Eigentum

Aus Kais Hegelwerkstatt
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System - Geist - Objektiver Geist - Abstraktes Recht

Grundlagen

  • Eine Freiheit, die sich nicht verwirklicht, in der Welt ausdrückt, ist mangelhaft. Die Sphäre dieser Verwirklichung (gegenüber Sachen) ist das Eigentum.
    • Dazu gehört an erster Stelle schon mal mein Körper (auch darum ist Sklaverei als Herrschaft über den Körper eines anderen natürlich unrecht).
    • dazu brauche ich auch Zugriff auf einen Teil der Welt, auf den ich gemäss meinen Zwecken einwirken kann (ihn als Mittel nehmen kann, ihn dabei umändere, bezeichne usw)
    • insofern ich dabei Berühungspunkte mit anderen habe, erkennen wir uns dabei gegenseitig an
    • -> Eigentum
  • Eigentum ist also Mittel meiner Zwecke, nicht deren Zweck selbst. Insofern das Mittel eine übermässige Bedeutung bekommt, zur Hauptsache wird, die von den eigentlichen Zwecken ablenkt, ist es insofern Ausdruck von Unfreiheit und insofern zu überwinden.
  • Hegel denkt erstmal nicht an Urheberrecht usw. Es geht um die Möglichkeit, auf die materielle Welt ("Natur") einzuwirken (Körper, Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, Produktionsmittel usw). Andere sollen mir dies nicht bestreiten, sondern anerkennen. Das ist dann Eigentum. Welche Verlaufsform das hat, ob es z.B. gut in Gemeinschaftseigentum (auch ein Eigentum in dem oben genannten Sinne, bloss gemeinsam!) passt, ist damit noch nicht gesagt.
  • Damit ist auch noch nichts über die Grösse des Eigentum gesagt (wie Hegel ausdrücklich betont), noch ist damit etwas über die Zwecke gesagt, die sich da verwirklichen oder wie sich das Ganze später in der "Realität" der Familie, bürgerlichen Gesellschaft und Staat konkret darstellen wird. Hegels Schüler Eduard Gans hat übrigens - als erster überhaupt - basierend auf Hegel dann eine Weltgeschichte des Rechts - angefangen zu entwickeln (einschliesslich der anderen Kulturen, soweit zu seiner Zeit bekannt), und Marx hat bei ihm an der Uni zumindest 2 Semester lang bei ihm Vorlesungen besucht. Dass "der Eigentumsbegriff sich erst mit Zeit entwickelt hat und in unterschiedlichen Kulturen ganz verschieden gehandhabt wird" weiss aber schon auch Hegel, steht auch sinngemäss an verschiedene Stellen bei ihm.
  • Selbstverständlich kennt und bespricht Hegel später, in der Sittlichkeit, auch gemeinsames Eigentum in seinen drei Sphären der Sittlichkeit (Familie, Bürgerliche Gesellschaft und Staat) wobei dieses, je nach Sphäre unterschiedlichen Charakter hat (und es gibt ja auch tatsächlich, selbst im "land of the free", den USA, und natürlich auch bei uns, und auch zu Hegels Zeiten usw, gemeinsames Eigentum in allen diesen Sphären).

(Vorbemerkung: nicht vergessen, dass das Eigentum in dem Kapitel "Das abstrakte Recht" abgehandelt wird - es ist bei Hegel wirklich entscheidend, sich jeweils klar zumachen, an welcher Stelle, was steht. ).

zum Privateigentums

Ich las, Privateigentum leite sich ethymologisch von privare, rauben, ab. Ähnlich hat [ http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre-Joseph_Proudhon Proudhon] 'Eigentum ist Diebstahl' formuliert. Beide male wird aber zumindest der Begriff des Eigentums unterstellt (Ohne Begriff des Eigentums macht weder rauben noch Diebstahl sinn). Vorgestellt wäre hier also ein ursprüngliches Gemeinschaftseigentum, von dem dann nachträglich das Privateigentum abgesondert (lat. privatim) wird.

Gerd: "privatus" (lat.) = beraubt; aber das hat nicht mit der Tatsache zu tun, dass da Raub stattgefunden hätte:
Der Privatmann ist nach römischer Auffassung deshalb "beraubt", weil er an den öffentlichen Geschäften keinen Anteil hat.
Kai: Danke!

absolutes Minimum

Ich hörte mal von einem Lehrer, der seine Schüler beibrachte: "Kommunismus ist, wenn jeder deine Zahnbürste benutzen darf". Ich nehme mal an, dass die meisten hier zustimmen werden, dass dies eine Fehldeutung von Kommunismus (in propagandistischer Absicht) ist. Wichtiger aber, man kann an dem Beispiel gut sehen, dass es eine Sphäre gibt, in der Privateigentum nicht nur unproblematisch ist, sondern sogar Sinn macht.

Als absolutes Minimum sehe ich an: den eigenen Körper (hatte ich schon oben erwähnt - die Sklaverei zeigt, dass auch diess nicht selbstverständlich ist), dann - wie das Beispiel zeigt - Dinge der persönlichen Hygiene (die aber wohl auch wirklich kaum je bestritten sein werden), wie auch Dinge, an denen das eigene Herz hängt (Erinnerungsstücke, persönliche Aufzeichnungen, Sachen die man selbst gemacht hat und die einem dabei ans Herz gewachsen sind usw, Schmusetiere u.ä. bei Kindern usw - je nachdem kann dieser 3. Bereich kleiner oder grösser sein).

