AMR - Hegel - Begriffslogik - Realphilosophie

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Thema

Thema ist die Einteilung der Realphilosophie aus der Perspektive der Begriffslogik.

Damit wird zuerst einmal die Begriffsphilosophie in den Blick genommen, abschließend - wenn auch nur noch ganz kurz - die Realphilosophie.

Begriffsphilosophie

Bekanntlich ja auch hier die bekannte Dreiteilung:

a) Begriff des Begriffs

Der Begriff bildet das ab, was in unseren Köpfen ist. Hier bei ist der Gedanke entscheidend, dass die Gegenstände ...

1. viele unterschiedliche Facetten aufweisen, und dass sie ...

2. dennoch jeweils eine Einheit sind.

Im Begriff wird der Nachweis geführt, wie die Facetten/Unterschiede logisch eine Einheit bilden.

[Ein hilfreiches Bild ist das der vielen Blinden, die einen Elefanten untersuchen. Jeder von ihnen kommt mit seinem Tasten zu einem anderen Eindruck - positive Seite des Pluralismus. Der Sehende sieht dann, wie die unterschiedliche "Ergebnisse" zusammenhängen, und zwar in ihrer Notwendigkeit.]

Man kann dann fragen, was man alles begreifen kann:

1. Der Begriff begreift sich selbst - Bereich der Logik - hier ist das Begreifen ganz bei sich, insofern gibt es da keine prinzipiellen Schranken für das Denken, das ja ganz bei sich selbst ist (Einheit!)

2. Ebene des Unterschieds: Denken und Sache fallen auseinander, wenn das Denken das begreift, was nicht selbst schon Denken ist, die Natur. Hier besteht eine Differenz zwischen Denken und Gegenstand, außerdem bleibt ein "Rest", der sich dem Begriff "entzieht".

Hier auch der Materialismus Hegels (s. Lenin)!!

3. Ebene der wiederhergestellten Einheit: Idee.

Die Idee ist einerseits selbst Natur - durch die Natur hindurchgegangen, aber dann auch wieder mehr als Natur.

Wir befinden uns damit auf der Ebene des Geistes: Totalität - Selbstbestimmung - Selbstverwirklichung - Freiheit.

b) Objekt

1. Mechanik

Untersucht werden "äußere Zusammenhänge": Man denke an das Zusammenprallen zweier Billardkugeln

2. Chemismus

Auch hier noch in gewisser Weise äußerer Zusammenhang, aber schon so, dass die "Teile", die da zusammengebracht werden, von sich aus auf Zusammenhang "angelegt" sind.

3. Teleologie

Hier wird die Ebene des Zwecks erreicht!

Zuerst mal ganz abstrakter Zweck - äußerer Zweck - also "zweck-analog" ohne "Zwecksetzer":

Man denke an Kosmologie ---> Planeten ---> bis zur Entstehung des Lebens, womit dann bereits die "Idee" erreicht wäre.

Hegel hat hier gute Arbeit geleistet. Er denkt über die Wirklichkeit nach und findet über den logischen Gedanken eine sinnvolle Einteilung. Denkbar wäre, dass wir diese Einteilung heute noch besser machen könnten. Wo dies notwenig ist, sollten wir das auch tun!

Die eben des Lebens entspricht dann dem inneren Zweck.

c) Idee

1. Idee des Lebens

Ebene der Einheit: Selbstbezügliche Prozesse - Tierreich

2. Idee des Erkennens/des Willens:

Unterschied ist Thema:

Erkennen: Das Subjekt lässt sich von Objekt bestimmen. Umgekehrt ist es beim ...

Willen: Das Subjekt will das Objekt bestimmen.

Bedeutet: Zuerst ist da eine Differenz, die dann dynamisch, aktiv überwunden wird!

3. Absolute Idee

Am Ende der Logik steht noch einmal der Blick auf das Ganze. Hier wird die allem zugrunde liegende Methodik in den Blick gebracht.

Vergleich mit dem Anfang der Logik:

Dort mit dem Sein Einheit im aller einfachsten Sinne. Jetzt auch "Einheit" - Identität -, aber eine Einheit, die vielfältig in sich gegliedert ist!

Dennoch gibt es hier immer noch Differenz, denn wir befinden uns ja immer noch innerhalb der Logik, die also jetzt in die Realphilosophie übergehen muss.

Deren Themen sind dann Natur und Geist.

