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Aus Kais Hegelwerkstatt
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Für Bücher, die nicht direkt Hegel betreffen, habe ich die neue Seite Fachbuecher angelegt.

Inhaltsverzeichnis

Zur Einführung

Diese Seite enthält moderne Sekundärliteratur zu Hegel. Ergänzend dazu sei hier unbedingt auf Hegels eigenen Werke udn die Werke der Hegelschule des 19.Jahrunderts verwiesen:

Hier nun einige gute moderne Bücher zur Einführung in Hegel (fast alle anderen Einführungsbücher zu Hegel sind schlecht), zugleich eine Aktualisierung meiner alten Bücherliste aus meiner (Kais) "alten Hegel Werkstatt":

Am wichtigsten, wer nur ein Buch zu Hegel kauft, kaufe dieses:

T.S. Hoffmann : "Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Eine Propädeutik"

"Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Eine Propädeutik" von Thomas Sören Hoffmann, Marix Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-01-0, das vielleicht beste Einführungsbuch zu Hegel das derzeit in der deutschen Sprache existiert (kostet dabei als ca. DIN A 5 gebundenes Buch a 526 Seiten nur ca. 10 EUR). Es behandelt Hegels Leben und Denkweg, und beschreibt dabei insbesondere die Entwicklung bis zur Phänomenologie (1806/07) sehr ausführlich. Von den Werken werden insbesondere der "Phänomenologie des Geistes" und der "Wissenschaft der Logik" jeweils 100 Seiten gewidmet. Die Sprache ist klar verständlich (vielleicht etwas gefärbt in Richtung Frankfurter Schule und Liebrucks, Hoffmann war selbst Liebrucks Schüler) und es werden viele einleuchtende Beispiele gegeben, die für viele Aha-Effekte gut sind. Nützlich ist auch, dass der Autor nicht nur Kant sehr gut kennt und als Hegels Hintergrund berücksichtigt, sondern zudem auch die alte griechische Philosophie, die oft nicht hinreichend als Hegels Hintergrund berücksichtigt wird. Was das Buch zudem zu einem absoluten Muss als erstes Einführungsbuch macht, ist, dass es sich - als einziges Buch in der heutigen wissenschaftlichen Hegel Literatur - selbst ohne wenn und aber (mit sehr guten, im Laufe der Lektüre immer klarer werdenden Gründen) zum Hegelschen Standpunkt bekennt, so dass das Buch auch selbst hegelianisch (aber wie gesagt dabei leicht verständlich) geschrieben ist. Ein kleines Manko ist, dass die Werke der Heidelberger und Berliner Zeit, insbesondere die Enzyklopaedie, die Rechtsphilosophie und die Berliner Vorlesungen vergleichsweise kurz (je ca. 10 Seiten, insgesamt 100 Seiten) abgehandelt werden, aber dieser andere Schwerpunkt ist für ein Einführungswerk vollkommen berechtigt.

Ein Inhaltsverzeichnis (und Foto des Buchumschlages) findet sich hier

Ergänzend dazu:

H.F.Fulda: "Georg Wilhelm Friedrich Hegel"

Hans Friedrich Fulda hat das Konzentrat seiner lebenslangen Hegel Forschung in ein schmales Bändchen "Georg Wilhelm Friedrich Hegel" der "Beck'sche Reihe Denker" Nr. 565 (Beck, München März 2003, 336 Seiten, ISBN 3406494455) gebracht. Das Buch ist die Zusammenfassung des Lebenswerkes von Fulda, eines der grössten Hegel Experten der nun abgetretenen Generation. Mit 14.80 EUR ist es vergleichsweise günstig und gut. Es ist vor allem im Kontrast (und als inhaltliche und methodische Ergänzung) zum Hoffmann-Buch zu lesen: der Standpunkt ist eher derjenige eines heutigen Universtätsphilosophen, mit den dabei üblichen Vor- und Nachteilen (als da sind insbesondere: sehr vorsichtige Formulierungen, viel Philologie, viele Fussnoten, eher kritisches - aber prinzipiell wohlwollendes - Verhältnis zu Hegel, tendenziell eher kantianischer Standpunkt).

Terry Pinkard: "Hegel - A Biography"

  • Wenn Sie englisch können, ist das Buch von Terry Pinkard, einer der international renomiertesten Hegel Forscher, "Hegel - A Biography" (Cambridge University Press Mai 2000, 800 Seiten, 67,50 EUR, ISBN 0521496799) sehr gut lesbar (auch für einen Nicht-Hegelianer) und ist auf dem neusten Stand der Forschung.

Walter Jaeschke: Hegel-Handbuch

Das "Hegel-Handbuch (Leben - Werk - Schule)" von Walter Jaeschke (J.B. Metzler Verlag, 583 S., Gebunden, 49,95 EUR, ISBN 3-476-01705-2) ist nicht nur ein äusserlich schönes Buch (schön gebunden und schön anzusehen, zudem angenehm, 2-spaltig gesetzt), sondern das philologische (nicht philosophische) Non-Plus Ultra, das man derzeit zu Hegel bekommen kann. Walter Jaeschke (als international anerkannter Spezialist insbesondere zu Hegels Religionsphilosophie und derzeitigem Leiter des Hegel Archivs) hat hier u.a. zu jeder noch so kleinen Hegel-Schrift philologische Anmerkungen auf der Höhe der Forschung, dabei zumeist sehr konzentriert, zusammen getragen.

Der philologische Schwerpunkt des Buches (wann hat Hegel aus welchem Anlass was geschrieben und wie ist dazu die Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte) wie auch die Voraussetzung der Kenntnis anderer Sekundärliteratur, die teilweise implizit kritisiert wird, wie auch der eher teure (aber in jedem Cent gerechtfertigte) Preis machen das Werk eher zu einer (lohnenden) Anschaffung für Hegel Spezialisten, als für Einsteiger. Wer dagegen das Werk an der Uni, der Bücherei oder Fernleihe einsehen kann, ist gut beraten, es als 3. Standardwerk mit zu konsultieren (nachdem die ersten beiden Bücher gelesen wurden).

Ausführlichere Kritik in : Jaeschke: Hegelhandbuch

Von den genannten Autoren ähnelt Jaeschke seinem Inhalt und Methodik nach eher Fulda als Hoffmann (oder Hegel), er ist von den oben genannten in seinem eigenen Vorgehen und von seinem eigenen Standpunkt (letzteren versucht er teilweise im Dunkeln zu lassen) her vielleicht am weitesten von Hegel entfernt. Vom Standpunkt der Hegel Literatur her sind aber alle genannten engagierte Verteidiger von Hegel, die sich darum bemühen, Hegel vor Vorurteilen zu verteidigen und das Rationelle in Hegel zu rekonstruieren. Zudem sind alle Bücher vergleichsweise neu und berücksichtigen so die aktuelle Literatur und Erkenntnisstand.

