Über die Triebe

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zu den Trieben

Es gibt zwei mögliche Stellungen zu den Trieben (die hier ĂŒbrigens nicht unbedingt identisch sein mĂŒssen mit dem an das was ein Biologe oder Psychologe dabei denkt, sondern hier nur ganz logisch/simpel - als Trieb in mir zu etwas - bestimmt sind):

  • Formell: die Triebe hindern mich daran, etwas anderes zu machen (klassisch etwa bei den SĂŒchten), was ich eigentlich will,
  • oder umgekehrt inhaltlich: wenn ich doch gerade genau dasselbe wie meine Triebe will (Hedonismus, Werbung, VulgĂ€rmaterialismus, aber natĂŒrlich auch eine erste biologistische Position usw), dann ist doch gerade diese Position meiner Triebe die Freiheit und damit wĂ€re umgekehrt ein erzwungener Triebverzicht (von aussen oder innen) eine EinschrĂ€nkung dieser Freiheit (das wĂ€re die erste von Hegel dargestellte Position).

Es ist klar, dass bei uns heutzutage die 2. Position populÀrer ist. Aber auch diese selbst könnte ja gerade darum unfrei sein, etwa weil sie dann vermutlich kulturell/ gesellschaftlich verursacht ist, etwa durch Werbung.

Meiner persönlichen Ansicht nach wĂ€re die Auflösung dieses hier festgehaltenen Widerspruchs die jeweilige inhaltliche Untersuchung und Beurteilung der jeweiligen bestimmten Triebe. WĂ€hrend sich formel, ohne Betrachtung des Inhaltes, zwischen den beiden Positionen wirklich nicht begrĂŒndet entscheiden lĂ€sst, so finde ich doch in der Praxis (darum das Beispiel der SĂŒchte) hinreichend inhaltliche Beispiele, bei denen mich ein Trieb auch tatsĂ€chlich behindert an mir wichtigerem oder mir gar unterm Strich schĂ€dlich ist (oder umgekehrt, je nach Trieb eben, auch nicht).

Das heisst dann aber doch, dass die Triebe nicht einfach so gelten sollten, sondern dass ich ihren Inhalt beurteilen muss (Hegel lehrt die Vermeidung von Formalismen/Dogmantismen, sondern lehrt stattdessen, jeweils auf die Inhalte zu schauen) und dann jeweils entscheide, ob ich ihnen - gemessen an meinen eigenen MaßstĂ€ben - nachgebe oder besser nicht (das macht doch auch jeder in der Praxis meistens so, wo nicht hat er sich eben davor dazu entschieden).

Dann gehört es aber auch zu meiner Freiheit dazu, das ich tatsĂ€chlich im Falle eines inhaltlich begrĂŒndeten negativen Urteils ĂŒber einen meiner Triebe zu einem gegebenen Anlass dann auch in der Lage bin, auf seine Verwirklichung zu verzichten, es ist dann in diesem Fall gerade nicht meine UnterdrĂŒckung, sondern meine Freiheit.

Verbindung zu Freud

Das passt ĂŒbrigens auch zu der Freudschen Lehre vom Es/Ich/Über-Ich, auch da soll ja nicht einfach das "Es" gelten, sondern es sollte durch das "Ich" (Ego) vermittelt werden.

zur Bestimmung durch die Gesellschaft

Und ebenso analog ist eine Beurteilung dessen, was einem "Die Gesellschaft", "Die Eltern" (bzw. in freudscher Terminologie dann das "Über-Ich") sagen, ohne eine Beurteilung des Inhaltes mĂŒssig:

Auf eine unfreie Übernahme der Inhalte der Eltern durch die Kinder (Haha! Kann ich da als Vater 2er Kinder von 5 und 8 nur sagen, aber lasst mich bitte fĂŒr die Diskussion hier das bewusst vereinfacht darstellen) folgt eine Phase der Rebellion, in der bewusst das nicht gemacht wird, was die Eltern sagen (idealtypisch: Punks usw).

Auch das ist noch unfrei, weil immer noch (wenn auch negativ) bestimmt von den anderen.

Auch hier ist eine Übereinstimmung oder Differenz inhaltlich zu zeigen. Die Haltung, das etwas, bloss weil es Gesetz, Kultur, Tradition ist, dann inhaltlich falsch bzw. mir entgegenstehend sein sollte, halte ich fĂŒr mindestens genauso problematisch wie die gegenteilige Behauptung (Im Gegenteil könnte man sinvoll argumentieren, dass etwa gerade das explizit machen der Regelungen in einem geschriebenen, objektiven Gesetz bereits ein Fortschritt fĂŒr sich ist (und zudem dadurch, das es so besser zum Gegenstand expliziten Nachdenkens gemacht werden kann, weiteren Fortschritt ermöglicht).

Freiheit

Freiheit ist erst erreicht, wenn die Beurteilung rein aus den Inhalten, nicht daher kommen, weil etwas so vorgegeben ist (in meinen Trieben, in der Kultur, Gesellschaft usw) oder umgekehrt in der Negation davon (die ja dann nur Negativ davon bestimmt bleibt).

Siehe auch:

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