Logik - Realphilosophie

  • Logik: Subjektiv: die Wissenschaft des Denkens (was ist denken - als denken, nicht neurologisch), Objektiv: die Wissenschaft der Wahrheit (was ist Wahrheit), insgesamt: Die Wissenschaft der Wissenschaft. Es geht um inhaltlich bestimmtes denken mit dem Ziel der Übereinstimmung von subjekt und Objekt. d.h. es geht auch uim den inhalt des Denkens, und eine mögliche Differenz und deren Überwindung. darum wird in der Begriffslogik die anderen Gegenstände, die anderen Wissenschaften auch thematisiert, aber nicht für sich, sondern nach dem Gesichtspunkt hin, inwiefern in ihrem Begriff eine Übereinstimmung oder Unterschied zum Begriff des Begriffs gegeben ist. Zugleich ergibt sich daraus bereist eien erste Ordnung der Wissenschaften (aber natürlich unter Berücksichtigung der Kenntnisse der Wissenschaften. Die ganze Logik setzt natuerlich eine Kenntnis der Welt, der Gegenstände der Realphilosophie bei demjenigen der die Logik schreibt und studiert voraus).
  • Realphilosophie und Real/Einzelwissenschaften: zunächst einmal ist es das Verhältnis, das Hegel am Anfang seiner Nürnberger Enzyklopaedie angibt: die Realphilosophie gibt die Grundunterteilungen/System der Wissenschaften an und ihre Grundbestimmungen (natürlich aus einer Kenntnis der Einzelwissenschaften), die Einzelwissenschaften vermehren die empirischen Einzelkentnisse, beides vermehrt sich mit der Zeit und kommt im Idealfall zu einer gegenseitigen Durchdringung von oben bzw. unten.

Sondann ist es so, dass die Realphilosophie sich einerseits fuer die Phaenomene selbst interessiert, und in welchem Verhältnis die von den Wissenschaften daraus abgeleiteten Theorien dazu stehen: was ist eigentlich das Prinzip z.B. der Natur, des Geistes, des Lebens usw. Inwiefern kommen die Phänomene in den Theorien vor, wo gibt es noch Unaufgehobenes, Unabgeleitetes, wo gehen die Phaenomene verloren, sind die Theorien auch berechtigtzerweise so aus den Phänomenen abgeleitet. Sodann die Untersuchung der Axiome und Methodiken selbst: was bedeuten diese Axiome, diese Vorgehensweisen, was ist ihre Grundlage, was denkt man dabei, wenn man das denkt usw.

Es gibt kein Grund, warum ein Wissenschaftler einer Einzelwissenschaft sich nicht all diese Fragen selbst stellen sollte, im Gegenteil wäre es das, was seinem Tun Selbstreflexion gaebe und ihn dazu bringt, evtl. noch bestehende Grenzen zu überschreiten, Scheuklappen zu überwinden, neue Entdeckungen zu machen und andererseits sein Tun besser zu verstehen, was er macht, wenn er diese Einzelwissenschaft betreibt. Von daher waere es das Ziel, alle Wissenschaftler eine solche Ausbildung mit auf den Weg zu geben.

zum Übergang Idee - Natur

"Die absolute Freiheit der Idee aber ist, 
daß sie nicht bloß ins Leben übergeht, 
noch als endliches Erkennen dasselbe in sich scheinen läßt, 
sondern in der absoluten Wahrheit ihrer selbst sich entschließt, 
das Moment ihrer Besonderheit oder des ersten Bestimmens und Andersseins, 
die unmittelbare Idee als ihren Widerschein, 
sich als Natur frei aus sich zu entlassen." 
(Hegel, Enz. § 244)

Kai: Der Ubergang von der Logik zur Natur- und Geistesphilosophie ist, aus der Perspektive der Begriffslogik, der selbe wie vom Begriff des Begriffs zum Objekt und zur Idee.

Parallelen der Logik mit der Realphilosophie

Hegel schreibt in der Enz. § 244:

"Wir sind jetzt zum Begriff der Idee, 
 mit welcher wir angefangen haben, 
zurückgekehrt. 
Zugleich ist diese Rückkehr zum Anfang ein Fortgang. 
Das, womit wir anfingen, war das Sein, das abstrakte Sein, 
und nunmehr haben wir die Idee als Sein; 
diese seiende Idee aber ist die Natur." 8/393 

Die Gegenstände der Realphilosophie unterschiedlich komplex sind und daher unterschiedlich komplexe logische Kategorien zu ihrer Beschreibung bedürfen. Danach kann man sie anordnen (insbesondere da die logisch komplexeren Gegenstände natürlich auch inhaltlich komplexer sind und inhaltlich auf den Einfacheren aufbauen).

Mir scheint dabei, dass sich in der Naturphilosophie dabei in etwa die folgende Parallele findet:

  • Mechanik -> Sein
  • Physik (i.S. der hegelschen Naturphilosophie, also alles, was weder Mechanik noch Leben ist) -> Wesen
  • Leben -> Begriff

Siehe auch