Vittorio Hösle "Hegels System"

Vittorio Hösles "Hegels System" (Meiner Verlag, Hamburg 1988, aktuelle 2., um ein zusätzliches Nachwort erweiterte Auflage April 1997, 709 Seiten, ISBN 3787313362) war lange Zeit das Standardwerk zu Hegel im deutschsprachigem Raum und hat die neuere Hegel Interpretation massgeblich beeinflusst.

  • Er geht das ganze Hegelsche System kritisch durch auf seine Richtigkeit und Aktualität (sowohl unter der Massgabe, bewahrenswertes und übersehenes Gutes zu finden, wie auch es kritisch zu sichten) und kann dabei viele bestehende Vorurteile zu Hegel aus dem Weg räumen.
  • Im Einführungsteil legt er z.B. sehr überzeugend dar, dass die meisten früheren Auffassungen von Hegels Lehre vom Widerspruch bei Hegelfeinden wie auch einigen vermeintlichen Hegelfreunden (insbesondere der Frankfurter Schule) auf Missverständnissen beruhen, im Kapitel über die Naturphilosophie zeigt er, das Hegel oft auf der Höhe seiner Zeit war und das vieles von dem, was Hegel dort schrieb, noch heute Bestand hat usw.
  • Dabei referiert er auch die Literatur der Generation der Hegelschüler (die bis heute oft übersehen wird) und dann wiederum relativ vollständig die Literatur zwischen ca. 1950-1985 (was das Buch auch zu einer guten Einführung in diese Sekundärliteratur macht, aber zugleich den Nachteil hat, dass die wichtige Diskussion der letzten 20 Jahre nicht mehr berücksichtigt wird).
  • Er versucht Hegel immanent zu diskutieren und zu kritisieren, interessierte sich dabei zudem zentral für die Architektur des hegelschen Gesamtsystems, mit diesem Schwerpunkt war das Buch in seiner Hegelinterpretation wegweisend (die gleichzeitige Suche nach der "Intersubjektivität" bei Hegel geht dem "Nicht-Eingeweihten" am Anfang etwas auf die Nerven, aber man gewöhnt sich daran).
  • Schliesslich ist das Buch dabei noch klar und gut verständlich geschrieben, es verzichtet weitgehend auf die übliche barocke Wissenschaftssprache und setzt wenig voraus. Zudem legt er seine Argumentation, Denkwege und ungelösten Probleme vorbildlich offen.

In all diesem hat das Buch anregend gewirkt und der Hegelforschung wichtige positive Impulse gegeben und die Standards gehoben.

Hoesle war wohl schon damals kein Hegelianer (bei aller Hochschätzung von Hegel) und das Buch hilft sicherlich durch seinen immanenten und gleichzeitig systematischen und architektonischen Blickwinkel einen kritischen Blick auf Hegel zu werfen (insofern ist es immer noch die beste Hegelkritik) - was viele ja wohl suchen.

Andererseits ist das Buch meines Erachtens nicht für Einsteiger geeignet, u.a. weil darin Hegels Argumentation selbst nur unzureichend dargestellt wird (und darum auch viele Argument, die sich für Hegels Positionen angeben lassen, nicht in den Blickfeld kommen. Hier hat sich natürlich inzwischen auch die Hegelforschung der letzten 20 Jahre sehr positiv für Hegel ausgewirkt), viele Probleme Hoesles sind inzwischen gelöst (ich hoffe, das ich selbst mit dieser neuen http://hegelwerkstatt.de etwas zur Widerlegung einiger der Kritikpunkte von Hoesle in seinem Hegelbuch beitragen kann).

Als Ergänzung zu den oben genannten Büchern ist "Hegels System" auch heute noch sehr zu empfehlen.

Charles Taylor: "Hegel"

Charles Taylor: "Hegel", stw 416, ISBN 3-518-28016-3, Suhrkamp Verlag Frankfurt 1983 (gebundene Ausgabe 1978, englische Orginalausgabe 1975 bei Cambridge University Press, Taschenbuch 773 Seiten, EUR 19,80) war, als es erschien, nach Walter Kaufmanns Werk "Hegel, a reinterpretation" ein wichtiger Durchbruch in der Hegel Rezeption, insbesondere in der englischsprachigen Welt. Es ist auch heute noch eine der besten Einführungen in Hegel, aber die inzwischen erschienen oben erwähnten Werke sind in jeder Hinsicht noch besser (und zudem auf dem neusten Stand der Forschung, die seit 1975 in jeder Hinsicht riesige Fortschritte gemacht hat, hier ist Taylor an vielen Stellen veraltet). Dies vorausgeschickt bietet das Buch eine gute, nicht triviale Einführung in das hegelsche Systems mit Schwerpunkt auf seine Beziehung zu den Denkern und Debatten der Zeit von ca. 1700-1830. Dabei wird versucht, die Gedanken Hegels nachzuvollziehen, aber auch zu kritisieren. Dadurch insgesamt viele Informationen und Anregungen. Eindeutiger Schwerpunkt bilden, wie allgemein in der englischsprachigen Hegelrezeption üblich, Hegels Phaenomenologie und Rechtsphilosophie. Die Naturphilosophie wird nur kurz (Mechanik 3 1/2 Seiten, Physik 1 1/2 Seiten, Organik 3 1/2 Seiten) behandelt. Subjektiver Geist sowie die ersten beiden Teile "Recht" und "Moral" des objektiven Geistes werden interessanter Weise garnicht behandelt (allerdings inhaltlich z.T. schon in der Besprechung der Phänomenologie). Der Abschnitt zur Kunst fällt ebenfalls sehr dünn aus (von den nominell ca. 30 Seiten beschäftigen sich nur ca. 5 mit Hegels System der Künste im engeren Sinne).

empfehlenswerte Taschenbuchreihen

Wer nach oder parallel zu dem Einführungsbuch von Hoffmann (und evtl. weiterer oben angegebener Sekundärliteratur) Hegels Orginalwerke lesen will, für den seien im folgenden noch einige Taschenbuchreihen erwähnt, die vergleichsweise günstig sind:

Akademieverlag, "Klassiker auslegen"

Der Akademie Verlag, Berlin, hat eine sehr gute Taschenbuchreihe "Klassiker Auslegen", in dem inzwischen sehr gute Kommentare zu Hegels Phänomenologie, Logik und Rechtsphilosophie erschienen sind. Ausgezeichnet dabei ist insbesondere der Ansatz, den fortlaufenden Kommentar von verschiedenen führenden Forschern schreiben zu lassen, so das man gleichzeitig einen sehr guten Einblick in den Stand der Forschung und die unterschiedlichen Interpretationsansätze bekommt.

