ABE in Begriffshierarchien

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System - Logik - Begriff - subjektiver Begriff - Begriff als solcher

Übersicht

Wenn wir an Allgemeinheit (und ihr Verhältnis zum Besonderen) denken, dann denken wir zunächst an Begriffshierarchien. Es ist die Perspektive des aufgehobenen Seins (die Abgrenzungen dort sind nun vernünftig bestimmt).

Auf diese Weise kommen wir aber nur schwer zur Einzelheit, die ja gerade als dasjenige bestimmt ist, die sich nicht mehr ableiten lässt.

Im Stuhlbeispiel im Begriffstutorial wurde der Stuhl über seine Zweck bestimmt. Zunächst soll dies, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis von Allgemeinheit und Besonderheit untersucht werden (a).

Dann wird untersucht, ob nicht die Besonderheit selbst wieder nach allgemeinen, besonderen uns einzelnen Besonderheiten unterteilt werden könnten (b-e).

Schliesslich wird im letzten Abschnitt #Bezug zur geschichtlichen Entwicklung noch kurz auf das Verhältnis von historicher Entwicklung und der Gliederung der Besonderheit eingegangen.

Begriffshierachien: Allgemeines - Besonderheit als Art-Gattung (in Kais Terminologie: "äussere Besonderheit")

a Zweck / Mittel

(Bemerkung: Begriffe nach dem Zweck-Mittel Verhältnis findet man hauptsächlich im Bereich des menschlichen Geistes, speziell im Objektiven Geist, Technik usw.

Ich gehe hier auch deshalb zunächst näher darauf ein, weil ich das ja in meinem Begriffstutorial benutze. In gewisser Weise ist dieser Text die Fortsetzung zum Begriffstutorial)

a1 Zweck

Aus dem Begriff des Stuhls als Sitzmöbel ergeben sich die Differnzierungen der verschiedenen Stuhlarten: in dem Begriff ist der Zweck (Möbel zum sitzen genannt), je nach dem zu welchen Zwecken man sitzt, mag es unterschiedliche Sitzmöbel geben:

Der Thron, der "normale" Stuhl, der komfortable Fernsehsessel, der Bürostuhl, die Wirtshausbank usw.

a2 Mittel

Je nachdem, was für technisch-ökonomische Voraussetzungen vorhanden sind, wird dieser Stuhl aus Holz, Metall, Plastik, Glasfasern usw. in den verschiedensten Varianten angeboten (wobei klar ist, dass der Variantenreichtum aus beiden Einzelfaktoren a1 und a2 heraus mit der Zeit zunimmt).

a3 Verhältnis von beiden zum Begriff

Bei beiden Differnzierungen (sowohl nach dem Zweck/Inhalt wie nach dem Mittel/Form) kommt übrigens zu der Differenzierung in die Besonderheit hier noch etwas hinzu, die Differenzierung ergibt sich aus den jeweiligen Zwecken für die gesessen werden (die bezogen auf das Sitzen selbst durchaus "extern" sind) einerseits, den Stand des technisch-öknommischen Fortschritts (incl. der Verfügbaren Rohstoffe, Produktionsmittel, Wissen usw) die ebenfalls dem Begriff des Stuhls gegenüber auch "extern" sind (i.S. nicht vollständig nur aus dem Begriff selbst in seiner Allgemeinheit abgeleitet werden können. Aus dem Begriff des Stuhls folgt bloss, dass dieser also von diesen Beiden "Faktoren" abhängig ist, also sich seine Besonderheiten daraus ergeben).

b Die allgemeine Besonderheit

Eine der Besonderheiten (hier: Gattungen) könnte dabei als besonders typisch gelten, der idealtpyische "Stuhl": das wäre dann der oben gennante "normale" Stuhl, aus Holz, mit 4 Beinen, einer Lehne, keine Armlehnen, keine Verstärkungen, kein Polster.

Insofern dieser den einfachsten (aber nicht unbedingt einen verkünstelten Minimalstuhl i.S einer Stehhilfe o.ä.) Stuhl ausmacht, aus dem sich die anderen Stühle dann als Sonderformen für typische Zwecke usw. ableiten lassen, ist es der Stuhl an sich (die Goethesche Urpflanze).