Gegenstände des persönlichen Ge- und Verbrauchs

  • Sodann natürlich die Dinge des persönlichen Gebrauchs: Essen, Trinken, Schlafgelegenheit, Kleidung usw. - all das muss annerkannt sein (ich brauche mein Essen, mein trinken, meine Schlafgelegenheit usw.- da hilft es mir nicht, wenn dieses "Gemeinschaftseigentum" ist, ich muss es aktuell für mich nutzen und damit dem Rest der Gemeinschaft entziehen- und darf mir nicht bestritten sein (weswegen auch Hegel selbstverständlich die Berechtigung des "Mundraubes" anerkennt.
  • Insofern diese Bedürfnisse auch mit Gemeinschaftseigentum befriedigt werden könnten (z.B. gemeinsamer Kleidungsvorrat? gemeinsames Bett bei Paaren oder inenrhalb eienr Familie) wäre hier die notwendige Grenze zwischen Privateigentum und Gemeinschaftseigentum variabel (Aber auch dazu siehe weiter unten)

Verschiedene Typen von Eigentum, je nach Späre

  • Wir können hoffentlich gemeinsam festhalten, das es verschiedene Formen von Eigentum, je nach Sphäre gibt: neben dem eben erwähnten individuellem, persönlichen Eigentum gibt es Eigentum, das einem Paar, einer Familie, einer Gruppe, Verein Insituition o.ä, von einem Stadteil, einer Stadt, einer Region oder einem Land/Staat gemeinsam gehört.
  • Im Falle von Missbrauch usw., sonfern es dem Gemeinwohl dient - so dass dabei die Interessen der Einzelene darin aufgehoben sind und das nicht nur eine "Phrase" ist - usw., darf und sollte selbstverständlich die jeweils höhere Ebene eingreifen. Beider Eingriffsgründe (der negative Grund des Missbrauches und der positive des Gemeinwohles) orientieren sich übrigens wieder an dem Grund des Eigentums: es geht darum, seine Zewcke möglichst optimal zu verwirklichen: sofern dies grundsätzlich bestritten ist bzw. anders für alle Beteiligten sehr viel besser erreicht werden kann, ist ein Eingriff aus dem gleichen Grund sinnvoll, der im ersten Schritt das Eigentum rechtfertigt.
  • Damit beides (Schutz des Eigentum, Garantie der jeweiligen Anerkennung und Sicherheit der eigenen Wirkungssphärer einerseits, Eingriffe zum schutz vor Missbrauch und zur Optimierung der gemeinsamen Wirkungsphäre) zusammengeht, müssen solche Eingriffe aber wohlbegründet, allgemein nachvollziehbar und allgemein anerkannt - die Sequenz baut aufeinander auf!- sein und keineswegs willkürlich.

Entwicklung der Mittel und Zwecke - Folgen für das Eigentum

Mit der Entwicklung der Mittel und der Zwecke (und ihrem jewieligen tieferen Verständnis) und dem damit einhergehenden Selbstverständnis, ändern sich selbstverständlich auch die Grenzen zwischen diesen Bereichen (also insbesondere das, was als absolut notwenige Abgrenzung/Minimum angesehen wird und was nicht).

  • So hat individuell ein Baby (und erst recht das Embryo) überhaupt noch keinen Abgrenzungsbedarf, es ist in eienr Einheit mit seiner Mutter. Später wird er grösser, von der kleinkindlichen Trotzphase über die Pubertät bis zur eigenen Haushaltsgründung der Kinder (wobei sich das im einzelnen natürlich auch historisch wandelt und in unterschiedlichen Kulturen Variationen unterliegt). Ein philosophisch und/oder religiöser Weiser braucht weniger materielle Sachen, weil ihm anderes wichtiger ist usw.
  • Ebenso in der geschichtlichen Entwicklung: in einer Steinzeitmenschenhorde wird das Abgrenzungsbedürfnis möglicherweisee geringer sein, und vieles gemeinsam genutzt werden: die gemeinsame Höhle, die gemeisame Mammutfalle, später (Übergang von Jäger und Sammler zu Ackerbau) gemeinsam bestelltes Feld usw (obwohl es auch dort vermutlich schon minimales Privateigentum im oben genannten Sinne gegeben haben wird). Und natürlich kann es sein, das z.B: in einer religiösen oder politischen Kommune die Teilnehmer weitgehend auf ihr Privateigentum zugunsten von Gemeineigentum verzichten (die Grenzen also in Richtung nächsthöhere Ebene verschieben, sei es, weil es ihnen weniger auf das Privateigentum ankommt, sei es weil sie damit ihre gemeinsamen Wirkungsbereich erweitern - Beispiel freiwillige LPGs, Genossenschaften - usw).
  • Wenn das eine Entwicklung ist, die nicht nur auf der Ebene von einzelnen Individuen oder einzelnen Gruppen ist, sondern gesamtgesellschaftlich, so wird dieses geänderte Verständnis dann mit der Zeit auch in der staatlich geregelten Abgrenzung zwischen den einzelnen Sphären umgesetzt werden.

Siehe auch