Kommentare bei stw (nur bedingt)

Bei Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft (stw), Frankfurt, ist ebenfalls eine Reihe von Hegel Kommentaren im Taschenbuch Format erschienen - die Reihe heisst da: "Hegels Philosophie - Kommentare zu den Hauptwerken" - das Problem da ist nur, das der Herausgeber ausgerechnet der bekennende Hegelfeind Schnädelbach (Uni Hamburg) ist (seltsam oder? Was haben sie sich dabei wohl gedacht? Oder ist das normal?)

Die Kommentare müssen daher (aber das ist auch generell bei Sekundärliteratur zu Hegel angebracht) mit einem gehörigen Mass an Vorsicht/Skepsis gelesen werden, hier werden oft schon überholte Vorurteile/Einwände präsentiert, was besonders tückisch ist, weil Anfänger das möglicherweise gerade in einem Hegelkommentar, von dem man Neutralität oder gar positive Einstellung zum Autor erwartet, für bare Münze nehmen.

Nützlich innerhalb der Reihe ist die klare Interpretation der Phänomenologie seitens von Seipp, vergleichsweise unbrauchbar ist erwartungsgemäss der Kommentar zur Rechtsphilosophie von Schnädelbach selbst.

Kommentar bei stw zur Enzyklopädie

Einen gemischten Eindruck hinterlässt der Kommentar zur Enzyklopädie:

"Hegels 'Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften' (1830) - Ein Kommentar zum Systemgrundriss von Hermann Drüe, [Subjektiver Geist], Annemarie Gethmann-Siefert [Aesthetik], Christa Hackenesch [Logik], Walter Jaeschke [Religion und Philosophie], Wolfgang Neuser [Natur] und Herbert Schnaedelbach [Einleitung und Objektiver Geist]." , stw 1477, Frankfurt 2000, ISBN 3-518-29077-0, DM 34,90, 562 S.

Herausragend sind die Teile von Frau Gethmann-Siefert, Walter Jaeschke und Wolfgang Neuser, die alle den letzten Stand der Forschung auf weltniveau repräsentieren. Die Texte von Herrn Schädelbach (einem erklärten Hegelfeind, s.o.)) und Herrn Drüe (noch so ein bekennender Hegelhasser - in einem von Drües Werken behandelt er übrigens ernsthaft die Frage ob man Hegel posthum in die Psychatrie einweisen sollte, was er nach einigen Bedenken dann schliesslich doch knapp verneint) sind z.T. eher irreführend statt einführend, hier sei auf die besseren Texte in dieser Bibliographie verwiesen. Störend ist in den zuletzt genannten 2 Texten insbesondere, dass nach einem oft durchaus akzeptablen Bericht über bestimmte Hegelsche Positionen dann eine Kritik kommt, die in der Literatur längst widerlegt ist. Das macht jene Artikel, bei allen Verdiensten, in der Summe für den Laien, der sich nicht auskennt, eher kontraproduktiv.

Bücher zu Hegels Leben

Auch die oben gennannten Einführungsbücher haben alle einen biographischen Teil, legen aber den Schwerpunkt, wie für Philosophiebücher auch angemessen, auf den philosophischen Part. Bücher, die explizit Hegels Leben (oder einen Teilaspekt daraus) behandeln, sowie Quellen dazu...

Bücher zu Hegels Naturphilosophie

Neben Hegels politischer Rolle wird glaube ich über kaum etwas so viel Unsinn erzählt wie über seine Naturphilosophie.

Hier wieder nur einige Literaturhinweise zur Korrektur:

Hegels naturwissenschaftlichen Grundideen, die ganz wissenschaftlich empirische Resultate verallgemeinern und dabei auch reflektieren was dabei geschieht, welche Kategorie warum (oder warum nicht) benutzt werden usw. finden sich besonders in Hegels Lehre vom Maß, Hegels Wesenslogik und Hegels Ausführungen zum Objekt (in der Begriffslogik).

Darüber, dass Hegel auch naturwissenschaftlich auf der Höhe seiner Zeit war, siehe etwa die beiden Konferenzbände:

zu Hegels Naturphilosophie allgemein

  • a) Horstmann, Rolf-Peter and Petry, Michael J. (Hrsg): "Hegels Philosophie der Natur", Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-608-91408-0; 66 EURO

Dies sind die Konferenzprotokolle der ersten der beiden oben erwähnten Konferenzen zu Hegels Philosophie der Natur, gehalten von der Internationalen Hegelvereinigung.

Der Schwerpunkt lag hierbei darauf, zu zeigen, dass Hegel normalerweise erstaunlich up to date in seinem Wissen um die Naturwissenschaft und Mathematik seiner Zeit war. Außerdem wird gezeigt, inwiefern Hegels Argumentationen gegen manche Theorien seiner Zeit sinnvoll waren (es wird gezeigt, dass es sich damals oft um noch unterentwickelte, z.T. noch fehlerhafte Versionen von heutigen Theorien handelte, deren z.T. subtile Fehler Hegel scharfsinnig nachwies).

Die Texte sind z.T. in französisch und englisch.

  • b) Petry, Michael John (Hrsg): "Hegel und die Naturwissenschaften", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1987, ISBN 3-7728-1146-9, 565 Seiten, 134 EURO

Die Papiere der 2.Konferenz zu Hegels Naturphilosophie, gehalten in Tübingen.

In diesen Papieren liegt der Schwerpunkt eher darin, zu untersuchen (und herauszustellen) was für uns heute in Hegels Naturphilosophie vernünftig und bewahrenswert ist. So untersuchen z.B. die Artikel von Prof. Wandschneider und Vittorio Hösle den systematischen Platz und die Architektur von Hegels Naturphilosophie, behandeln Hegels Mechanik und seine Beziehung zu Einstein (dazu siehe auch Wandschneider, Dieter: "Raum, Zeit, Relativität"), Hegels Biologie u.a.m.

Ergänzt wird das Material um eine Bibliographie zu Büchern über Hegels Naturphilosophie seit Hegels Tod und einer Liste aller Bücher zu Mathematik und Naturwissenschaften in Hegels Privatbibliothek (beides von Professor Neuser).

Beide Bücher a) und b) beinhalten auch Artikel zu Hegels Arbeiten zur Mathematik.