Es ist die Repräsentation der Allgemeinheit als allgemeinen auf der Ebene der Besonderheit (Sofern es sich um ein so ausgezeichnetes Einzelnes handelt, etwa ein historisches Einzelnes, könnte man auch von einer Repräsentation des Allegmeinen als Allgemeinen auf der Ebene der Besonderheit und Einzelheit sprechen)

c Die einzelne Besonderheit

Nun soll ja die Einzelheit abr nach der Besonderheit kommen, es wäre also bei der Besonderheit, die die Einzelheit repräsentiert, eine solche zu finden, die nicht einfach den Begriff Ansich repräsentiert, sondern seine Fülle.

Beispiele: Hier wäre also der perfekte, ultimative Stuhl (eine Repräsentation, die sich natürlich historisch wandeln wird) gedacht. Bezogen auf etwa die Philosophien/Philosophen wäre das Hegel/Hegels Philosophie, bezogen auf die Religionen das Christentum.

d Das besondere Besondere

Das Besondere, welches das Besondere als solche repräsentiert, ist hingegen leicht zu finden, da dieses für jedes Besondere zutrifft. Das Besondere kann sich daher leicht weiter differnzieren (entweder in 2 Besondere, oder auch noch vielfältig weiter differnzieren, etwa in diverse Gattungen mit weiteren Untergliederungen usw).

Auch dies ein Grund, warum dieser zweite Bereich für Hegel der schwerste ist, am meisten Erweiterungen (und damit verbunden Umstellungen der Gliederungen) erforderte.

e Schwierigkeit mit b und c

lenkt vielleicht ab, erst weiterlesen, wenn das obige soweit klar ist:

Das typische Besonderheit im Sinne von b und c gibt es vielleicht nicht immer (wann?) und erfordert, wo vorhanden, extra Anstrengung dieses zu identifizieren. Geht man Hegels Triaden durch, so findet man in vielen keine Gliederung der Besonderheiten nach ABE, also oben: b - d - c.

In der Natur z.B.: was wäre ein typisches Obst, ein typisches Insekt, eine typische (Ur)pflanze, ein typischer Kristall usw?

Oder bezogen auf den Menschen: was wäre ein typischer Mensch an sich (vielleicht ein Baby?) und was ein Mensch in seiner ganzen Fülle? Für letzteres liessen sich eigentlich nur eine ganze Variation angeben, um diese Fülle auszudrücken: Budha, Jesus, Sokrates, Plato, Aristoteles, Cusanus, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Bach, Leibniz, Euler, Hegel, Goethe, Alexander von Humboldt, Marx usw

Bezug zur geschichtlichen Entwicklung

Ein Problem bei der 1.Herangehensweise (vorheriges Kapitel) ist, dass die Gliederung der Besonderheiten nach ABE (Allgemeiens - Besonderes - Einzelnes), also oben: b - d - c das meiste Material (das in B bzw. oben b), unberücksichtigt lässt.

Hier hilft die historische Perspektive. Naturgemäss fängt die geschichtliche Entwicklung am Anfang mit etwas Einfachem an und hört mit etwas Komplexeren auf. Und dazwischen bauen die Schritte aufeinander auf.

Wir haben heute gegenüber Hegel den Vorzug, das wir dieses Prinzip nicht nur im Bereich des Geistes, sondern auch in der Natur nachvollziehen können (zumindest von der Entstehung der Sonnen und der Planetensysteme bis hin zur Evolution).

Aber zum einen kann man sich übrall da, wo keine historische Entwicklung des Gegenstandes selbst vorliegt, mit der historischen Entwicklung unseres Wissens von dem Gegenstand behelfen (und auch unser Wissen von der historischen Entwicklung des Gegenstandes unterliegt ja selbst eienr historischen Entwicklung), denn auch hier ist es so, dass wir von einfachen Erklärungen zu immer komplexeren Erklärungen vorwärts gehen, und dabei immer mehr differenzieren (auch weil wir Unterschiede aufgrund unsere Fortschreitenden Wissens und unserer besseren Instrumente/Messmethoden überhaupt erst zu eienm solchen späteren Zeitpunkt bemerken).

Zum anderen reicht die gegebene historische Entwicklung auch nicht einfach nur für sich aus, sondern sie gibt uns einen Anhaltspunkt dafür, was logisch von einander abhängig ist, auf einander aufbaut. Im wissenchaftlichen Nachvollzug dieses Historischen in der Darstellung der Entwicklung der Besonderheit kommt es also zu einer von Zufälligkeiten "gereinigten" Darstellung, bei der die logische Entwicklung den Vorang hat (so dass z.B. geniale Vorwegnahmen späterer Entwicklungen uns hier im Ablauf der logischen Darstellung nicht stören).

