etwas überhaupt in eine vernünftige Richtung und nicht willkürlich vorwärts geht

Das geht nicht ohne Kritik der Zwecke (und der Mittel) ab.

Zu anderen Auffassungen:

Freiheit wird normalerweise nach 2 verschiedenen Richtungen hin definiert:

  • entweder als leere Form (Negation von Anderem, Willkür, beliebiger Inhalt) - der typische Liberalismus, aber auch Anarchismus
  • oder als inhaltlich vorgegeben (dann geht es darum, einem vorgegebenem Menschenbild zu entsprechen) - Konservative, aber auch m.E. orthodoxer Marxismus (Mensch als "soziales Wesen", Wesen des Menschen ist die Arbeit, schon in der Natur gibt es Zusammenarbeit usw)

Wie immer geht es darum, solche Dualismen zu überwinden und beides dialektisch zusammen zu denken: wir fangen natürlich mit einem gegebenen Inhalt an (sei es in dem, was in unserem "praktischen Gefühl" liegt, sei es von der Gesellschaft her) - und über die Kritik davon (negative Freiheit) - kommen wir zu einer inhaltlich bestimmten Freiheit, die nicht einfach eine Vorgegebene ist, sondern die unsere ist, durch unsere kritische Prüfung hindurch gegangen

Gesellschaftlicher Aspekt

Wichtig ist dabei aber der gesellschaftliche Aspekt (Abgleich mit den Zwecken der anderne, dazu die bestehenden Zwecke und Mittel untersuchen): ohne das hat das Ergebnis des oben geschilderten Prozessess zwangsläufig etwas von einer Anpassungsleistung (weil er Dinge berücksichtigen muss, die nicht zur Disposition stehen), ist suboptimal.

gegenstandpunkt kritik

Die Gegenstandpunkt Leute haben sich konzentriert auf den oben erwähnten ersten Aspekt der Freiheit.

Das liegt an den Wurzeln in der Frankfurter Schule einerseits, der Agitationsperspektive andereseits (vom Prinzip her ähnlich wie bei Bruno Bauer, einem *grossen* Hegel Intrepreten und wichtigstem Hegel-Lehrer von Marx):

Die Kritik des Gegenstandpunktes an den Idealen (Freiheit usw)

Prinzip

Die schönen Sprüche, "Ideale" als angebliches Wesen werden an den Erscheinungen gemessen und dann die "Ideale" so umgedeutet, dass sie zu den Erscheinungen passen, statt wie es sonst gemacht wird, die Erscheinungen an den Idealen kritisieren.

Wirkung auf Aussenstehende

Es wird so implizit die Wirklichkeit auf einer höheren Ebene, auf der Ebene des dahinter stehenden Ideals nochmal kritisiert. Da aber heutzutage Kritik als Differenz von Ideal und Erscheinung gewohnt ist, klingt das für Aussenstehende evtl. nicht nach Kritik (gerade Linke vermissen dabei dann ihre gewohnten Maßstäbe). Da gerade das Passen von Realität und Ideal, also keine Differenz festgestellt wird, klingt das ganze so für Aussenstehende zynisch, abgeklärt.

unterstellt ist auch hier eine Differenz

Unterstellt ist bei der Agitation des Gegenstandpunktes aber natürlich schon, das es eine sinnvolle Differenz gibt, dass man die Erscheinungen an einem Maßstab messen und kritisieren kann.

Nur wird dieser nicht extra expliziert, weil er dann ja auch nur relativ wäre und selbst kritisiert werden könnte. Der benutzte implizite Maßstab ist der des "Interesses". Dieser ist aber weniger präzise als der Zweck (ist ein Thema für sich).

Aufhebung und Differenz

Ich denke, dass diese Position des Gegenstandpunktes voll aufgehoben (aber in allen Bedeutungen des Wortes aufgehoben!) werden kann (die Negation, Kritik, Skepzis ist immer notwendiges Moment, bringt Fortschritt, treibt voran).

Bloss muss die Aufmerksamkeit mehr auf die konkreten Inhalte (Zwecke, Mittel) gelenkt werden (daran liessen sich dann bei Bedarf auch die Interessen und die relativen Berechtigungen dr jeweiligen Freiheitsverständnisse zeigen.

Das hat gravierende Folgen für die Agitation und die Praxis, wie noch zu zeigen sein wird

siehe auch