  • c) Neuser, Wolfgang: Natur und Begriff - Studien zur Theoriekonstitution und Begriffsgeschichte von Newton bis Hegel, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1995, ISBN 3-476-01281-6, kartoniert, 256 S., (vergriffen, kostete seinerzeit 58 DM)
  • d) Hegel, G.W.F.: Dissertatio Philosophica de Orbitis Planetarum / Philosophische Erörterung über die Planetenbahnen ( Schriften z. Naturphilos., 00002 ), übers., eingel. u. komment. v. Neuser, Wolfgang, VCH in Akademie Verlag Berlin., 1986, ISBN 3-527-17547-4, (vergriffen, kostete seinerzeit 64 DM, neue Auflage in Vorbereitung)

Druckt nicht nur den kompletten Text von Hegels berühmt-berüchtigter Dissertation in Latein und deutsch ab, sondern kommentiert diese auch noch sehr ausführlich, so wird etwa die Berechtigung der darin enthaltenen Kritik der damaligen Newtonianer herausgestellt und es wird herausgearbeitet, dass Hegel keineswegs contrafaktisch neue Planeten leugnete sondern im Gegenteil zu empirisch versuchte eine Formel zu finden, die den damals bekannten empirischen Tatsachen entsprach. (Siehe der ausführliche -englische- Auszug unter Hegel and the Planets)

Generell lässt sich - entgegen den beliebten Legenden- meistens feststellen, dass Hegel sehr gut über den Stand der Wissenschaft seiner Zeit informiert war (siehe auch die anderne Bücher in dieser Sektion und allgemein Hösle "Hegels System") und seine Fehler eher in einem zu großen Festhalten am empirischen an den damaligen Forschungsergebnissen, einem Misstrauen in zu großen Spekulationen lag (allgemein dazu sehr schön in Vittorio Hösle "Hegels System").

zu Spezialgebieten der Naturwissenschaft

  • Wandschneider, Dieter: "Raum, Zeit, Relativität - Grundbestimmungen der Physik in der Perspektive der Hegelschen Naturphilosophie", Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt 1992, ISBN 3-465-01471-5, 231 Seiten, 19 EUR.

Dies ist (im Bereich der Hegel-Literatur) sehr berühmtes Werk (vermutlich wurde es bereits früher in einer anderen Ausgabe veröffentlicht, denn frühere Bücher, (etwa oben Naturphilosophie a, b und Hösle "Hegels System") zitieren daraus. Es versucht den 1.Teil von Hegels Philosophie der Natur zu rekonstruieren (bis zum Kapitel vom Licht) und zeigt, dass Hegels Auffassungen kompatibel mit Einstein (mehr als mit Newton) sind.

  • Ihming, Karl-Norbert: "Hegels Deutung der Gravitation", athenäum, Frankfurt 1989, ISBN 3-610-09231-9, 245 Seiten

seine Dissertation, behandelt Hegels Bemerkungen zur Gravitation. Er zitiert (kritisch) Wandschneider, aber nicht Neuser. Ihming ist derzeit Professor in Bielefeld.

  • Ziche: "Mathematische und naturwissenschaftliche Modelle in der Philosophie Schellings und Hegels", Verlag frommann-holzboog, Stuttgart - Bad Cannstatt 1996, ISBN 3772817696

Herr Ziche behandelt dabei die mathematisch - physikalischen Auseinandersetzungen zwischen Fichte - Schelling und Hegel. Er liefert dabei klare Darstellungen und Deutungsmöglichkeiten bzgl. der Infinitesimalrechnung; dem Hebel und den Keplerischen und Newtonischen Gesetzen. Schwerpunkt seiner Betrachtungen liegt aber dabei primär bei Hegel, wobei dessen Moment - Begriff noch eine besondere Beachtung findet.

[Empfehlung von Ulrich Baare. Ich hatte Gelegenheit kurz in das Buch hineinzuschauen und es macht wirklich einen guten Eindruck, wie übrigens fast alle Bücher zu Hegel bei fromann-holzboog. KF].

  • Engelhardt, Dietrich von: "Hegel und die Chemie - Studien zur Philosophie und Wissenschaft der Natur um 1800", Guido Pressler Verlag, Wiesbaden 1976, no ISBN, 252 Seiten.

vergleicht Hegels Theorie der Chemie mit der Chemie seiner Zeit.

  • Breidbach, Olaf: "Das Organische in Hegels Denken", Verlag Königshausen + Neumann, Würzburg 1982, ISBN 3-88479-070-6

vergleicht Hegels Philosophie der Biologie und des Organischen mit den Theorien seiner Zeit, einschließlich Goethes. Prof. Breidbach ist derzeit Professor in Jena für die Geschichte der Naturwissenschaft des 18. und 19.Jahrhunderts.

Bücher zu Hegels Lehre vom "Subjektiven Geist"

Iring Fetscher: "Hegels Lehre vom Menschen"

Fetscher, Iring: "Hegels Lehre vom Menschen", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1970, keine ISBN, 285 S., Leinen

In den 70er und 80er Jahren einziger bekannter Kommentar des ganzen subjektiven Geistes, aber leider schwach.

Dirk Stederoth: "Hegels Philosophie des subjektiven Geistes"

Stederoth, Dirk: "Hegels Philosophie des subjektiven Geistes. Ein komparatistischer Kommentar.", Akademieverlag, Berlin, Oktober 2001, ISBN 3-05-003670-2, gebunden, 447 Seiten, 64 Euro.

Für diese ausführliche komparatorische Detailanalyse werden alle verfügbaren Materialien zur "Philosophie des subjektiven Geistes" des Heidelberger und Berliner Hegel, darunter auch unveröffentlichte Vorlesungsnachschriften, herangezogen, wobei die Analyse immer auch auf die erfahrungswissenschaftlichen Grundlagen zurückgreift.

Werner Haisch: "Versuch einer Neuformulierung von Hegels 'Anthropologie'"

Dipl.psych Haisch, Werner: "Versuch einer Neuformulierung von Hegels 'Anthropologie' auf dem Hintergrund der modernen psychologischen Wissenschaften", seine Dissertation von 1977 an der LMU München. Soweit ich sehen kann, ein sehr nützliches Werk, dass sich u.a. auch um eine Aufhebung der Psychoanalyse und des Behaviourismus sowie der modernen Naturwissenschaften, sofern sie den Menschen betreffen, bemueht. Er rezipiert dabei auch Rosenkranz' Psychologie und Erdmanns psychologischen Werke. Dabei sehr, sehr klar formuliert.

Heinrich Güssbacher: "Hegels Psychologie der Intelligenz"

Güßbacher, Heinrich: "Hegels Psychologie der Intelligenz", Verlag Dr. Johannes Königshausen + Dr. Thomas Neumann, Würzburg 1988, ISBN 3-88479-346-2, 364 S., ca. 65 DM.

Interessant ist hauptsächlich der erste Teil, wo er Hegel bespricht. (u.a. ein guter Kommentar von "Der Theoretische Geist" in der Psychologie und interessanter Text zu Begriff, Urteil, Schluss.)

Leider fehlt, wie öfters in derartigen Detailskizzen, ein Verständnis der Gesamtarchitektur von Hegels Werk:

Am Ende kritisiert er Hegel und sagt, dass der in dem Psychologie-Abschnitt "der Theoretischer Geist" entwickelte Gang doch der wahre Grund / Ursache / Ursprung der Logik wäre.