Anwendung in der Gliederung des hegelschen Systems

Religionsphilosophie

Bei Hegel finden sich insbesondere in seinen "Vorlesungen zur Philosophie der Religion" eine solche "gereinigte" Geschichte der Religionen als ausdrückliche Darstellungsprinzip der "Besonderen Religionen" (die dabei aber gleichzeitig mit den Prinzipien der Logik in loser Parallele dargestellt werden, da ein einfacherer Status ja auch mit einer einfacheren logischen Kategorie zusammenhängt). Die absolute Religion ist dann das Christentum als besonders hervorgehobene Einzelheit, wie oben unter c besprochen. Interessant ist hier auch die "Religion der Zauberei" als b (Allgemeinheit in der Besonderheit, Religion an sich). Man könnte daraus (zurecht) auch eine Kritik Hegels an der Religion erschliessen. Aber zum einen könnte man hier natürlich sagen, dass der historische Ausgangspunkt immer auch noch Zufälligkeiten enthält, zum anderen ist der Bezug auf die menschlichen Zwecke ja in der Tat immer gegeben, auch in der Wissenschaft und Philosophie.

Geschichte der Philosophie

In seinen Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie behandelt Hegel nur die Besonderheiten nach dem erwähnten "gereinigten" historischen Prinzip, als Besonderheit, die die Einzelheit repräsentiert, nimmt er dabei seine eigene Philosophie (die er daher als "absolute Philosophie" hätte kennzeichnen können). Der Begriff der Philosophie wird eher in der Enzyklopädie und in der Einleitung zur Vorlesung gegeben (Fairerweise kann man ja festhalten, dass eine Vorlesung zur "Geschichte der Philosophie" eben auch nur diesen Gegenstand hat, nicht den der ganzen Philosophie. Aber Hegel weist in der Einleitung selbst auf den Zusammenhang hin - Obst Beispiel).

Ästhetik / Philosophie der Kunst

Auch in seiner Vorlesung zur Kunst gliedert Hegel die Besonderheiten des Stoffs nach den drei historischen Phasen Symbolisch (Orient) - Klassisch (Griechen, m.E. Römer) - Romantik ("Germanisch"/Christentum).

  • Interessantere entwickelt Hegel hier zum einen noch eine zweite Gliederung anhand der Kunstgattungen: von der Architektur (Symbolisch) über die Skulptur (klassisch) bis zur Malerei, Musik und Poesie (Romantisch), wobei er diese Gattungen (wie oben angedeutet) in Parallele zur historischen Gliederung bringt (was ihm dann das Problem bringt, das diese Kunstgattungen auch vorher und nachher bestehen, also nur zu der jeweils ausgezeichneten historischen Phase besondrs gut passen)
  • Noch interessanter ist, dass Hegel in der Kunst das vollendete Kunstwerk in der Mitte (der Klassik) ansiedelt, die Romantik ist schon ein darüberhinaus, das nur insofern noch vollendeter ist, als es den Mangel des Kunstwerkes, der Sphäre der Kunst, darstellt (das ist jedenfalls eine Durchführung die mir angesichts des oben dargestellten Prinzip c als Abschluss zu denken gibt. Hegel ist auch hier also frei von Schematismus, lässt auch hier, wie überall, den Inhalt entscheiden)

Objektiver Geist / Rechtsphilosophie

Im "Objektiven Geist" hat Hegel die Weltgeschichte explizit als "Abschluss" ans Ende gestellt. Dies weist zum einen auf noch ein anderes Gliederungsprinzip hin.

Es gibt hier eine Parallele mit dem Ende der Naturphilosophie ("Objektiver Geist" ist ja "Zweite Natur"), die abschliesst damit, dass das Einzelen vergeht, das Allgemeine aber als Art aber (in der Abfolge der Einzelnen) überlebt (zu Hegels Zeiten, angesichts nicht befriedigender Evolutionstheorien, nicht dargestellt, ist dabei noch die Höherentwicklung in diesen beiden Abfolgen, die aber auf jeden Fall beim Geist eher bewusst und daher notwendiger ist als in der Natur).

Siehe