Das Absolute und Gott

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Einführung

Das Ziel der Logik nennt Hegel das "Absolute" (im Inhaltsverzeichnis der Logik: "Absolute Idee" als Ziel und Endpunkt der Logik). Der letzte Abschnitt des Gesamtsystems heißt dementsprechend der "Absolute Geist".

Diese Bezeichnungen werden heute ja meist missverstanden und Hegels Verweise auf Gott machen es nicht besser, weil diese ja erst recht missverstanden werden.

Das Absolute

Meines Erachtens meint "Absolutes" zunächst einmal das "Unbedingte", im Sinne von: ein nicht durch ein anderes begrenztes. Insofern ist klar, warum sich nur die 1. und 3. Stufe (Enz. §79-82) dazu eignen, dieses zu "inkarnieren":

  • am Anfang ist zwar implizit mit der Grenze das Andere abgegrenzt/ausgegrenzt, aber explizit hat man den Gegenstand nur für sich, in seiner unmittelbaren Einheit vor Augen, insofern also unbedingt, absolut.
  • in der 2. Stufe ist ja der Bezug auf das Andere, die Negation durch Anderes explizit Thema, insofern gerade nicht absolut.
  • In der 3. Stufe wird die ursprüngliche Einheit der 1.Stufe auf höherer Stufe wieder hergestellt, der Unterschied wird zur Besonderheit innerhalb der Einheit der 3.Stufe.

Die höhere Stufe ist also nicht etwas, was dem bisherigen gegenüber steht und/oder von außen hinzukommt, sondern implizit bereits in dem vorherigen Enthalten ist, so wie umgekehrt die vorherigen Stufen in der 3.Stufe enthalten (aufgehoben) sind (was zu zeigen ist).

Gott

Insofern passt das "Absolute" auch zu einem rationellen "Gottesbegriff" (als kein Jenseitiges, sondern als die jeweilige Ordnung/Zusammenhang - siehe dazu auch: Gott zu erkennen durch die Vernunft ist die höchste Aufgabe der Wissenschaft) und meint gerade nicht das, woran die meisten Kritiker und Befürworter des Gottesbegriffes denken, und führt daher, wenn man von der Vorstellung ausgeht, zu falschen Assoziationen.

Die Rede von Gott übersetzt Hegel also wahrscheinlich in

  • (A=Allgemeinheit) die Logik,
  • (B=Besonderheit) die Bewegung/Durchführung durchs ganze System und
  • (E=Einzelheit) das gesamte System selbst.

bzw, in der christlichen Trinität:

  • (A) Gott der Vater: Logik/Sein
  • (B) Sohn: Natur (und Geist) als Erscheinung des Wesen (Jesus als Erscheinung des Wesens in der Einzelheit)
  • (E) Heilige Geist: diese Einheit von Logik, Natur und Geist ist in allen Menschen und kann von allen gewusst werden und bewusst verfolgt werden

(Siehe dazu auch die Literaturangaben unter http://wiki.hegel-system.de/index.php/Religion und http://wiki.hegel-system.de/index.php/Christentum )

Der Witz läge dabei dann darin, dass dann eben NICHT weiteres dazu gedacht wird, sondern nur genau das und gezeigt wird, das die Reden der Religion so und nur so einen vernünftigen Sinn haben. Das heißt dann auch, dass mit der Rede von Gott in der Logik gerade kein Hintersinn jenseits der Logik gemeint ist, sondern im Gegenteil bei der Rede von Gott die Logik als Hintersinn nahegelegt werden soll. Es ist damit so auch gerade kein Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion/Gott gedacht.

Wissenschaft wäre so eben die "Offenbarung Gottes", die Universitäten die "Kathedralen", sie wäre so eben nicht - wie bei dem Gedachten Gegensatz - die zunehmende Begrenzung/Bestreitung Gottes (dieser gedacht als der verbleibende, schrumpfende Rest an Unerklärlichen, Jenseitigem). In dem Gedachten Gegensatz verbleibt sowohl ein großer Teil des religiösen christlichen Glaubens / Gläubigen (klassisch natürlich im Fundamentalismus aber auch in dem wie sich die meisten Leute Religion/Gott wohl - mit positiver oder negativer Bewertung - vorstellen), andererseits genauso aber auch im Atheismus/ klassischen Aufklärung und im Gefolge davon vielen Wissenschaftlern im 19. und 20.Jahrhundert, bis hin zu den "Brights" (Wikipedia, Homepage)).


Bezug zum ontologischen Gottesbeweis

Insofern kann man auch sagen, dass Gott das allerrealste ist und dass Gott, in Tradition des ontologischen Gottesbeweises, dasjenige ist, was am allernotwendigsten ist und nicht weggedacht werden kann (da ein Nachdenken, Wegdenken, Infragestellen bereits die Logik voraussetzt. Daher geht auch der Kantsche Vergleich mit den ausgedachten 100 Thalern an dem Witz des so durchgeführten Beweises vorbei).

Siehe auch