Hier übersieht er, dass Hegel das genetisch genauso sieht, aber natürlich nicht von der Geltung her. Wie viele Marxisten hat selbst Güßbacher ein verkürztes Hegelverständnis.

Aber gerade weil das Hegel genetisch genauso sieht, ist Güßbacher so wichtig, für eine Rezeption des (im marxistischen Jargon) "materialistischen" Hegels gegenüber den beliebten Legenden vom angeblich konstruierenden Spinner.

Adriaan Peperzak: "Hegels praktische Philosophie"

Peperzak, Adriaan Theodor: "Hegels praktische Philosophie", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991, ISBN 3-7728-1351-8, Leinen, 372 S., leider 159 Euro.

Behandelt sehr gut und Wort für Wort die Paragraphen 469-552 der Enzyklopädie, mit Ausnahme der Paragraphen zu Familie und bürgerlichen Gesellschaft, leider. u.a. werden darin alle 3 Fassungen der Enzyklopädie Satz für Satz verglichen und Peperzak hat eine ausgezeichnete Methode gefunden, alle die (Teil)Sätze von Hegel wirkungsvoll aufzudröseln, auch mit einer Art Baumdarstellung des gesagten (in dem die Teilsätze nach Grammatik und Sinn zerlegt werden, gibt einen echten Aha-Effekt).

Bücher zu Hegels Rechtsphilosophie ("Objektiver Geist")

Hinweise zu den Orginalquellen

In der Suhrkampausgabe siehe dazu stw 607 (Philosophie des Rechts), 610 (Enzyklopädie, 3.Teil) und stw 612 (Geschichtsphilosophie).

Weitere wichtige Artikel finden sich u.a. stw 602 (Verfassungsschrift) und 611 (Englische Reformbill).

Zur Entwicklungsgeschichte interessant sind seine Arbeiten in Jena vor Erscheinen der Phänomenologie, die Jenaer Systementwürfe, die leider in der stw (=Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft) Ausgabe kaum zu finden sind, da sie erst nach 1970 veröffentlicht wurden (erstmals 1976, als Taschenbuch erst 1987). Diese finden sich relativ preiswert (ca. 30 DM / Band) in der Philosophischen Bibliothek bei Meiner (PhB 331-333), vor allem im 1. (PhB 331) und 3. (PhB 333) Band der dort herausgegebenen Jenaer Systementwürfe. Hier tauchen z.B. Begriffe wie Entfremdung und abstrakte Arbeit zum ersten Mal auf.

In den letzten 20 Jahre sind auch wichtige Vorlesungsnachschriften aufgetaucht, die z.T. ebenfalls Korrekturen am überlieferten Hegelbild nahe legen:

  • Ilting hat bei frommann-holzboog eine (leider sehr teure) 4 bändige Sammlung von Nachschriften gedruckt. Ironischer Weise wurden erst wenig später die drei wichtigsten Nachschriften entdeckt:
  • "Philosophie des Rechts: Die Vorlesung von 1819/20 in einer Nachschrift.", Hrsg. von Dieter Henrich, 1983, Kt., DM 38, ISBN 3-518-57596-11 - Hegels erste Rechtsvorlesung in Berlin, kurz vor dem Erscheinen seines Buches zur Rechtsphilosophie, als solche erstaunlicherweise ganz ohne Paragraphen, entwickelt die Gedanken ganz frei. Hier steht die Urform des berühmten Doppelsatzes von Hegel und zwar in der aufschlussreichen Form: "Was vernünftig ist, wird wirklich und das Wirkliche wird vernünftig" (zum Satz selbst siehe auch den FAQ-Beitrag) und es gibt eine besonders ausführliche Darstellung der Probleme der bürgerlichen Gesellschaft.
  • Am wichtigsten für die neuere Forschung ist die kurz darauf entdeckte Nachschrift des Studenten Wannemann, die sowohl in einer Ausgabe beim Meiner Verlag wie auch bei fromann-holzboog erschienen ist.
  • Die Vorlesung von 1821/22 (die erste Vorlesung nach Erscheinen seiner Rechtsphilosophie in Buchform, mit sehr vielen verblüffenden Ergänzungen und Erläuterungen. Neu erschienen 2005 für ca. 10 EUR bei stw).

Die Vorlesungen sind ganz klar und allgemeinverständlich gehalten, sollten wenig Verständnisprobleme machen. Und zumindest die Ausgaben bei Suhrkamp Taschenbücher sind vergleichsweise billig und gut zugänglich.

bestes Buch zum ganzen Objektiven Geist: Peperzak: "Hegels praktische Philosophie"

Bestes Buch zum ganzen "Objektiven Geist" (incl. praktischer und freier Geist aus der Psychologie) (Aber leider teuer, kann man als "Normalsterblicher" wohl nur als Buch aus der Bücherei/Fernleihe beziehen) ist der schon oben erwähnte Kommentar zum objektiven Geist (und zum praktischen und freien Geist im Abschnit vom Subjektiven Geist) der Enyzklopaedie:

Adriaan Theodor Peperzak: "Hegels praktische Philosophie", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991, ISBN 3-7728-1351-8, Leinen, 372 S., leider 159 Euro (F-H ist Quelle sehr guter aber prohibitiv teurer Bücher zu Hegel und seiner Zeit).

Einziges - aber schwerwiegendes - Manko ist, dass das Buch die Abschnitte über Familie und die bürgerliche Gesellschaft nicht mitbehandelt (man kann sich also schon denken, dass das Buch wirklich sehr gut sein muss, wenn es dieses Manko ausgleichen will).

zu einzelnen Aspekten des "Objektiven Geistes"

  • Peperzak, Adriaan: "Philosophy and Politics - A Commentary on the Preface to Hegel's Philosophy of Right", Martinus Nijhoff Publishers, Dordrecht 1987, ISBN 90-247-3338-3 (paperback), 144 pages.

Eine sehr detaillierte (es wird Absatz für Absatz einzeln durchgegangen und kommentiert) Darstellung von Hegels berühmt berüchtigter Vorrede zur Rechtsphilosophie, mit besonderer Berücksichtigung der Zeitumstände von einem Experten (siehe auch sein noch besseres Buch "Hegels praktische Philosophie")).

  • Pridat, Birger P.: "Hegel als Ökonom", Verlag Duncker & Humbolt, Berlin 1990, ISBN 3-428-0694-1, 34 EUR

Eines der wenigen Bücher zu dem Thema. Allerdings von einem Wirtschaftstheorie-Historiker (kennt sich also eher mit dem aus, was andere, angefangen von Aristoteles, auch zu dem Thema wann und von wem beeinflusst geschrieben haben als mit dem übrigen Hegel).

Hegel rezipierte sehr kritisch die englischen Nationalökonomen, leider ist eine (laut Rosenkranz) brillante Kritik der Lehren von Steuart durch verloren gegangen (Laut einem Artikel in den Hegelstudien soll Hegels Familie einen Grossteil von Hegels Papieren an eine Papiermühle weggegeben haben).

