ABE als Momente des begrifflichen Gesamtzusammenhanges

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Zur Fragestellung

Im Artikel ABE in Begriffshierarchien wurde das Einzelen nur negativ bestimmt: als dasjenige, was sich - im Gegensatz zum Besonderen - nicht mehr aus dem Allgemeinen ableiten lässt.

Aber in der Begriffslogik sind wir in der Ableitung. Wie kann Einzelnes also so gedacht werden, das wir es von Allgemeinem und Besonderem ableiten können und zwar so, dass das Einzelen dabei die Aufhebung von Allgemeinem und Besonderem ist.

Mit Hegel gesagt:

Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit sind abstrakt genommen dasselbe, 
was Identität, Unterschied und Grund. 
Aber das Allgemeine ist das mit sich Identische ausdrücklich in der Bedeutung, 
daß in ihm zugleich das Besondere und Einzelne enthalten sei. (Enz. § 164)

Der 2. Satz ist (nach dem Begriffstutorial) klar (zumindest was das Allgemeine und Besonderen angeht). Aber wie ist es mit dem Einzelnen?

Zudem: im 1.Satz sind die Paralllen

  • Einheit - Allgemeine und
  • Unterschied - Besonderes

sonennklar. Aber wie wiederum ist die Parallele Grund - Einzelnes zu denken?

ABE als Momente des begrifflichen Gesamtzusammenhanges

Der Ansatz, das Besondere und Einzelnen von der Begriffshierarchie her zu denken, berücksichtigt, dass der Begriff die Aufhebung des Seins ist. Er berücksichtigt aber nicht das in der Wesenslogik erreichte.

In der Wesenslogik hatten wir nach dem Warum gefragt und als Antwort etwas Getrenntes bekommen (Beispiel: "der Grund für den Regen sind die Wolken"). In der Begriffslogik, als Ergebnis der Untersuchung der Wesenslogik, werden die einzelnen wesenlogischen "Faktoren" nicht von dem zu Erklärenden getrennt gedacht, sondern als Teile (="innere" Besonderheiten), "Momente" seines Begrifs bestimmt (zum Begriff des Regens gehört die Wolke usw. zwingend dazu).

Dementsprechend gliedert sich der Begriff des Stuhls nicht nur in eine Begriffshierarchie Bürostuhl, Liegestuhl (sein, "äussere" Besonderheit, Begriffshierarchie) usw, sondern auch nach innen in Lehne, Sitzfläche usw (Wesen, innere Besonderheit, Teile eines Gesamtzusammenhangs, Momente).

Die Allgemeinheit ist dann der Begriff "an sich" (z.B. von Stuhl, Staat, Dackel usw), die Besonderheit stellt dann die Teile dar (die Teil des Stuhls, die Organe des Staates oder des Dackels, Regen, Wolken, Wind usw), in der Einzelheit werden dann diese Teile nochmal ausdrücklich in ihrem Gesamtzusammenhang dargestellt (der Wetterprozess usw).

Der Gesamtzusammenhang ist natürlich bereist implizit/an sich im Allgemeinen Begriff enthalten und muss natürlich auch in den Besonderheiten präsent sein, aber explizit wird er am Ende eben als Gesamtzusammenhang, (meist als Prozess) dargestellt.

(Da man von den Besonderheiten selbst wieder Begriffe bilden kann, können diese sich wieder nach ABE aufgliedern usw - siehe Hegeldreieck, siehe auch http://hegel-system.de/de/nbg-enz.htm#P4).

Wer sich Hegels System ansieht, wird darin meistens eine Gliederung von dieser Art finden.

Die Begriffshierarchie baut ja sowieso darauf auf (sie ist ja eine Begriffshierarchie, also eine Hierarchie von Begriffen, die also jeweils in Allgemiens, Besonderes, Einzelens gegliedert sind).

Konsequenz für die Hegelinterpretation

Dies bedeutet, dass man wissenschaftlich das Hegelsche System "Top-Down" nachvollziehen können sollte. Dabei sollte sich zu jeder Gliederung angeben und erklären lassen: was wird hier gegliedert (Allgemeines), wie lässt sich daraus die Gliederung ableiten (Besonderheit) und wie ist der organische Gesamzusammenhang (insbesondere auch der Teile untereinander), Prozess davon (Einzelnes).

siehe auch