Aufhebung ist nicht einfach Negation

Aus Kais Hegelwerkstatt
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System - Logik

Vorbemerkung

Dies ist Teil einer umfassenderen Gedankenkette, die ich hier schon mal veröffentliche. Anlass war für mich unsere Diskussion zum Wesen.

die niedrigeren Stufen sind in den höheren aufgehoben

Die jeweils höheren, im System (bzw. Teilbereichen des Systems, etwa der Logik) später behandelten Gegenstände sind die "Wahrheit" der darunterliegenden, diese sind in den höheren (zumindest bei solchen der jeweiligen 3.Stufe) aufgehoben.

So sind dann im Begriff Sein und Wesen aufgehoben und man kann daher auch sagen, dass der Begriff die "Wahrheit" von Sein und Wesen ist.

aber deswegen haben diese dennoch ihre Berechtigung, sind nicht negiert

1. Das heisst aber nicht, dass Gegenstände nicht dennoch "sind", eine Qualität haben und meist auch einen Quantität, dass es oft sinnvoll ist, Quantitäten zu messen, zwischen wesentlichem und unwesentlichem zu unterscheiden usw.usf.

2. Auch in der "Realphilosophie" ist es ja keineswegs so, dass die Gegenstände der jeweils "aufgehobenen", früheren Ebenen dann praktisch als mangelhaft negiert werden, verschwinden (hatte ich bereits in Zum Verhältnis von Religion und Philosophie, Punkt 3 angesprochen).

2.1. In der Natur ist das sowieso nicht der Fall (da ja die Natur das andere der Logik ist, jedenfalls nicht als ihren impliziten Masstab hat, inhaltlich der Idee der Idee zu entsprechen), alle Stufen der Naturphilosophie existieren "nebeneinander" wie Hegel sagt (also Mechanik neben Physik neben Biologie; Geologie neben Pflanzen neben Tieren).

2.2 Aber auch beim Menschen / Geist bedeutet z.B. in der Sittlichkeit die "Aufhebung" der Familie und der bürgerlichen Gesellschaft im Staates nicht, dass dann Familie und bürgerliche Gesellschaft durch den Staat zu ersetzen wären, oder - anderes Beispiel - Subjektiver und Objektiver Geist durch den Absoluten Geist.

3.1 D.h. auch für die wissenschaftliche Arbeit: wenn du z.B. den Begriff des Kapitalismus finden willst, so wirst du darin auch Kategorien wie Qualität, Quantität, Maß, Wesen und Erscheinung usw. finden.

Beurteilungsmaßstab wäre hier, inwiefern die Kategorien ihren jeweiligen Teilgegenständen angemessen sind, nicht inwiefern sie in der Logik "weiter unten" oder "weiter oben" vorkommen.

3.2 Der Begriff des Kapitalismus wird nicht falsch dadurch, dass er auch Quantität usw. enthält, und er lässt sich auch nicht verbessern, dass die "unteren" Kategorien aus seiner Bestimmung entfernt würden (Das hätte zur Konsequenz, dass am Ende gar keine logischen Kategorien mehr übrig blieben ausser der ganz leeren Idee, die darum dann aber auch keine mehr wäre, sondern Sein).

Kai 18:28:11, 5. Okt 2005 (IST)

Die höhere Stufe enthält die darunterliegende

Hegels Aufhebung, sein Unendliches ist ja so konzipiert, dass die "höhere Stufe" die darunter liegende enthält (und zwar nicht durch eine Abstraktion, so dass die darunter liegenden Ebenen nicht mehr daraus zurück abgeleitet werden können, sondern so dass diese in iherer Besonderheit erhalten bleiben).

Umgekehrt enthalten die darunter liegenden Gegenständen auch bereits Anteile am darüberliegenden (Das Sein ist an sich schon der Begriff, das Kind an sich schon der Erwachsene, usw).

Das heisst: die jeweils endlichen (am Masstab des unendlichen mangelhaften) Gegenstände bleiben in der Aufhebung erhalten, "könen nicht geschenkt werden" und haben ihr partielles recht.

Konsequenzen für die Bestimmung mit Hilfe von logischen Kategorien

Es kommt mir hier auf diese Konsequenzen an:

  • In der Selbstuntersuchung des Denkens in der Logik ist der implizite Maßstab an die jeweiligen Kategorien, inwiefern sie denn die zu einem umfassenden Wahrheitsbegriff taugen.
In der Anwendung der Kategorien auf andere Gegenstände gelten andere Maßstäbe, da gilt es, den Gegenstand möglichst angemessen zu erfassen. Gemessen an diesem Maßstab kann eine "niedrigere" Kategorie richtiger, wahrer sein als eine höhere (wenn es um Zahlen geht, ist die Quantität die richtige Kategorie, nicht z.B. das Wesen).
Auch der Begriff der Quantität selbst ist natürlich die Quantität, nicht etwas anderes, höheres.
  • Sodann enthält auch ein konkreter Begriff andere Kategorien in sich (siehe vorheriger Abschnitt Punkt 3.1), das widerspricht ihm nicht in seiner Eigenschaft als Begriff (auch für die Teile, "Momente", des Begriffs ist die einzig entscheidende Frage, ob sie ihrem Gegenstand angemessen sind, nicht an welcher Stelle sie in der Logik stehen).
  • Da sich manche Kategorien (vor allem an ähnlichen Stellen in unterschiedlichen Ebenen) auch ähnlich sind, kann ein Wissen um die Bestimmung der logischen Kategorien (einschl. ihrer Mängel, ihrer "Vorgänger", ihre "Nachfolger" usw) auch dabei helfen, die jeweils angemessenste Kategorie zu finden. Am angemessensten wäre die jeweils höchste Kategorie, die den Gegenstand trifft (aber, wie oben dargestellt, keineswegs notwendigerweise die absolut höchste). Insofern ergänzen sich Wissen um die Logik und Wissen um den Gegenstand.

Siehe auch