Pridat kritisiert nun Hegel inhaltlich gerade weil dieser Smith & co. nicht folgt, zu sehr im kameralistischen Denken verfallen gewesen sei. Pridat vergleicht Hegel also am Maßstab von Smith etc., statt Hegels Konzeption für sich zu untersuchen.

Wie so oft wird auch hier der Gesamtzusammenhang von Hegels Darstellungen mit schwerem Schaden für die Darstellung ausgeblendet.

  • Bautz, Timo "Hegels Lehre von der Weltgeschichte", Wilhelm Fink Verlag, München 1988, ISBN 3-7705-2475-6, 32 EUR

Bestes Buch zum Thema Weltgeschichte bei Hegel. Gutes Material hierzu findet sich sonst auch in Hösle "Hegels System" (s.1a) und Peperzak (s.5d)

  • Hösle, Vittorio: "Moral und Politik: Grundlagen einer politischen Ethik für das 21.Jahrhundert", Verlag C.H.Beck, München 1997, ISBN 3-406 42797-9, Leinen, 1216 Seiten, 98 DM.

Hösles Neuentwurf von Hegels Objektivem Geist, basierend auf seiner Kritik daran in Hösles buch "Hegels System" und den vielen kleineren Artikeln, die er dazu in Taschenbüchern im Beck Verlag veröffentlichte).

Wie üblich bei Hösle sehr dicht, mit vielen interessante Einzelüberlegungen, kann mich aber insgesamt nicht überzeugen.

Architektonisch gefällt mir Hegels Werk besser (Argumente dazu z.B. bei Bautz 6f und Peperzak 5d). Inhaltlich fehlt z.B. eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Marxismus, der nur sehr äußerlich rezipiert wird, so dass dieser nicht aufgehoben werden kann. Außerdem habe ich manchmal (auch in 1a) den Eindruck, dass Hösle erst ein Ergebnis hat und erst dann die Begründung sucht, seine Ziele sind daher öfters nicht genügend kritisch abgesichert. Einige Einschätzungen wirken recht naiv oder wirklichkeitsfremd

Gegenkritik zur traditionellen marxistischen Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie:

Speziel die marxistische Hegel-Interpretation hat Hegel immer nur "verkürzt" aufgenommen: insbesondere unter der Perspektive der verfehlten, leider völlig irreführenden Hegelkritiken des Jungen Marx. Auch ansonsten wurde Hegel von Marxisten in erster Linie nur als Vorläufer von Marx wahrgenommen (und überall da, wo Hegel angeblich oder tatsächlich abwich, wurde natürlich Hegel ins unrecht gesetzt oder gar ganz ignoriert).

Zumindest zu dem 1. Problem (unangemessene Hegelkritik des jungen Marx) gibt es inzwischen gute Literatur:

Sahra Wagenknecht: "Vom Kopf auf die Füße"

Sahra Wagenknecht: "Vom Kopf auf die Füße? Zur Hegelrezeption des jungen Marx, oder: Das Problem einer dialektisch- materialistischen Wissenschaftsmethode”, Pahl-Rugenstein-Verlag, Bonn Juli 1997, gebunden, 194 S., 12.90 EUR, ISBN 3891442319

Die Autorin weist darin überzeugend nach, dass die Marxsche Hegel Kritik falsch ist (verblüffend für eine Marxistin und darum umso übrzeugender). Das Buch enthält übrigens auch ansonsten sehr gute Einsichten in die hegelsche Philosophie.

Hier das Inhaltsverzeichnis: http://www.sahra-wagenknecht.de/de/html/vom_kopf_auf_die_fusse.php

Marek Siemek: "Von Marx zu Hegel"

Marek J. Siemek: "Von Marx zu Hegel - Zum sozialpolitischen Verständnis der Moderne", Königshausen & Neumann, Würzburg, 2002, ISBN 3-8260-2275-0

Eine Aufsatzsammlung dieses polnischen Hegelianers - er ist u.a. im Beirat der internationalen Hegel Gesellschaft - aus ca. 25 Jahren. Einer der Aufsätze darin (Kapitel 4 :"Was ist Marxismus Hegel schuldig?"), von der Hegel Tagung der Internationalen Hegelgesellschaft von 1986 enthält schon in Nuce die Thesen aus dem Wagenknecht Buch (deren Buch aber besser und wichtiger ist!). Auch ansonsten einige sehr interessante und orginelle Artikel.

Auszug aus dem erwähnten 4. Kapitel:

Dass Marx gerade dieses Werk [die Grundlinien der Philosophie des Rechts] explizit kritisiert hatte und dass diese Kritik die einzige umfangreiche Arbeit von Marx ist, die die Hegelsche Philosophie direkt betraf [...] ändert an diesem Tatbestand gar nichts. Im Gegenteil: eben diese Tatasache wurde für Marx selbst, vor allem aber für den Marxismus, theoretisch verhängnisvoll. Denn jene Kritik, die von Anfang an bis heute als die Marxsche Hegel-Kritik unbestritten gilt, ist in Wirklichkeit, erstens, keine Marxsche Hegel-Kritik, und zweitens, keine Hegel-Kritik überhaupt.

  • 1. Es ist keine Marxsche Hegel-Kritik. Denn die theoretische Strukturebene dieser Kritik (deren "Subjektperspektive") macht der anthropologische Materialismus Feuerbach aus - ein philosophisch nicht nur vorhegelianischer, sondern auch vorkantianischer Standpunkt. [...]
  • 2. Eben darum ist aber diese Kritik auch keine Hegel-Kritik. Sie trifft ihr angezieltes "Objekt" , die Hegelschen Grundlinien, überhaupt nicht. Indem sie sich junghegelianisch auf den "entfremdeten" Staat und dessen kritische "Aufhebung" [...] konzentriert, übersieht sie so gut wie gänzlich den theoretisch grundlegenden Gehalt dieses Werks: nämlich den Versuch, die eigenartige Gegenständlichkeit der modernen Vergesellschaftung als solche und in ihrer ganzheitlichen Struktur zu erfassen. [...]

Bücher zur Rezeption der Hegelschen Rechtsphilosophie

Für diejenigen, die sich für die Rezeption der hegelschen Rechtsphilosophie interessieren, möchte ich dazu auf 2 nützliche Bücher hinweisen, die helfen, sich in der Sekundärliteratur zu Hegels Rechtsphilosophie zu orientieren:

Henning Ottmann: "Individuum und Gemeinschaft bei Hegel"

a) Am wichtigsten ist:

Ottmann, Henning: Individuum und Gemeinschaft bei Hegel, Bd 1: Hegel im Spiegel der Interpretationen (KF: Band 2 ist nie erschienen) de Gruyter, Berlin/New York 1977. X, 406 Seiten. Leinen. Euro 91.00 ISBN 3-11-007134-7 (leider vergriffen, sollte aber in den Unis und über http://subito-doc.de zu bekommen sein)

Das Buch informiert umfassend über die Konjunkturen der Hegel Deutungen von Links, Mitte und Rechts (wobei nach Ansicht von Ottmann der "authentische" Hegel nur in der "unverkürzten" Gleichzeitigkeit aller drei Aspekte/Sichtweisen, ohne Ausblendung einer von ihnen, gewonnen werden kann. Er zeigt auch, dass sich in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg (in Abgrenzung gegen Nazis - rechts und Realexistierenden Sozialismus - links) das Bild des politischen Hegels der Mitte durchsetzte.

Die verschienden Schulen und ihre gegenseitige Beinflussung werden ausführlich behandelt (angefangen von Hegels Zeit bis 1977 - dem Erscheinungsdatum des Buches -, wobei auch die NS Zeit ausführlich - und besser als bei Kiesewetter, der auch vorkommt- untersucht wird), wobei der Schwerpunkt natürlich auf der deutschen Hegel Rezeption liegt.

Die für den 2.Band versprochene, eigene umfassende Interpretation der Hegelschen Rechtsphilosophie durch den Autor ist nie erschienen.

Paul Gerhard Dietl: "Die Rezeption der Hegelschen "Rechtsphilosophie" in der Sowjetunion"

b) Für diejenigen, die sich für die Hegel Rezeption in der UdSSR und DDR interessieren (zudem hat diese Rezeption direkt und indirekt das Hegel Bild der deutschen Linken ja zumindest mit beeinflusst, R.Beyer wird in dem Buch z.B. mitbehandelt), angefangen von Lenin bis hin in die Gorbatschov Zeit, ist evtl. dieses Buch interessant:

'Die Rezeption der Hegelschen "Rechtsphilosophie" in der Sowjetunion : eine kritische Rekonstruktion ihrer Wirkungsgeschichte' von Paul Gerhard Dietl (Europaische Hochschulschriften = Publications universitaires europeennes = European university studies ; Reihe XX, Philosophie ; Bd. 242) (Dissertation an der Münchner Uni von 1987), Frankfurt am Main ; New York 1988, Verlag P. Lang, 488 Seiten, ISBN 3820412492 (vergriffen)

Auch dieses Buch arbeitet verschiedene Strömungen / Schulen heraus. Der Autor (wohl beeinflusst von Konzepten der Gruppe Gegenstandpunkt) arbeitet in dem Buch dabei selbst mit hegelianischen Konzepten (versucht die "vorurteilsbelastete" Rezeption auch immanent zu kritisieren und versucht eine begriffliche Entwicklung derselben), geht aber andererseits bei aller Kritik an den Vorurteilen der russichen Hegelrezeption davon aus, dass die Marxschen Konzepte stimmen (kritisiert also den realexistierenden Sozialismus immanent von links/einer marxistischen Position) und sieht die von ihm festgestellte immer weitere Annäherung an Hegel in der Hegelrezeption des Ostens (die grösste Hegel ferne war danach unter Stalin, seitdem ginge es immer weiter auf Hegel zu) sehr reserviert bis ablehnend, er unterstellt dabei, dass die hegelschen Konzepte gar nicht so gut/rationel sein können, wie sie in der immer positiveren Hegel Aufnahme im Osten erscheinen (eine Prüfung, ob nicht diese immer positivere Rezeption auch berechtigt an Hegel anknüpfen könnten, kommt ihm garnicht in den Sinn).

gute Bücher zu impliziten Kritik und Weiterentwicklung von Hegels Rechtsphilosophie

Hier noch ein paar Hinweise auf kenntnisreiche und fruchtbare Bücher zur impliziten Kritik und Weiterentwicklung von Hegels Rechtsphilosophie, über die sich -im Gegensatz zu dem üblichen Quatsch - durchaus zu diskutieren lohnen würde:

  • Vittorio Hösle: Hegels System (siehe http://hegelwerkstatt.de/personen/hoesle/hegels_system.htm , Besprechung auf HegelWiki: siehe oben unter "Zur Einführung").
  • Vittorio Hösle: Moral und Politik ( siehe http://hegelwerkstatt.de/personen/hoesle/moral_und_politik.htm )
  • Paul Cobben : Das Gesetz der multikulturellen Gesellschaft (siehe: http://www.koenigshausen-neumann.de/buecher/2_02/html/cobben.htm ) - interessante, dichte Interpretation, untersucht Parallelen des Aufbaus der Rechtsphilosophie mit der Phänomenologie und der Hegelschen Logik und interpretiert das Werk aus dieser Sicht und versucht zugleich -wie der Name schon andeutet- eine Aktualisierung des Werkes, die mit dem heutigen Zeitgeist und "political correctness" kompatibel ist (letzteres auch ein Anliegen von Hösle). Die Methodologie ist etwas zweifelhaft, aber orginel und bringt teilweise interessante neue Resultate.
  • Johannes Heinrichs: Revolution der Demokratie (die zugehörige Website http://viergliederung.de/ gibt den Buchinhalt nur unvollkommen wieder. Das Buch ist von den 4 genannten - die naturgemäss alle weit entfernt von einem orthodoxen Hegelianismus sind - vielleicht am weitesten von Hegel entfernt, zudem der Bezug auf Hegel eher versteckt, vieles ist mit Hegel inkompatibel. Aber das Buch ist, wie alle anderen Gedanken des Autors überhaupt, in einer straken impliziten Auseinandersetzung mit Hegel entstanden und seine starken Abweichungen in den Resultaten laden zu einem Neudurchdenken von Hegel ein. Der -kleine- ökonomische Teil ist durch den starken Bezug auf Gesell für mich unbefriedigend. Der Autor kam über die Beschäftigung mit Thomas von Aquin einerseits, die Beschäftigung mit der Figur der Reflektion andererseits zu Hegel und hat 1972 als Dissertation eines der Standardwerke zu Hegels Phaenomenologie geschrieben, auf das sich übrigens auch Cobben bezieht: "Logik der Phänomenologie des Geistes", siehe http://johannesheinrichs.de/logik-phaenomenologie.html )

zu Hegels Philosophie der Kunst (Ästhetik)

Karl Rosenkranz: "Ästhetik des Hässlichen"

Rosenkranz, Karl "Ästhetik des Hässlichen" Verlag Bornträger, Königsberg 1853, (heute z.B.: Reclam Verlag, Leipzig 1990, ISBN 3-379-01555-5, TB, 441S., 12,10 EUR)

Ist eine gute Ergänzung zu Hegels Ästhetik: wie der Name andeutet, werden weitere Themen (sozusagen spiegelbildlich zu Hegels Ästhetik) erklärt, es wird Material aus der Zeit zwischen Hegels Tod und der Herausgabe des Buches (Mitte 19.Jahrhundert) besprochen und an verschiedenen Stellen korrigiert Rosenkranz auch einige Positionen von Hegel, überzeugend, wie ich finde.

Adolf Nowak: "Hegels Musikästhetik"

Nowak, Adolf: "Hegels Musikästhetik", Gustav Bosse Verlag, Regensburg 1971, 221 Seiten (Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts, Band 25) Zugl.: Saarbrücken, Univ., Philos. Fak., Diss., 1969, ISBN 3-7649-2039-4

Eine sehr gute und vollständige Dissertation zu Hegels Konzeption der Musik. Berücksichtigt nicht nur Hegels "Vorlesungen zur Ästhetik", sondern auch die entsprechneden Abschnitte in der Naturphilosophie und der Theorie des subjektiven Geistes. Im ersten Kapitel des Buches wird darüber hinaus auch noch Hegels privater Kontakt mit Musik anhand reichhaltigem biographischem Material geschildert.

Vittorio Hösle: "Die Vollendung der Tragödie im Spätwerk des Sophokles"

Hösle, Vittorio: "Die Vollendung der Tragödie im Spätwerk des Sophokles", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1984, ISBN 3-7728-0895-6, kartoniert, 181 S.

Behandelt nicht nur Sophokles sondern die 3 wichtigsten Tragödiendichter der Griechen in einer dialektischen Fortentwicklung. In dem neuen Nachwort der 1998er Auflage von "Hegels System" erwähnt Hösle 3 weitere Werke zu Hegels Tragödienkonzept, davon eines in englisch.

zu Hegels Religionsphilosophie

Zu den Primärquellen

Die besten Primärquellen zu Hegels Religionsphilosophie ist die von Jaeschke herausgegebene dreibändige Ausgabe von Hegels Religionsvorlesungen bei Meiner. Besonders nützlich auch der sehr ausführliche philologische Kommentar, der viele Hintergrundinformationen gibt und die Hälfte des Volumens einnimmt. In der Reihe Philosophische Bibliothek ist auch eine preiswerte textgleiche Taschenbuchausgabe (PhB 459-461) davon auf dem Markt gekommen, allerdings ohne die Kommentare.

Entwicklungsgeschichtlich interessant sind natürlich auch Hegels theologische Jugendschriften, auf die zum ersten Mal Anfang des Jahrhunderts Dilthey und sein Schüler Nohl ("Hegels theologische Jugendschriften") aufmerksam machten. Leider gibt die Suhrkampausgabe der Hegelwerke hier nur ein sehr unzureichendes Bild.

Sekundärliteratur

Walter Jaeschke: "Die Religionsphilosophie Hegels", "Die Vernunft in der Religion"

  • Jaeschke, Walter: Die Religionsphilosophie Hegels, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07007-0, 154 S., kartoniert (vergriffen). Gibt u.a. einen entwicklungsgeschichtlichen Überblick über die religiösen / theologischen Gedanken Hegels in seinen Entwicklungsphasen und gleichzeitig ein vorzüglicher kommentierter Überblick über die Sekundärliteratur zu dem Thema.
  • Jaeschke, Walter "Die Vernunft in der Religion", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1986, ISBN 3-7728-1188-4, 478 S., Leinen, 107 EUR. Behandelt ausführlich die 4 Themenkomplexe:
    • Die Auseinandersetzung Hegels mit Kant
    • Hegels Religionsphilosophie in Jena
    • Hegels Religionsphilosophie in Berlin
    • Der Streit um die spekulative Religionsphilosophie

Reinhard Leuze "Die außerchristlichen Religionen bei Hegel"

Leuze, Reinhard: "Die außerchristlichen Religionen bei Hegel" Vandenhöck & Ruprecht, Göttingen 1975, ISBN 3-525-87468-5 (derzeit vergriffen, aber in vielen Unibibliotheken zu haben)

Behandelt den 2.Teil der Religionsphilosophie (die besondere Religion). Es wird detailliert untersucht, welche Quellen Hegel zur Verfügung hatte, wie (=Dass) er auf der Höhe der Kenntnisse seiner Zeit war, wie sich Hegels Aussagen zu unseren heutigen Kenntnissen verhalten. Wird auch in 7.2.b lobend erwähnt.

Hans Küng: "Menschwerdung Gottes"

Küng, Hans: "Menschwerdung Gottes", 1970

Behandelt sehr schön die Entwicklung der Stellung Hegels zur christlichen Religion und besonders zur Christologie, von seinen frühesten Schriften an. Er wertet dabei sehr viel Sekundärliteratur zur Entwicklung der Theologie seit der Renaissance und zu Hegel aus (die er auch kommentiert) und kommt so zu vorsichtigen und fundierten Urteilen. Dabei versucht er sich in Hegel hereinzudenken und lässt sich auch tatsächlich auf Hegels Fragestellungen ein, die er versucht nachzuvollziehen, er ist tatsächlich am Thema interessiert, so dass auch seine Fragen und Kritiken an Hegel interessant und am Thema bleiben. Er vermeidet die Extreme, Hegels Entwicklung als nur theologisch oder nur nicht-theologisch darzustellen.

Das Buch gab es zwischenzeitlich auch als preiswerte (14,80 EUR) Taschenbuchausgabe zu haben in der Serie Piper Band 1049, ISBN 3-492-11049-5, 704 Seiten. Derzeit ist es vergriffen.

Komplementär zu den Ausführungen zu Liebrucks und Stekeler-Weithofer lässt sich auch feststellen, dass die Logik mit theologischen Fragestellungen erstaunlich kompatibel ist, dass sich in der Logik auch gut Antworten auf wichtigen theologische Fragen finden lassen, dass theologische Fragen zum tieferen Verständnis der Logik beitragen.

zu Hegels Philosophiegeschichte

Vittorio Hösle: "Wahrheit und Geschichte"

Hösle, Vittorio "Wahrheit und Geschichte", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1986, ISBN 3-7728-0889-1, 774 S., Leinen, 98 EUR.

Enthält im 1.Teil (etwa 150 S.) eine schöne Kritik der gängigen philosophie-historischen Theorien (wie sie auch verwandt in der Geschichts- und Literaturwissenschaft anzufinden sind).

Im 2.Teil, der den Grossteil des Buches ausmacht, findet sich dann eine philologisch und philosophisch großartige Darstellung der Philosophie von Parmenides bis Platon, wobei einige der Ergebnisse von Hegel umgeschrieben werden.

Das Buch wird ergänzt durch Hösles Buch "Philosophiegeschichte und objektiver Idealismus" (München 1996, Beck'sche Reihe 1159, ISBN 3-406-39259-8, 277 S.), insbesondere durch den darin enthaltenen Aufsatz "Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen der antiken und der neuzeitlichen Philosophie".

Siehe auch